Aktuelle Entwicklungen auf den Ölsaatenmärkten und Rapspreisentwicklungen 2014

von Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur der Fachzeitschrift „agrarmanager“

Anfang Februar 2014 drücken eine Reihe bärischer Faktoren auf den hiesigen Rapsmarkt. So steht in Südamerika eine absehbar riesige Sojaernte auf dem Halm. Allein in Brasilien könnten in den nächsten Wochen über 90 Mio. t Bohnen gedroschen werden. Dazu kommt, dass sich der Anbau in den USA 2014 Richtung Sojabohne verschieben dürfte, da die Ölfrucht eine deutlich höhere Rentabilität als der um die gleiche Anbaufläche konkurrierende Mais verspricht. Der Großhändler Cargill legt eine Ölmühle im US-Bundesstaat North Carolina still, angeblich wegen mangelnder Nachfrage nach Sojaschrot. Aktuell sind die großen Finanzfonds mit großen Positionen long – also mit Kaufkontrakten - in der Bohne. Sollte die Nachricht von der mangelnden Schrotnachfrage Liquidationswellen auslösen, könnten die Bohnenpreise an der Welt-Leitbörse von Chicago unter Druck geraten.

Das sind alles keine guten Nachrichten für unsere Rapspreise. Wer noch Raps im Lager hat, sollte am heutigen Dienstag (4.2.) in erhöhter  Alarmbereitschaft sein, denn der nächste Report des kanadischen Statistikbüros „droht“ mit frischen Zahlen. Die Rapsbestände des nordamerikanischen Landes zum Jahresende 2013 werden vom Markt auf rekordhohe 12,3 Mio. t geschätzt.

Bei den unterschiedlichen Laufzeiten der an der europäischen Leitbörse Matif gehandelten Rapssaaten ist Anfang Februar eine inverse Preisstruktur zu beobachten. Das heißt, dass Februar-Raps (inzwischen ausgelaufen) teurer gehandelt wird als Mai-Raps, obwohl die dreimonatige Lagerung ja Geld kostet. Dies lässt aus heutiger Sicht nur den Schluss zu, sich schnell von noch vorhandenen Beständen zu trennen, da die Lagerung ja nicht honoriert wird. Sollte es bei der Anschlussversorgung vor der neuen Ernte eng werden, könnte dies die Preise für alterntigen Raps in den nächsten Monaten allerdings auch wieder nach oben bringen. Matif-Raps zur Andienung im November 2014, auf den viele ex-Ernte-Kontrakte basieren, brachte Anfang Februar um die 350 €/t. Vor einem Jahr mussten für den gleichen Raps in der Spitze noch über 420 €/t bezahlt werden. Bei einem Naturalertrag von 4 t /ha fehlen dem Erzeuger damit bei ansonsten gleichen Bedingungen 280 €/t!

Wer nicht so früh Vorverträge machen will, weil speziell Auswinterungsschäden Ertragsplanungen zunichte machen können, kann hohe Erzeugerpreise auch mit so genannten Put-Optionen absichern. Das ist eine Art „Vollkaskoversicherung“. Versichert wird ein „Unfall“ in Form abstürzender  Preise. Gegen Zahlung einer Prämie (z.B. 15 €/t) kann ein bestimmter Mindestpreis (z.B. 420 €/t) abgesichert werden.  Steigen die Preise nach dem Optionskauf weiter, partizipiert der Landwirt und die Versicherungs-Prämie verfällt. Fallen die Preise, bleiben dem  Landwirt mindestens 405 €/t (420 €/t Mindestpreis abzgl. 15 €/t Prämie). Die Put-Option ist eine interessante Alternative zum klassischen Vorkontrakt, die sich rasant steigender Beliebtheit erfreut.  Sollten sich  witterungsbedingt starke Ertragseinbrüche einstellen und die Rapspreise deshalb bis zur Ernte stark steigen, könnten die Optionen ihre Stärke ausspielen. (us)


Dr Uwe Steffin Oelsaatenmaerkte
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