40 Jahre RAPOOL. Das passt

von Dietmar Brauer und Johannes Peter Angenendt, Geschäftsführung RAPOOL

Am 26. Februar 1974 wurde der RAPOOL-RING, Qualitätsraps deutscher, mittelständischer Züchter, gegründet. Anlass war der Vertrieb neuer erucasäurefreier Rapssorten (0-Sorten), die auf durchwuchsfreien Flächen eine neue Speiseölqualität und neue Märkte schaffen sollten. Dies ist langsam, auf niedrigem Niveau, in Westdeutschland gelungen. Lesira, Quinta oder Jet Neuf sind Beispiele für den damaligen Sortenerfolg.

Ab 1985 erfolgte die Umstellung auf glucosinolatarme Sorten (00-Sorten), die in Ost-und Westdeutschland endgültig den Marktdurchbruch und Flächenausdehnung beflügelt haben, begünstigt durch eine EU-Marktordnung. Sortenbeispiele dieser Ära sind Lirabon, Ceres, Madora, Lirajet oder Express.

Ab 1995 ist die Einführung von Hybridsorten durch RAPOOL erfolgt, zunächst als (nicht restaurierte, nicht pollenbildende) Verbundhybridsorten erfolgt (Synergy, Accord), dann ab 1996 mit restaurierten MSL-Hybriden (Männliche Sterilität Lembke). Joker, Pronto, Artus, Talent, Mendel und Titan sind Beispiele der ersten und zweiten Sortengeneration, den erfolgreichen Anfängen. Ab 2008 ist Visby synonym für eine neue, auf Ertrag selektierte Hybridgeneration, die bis heute europaweit erfolgreich ist.

Genetisch neu am Start sind drei weitere „Hybridlinien“ mit der Serie Genie,  Mendelson oder ganz neu Comfort. Die neue „Avatar“ Serie wird u.a. durch Mercedes verstärkt. Aus der dritten „Serie“ geht Marathon vielversprechend neu bei Rapool ins Rennen.

Nach 40 Jahren RAPOOL-Züchtung stehen wir am Anfang  einer einzigartigen, genetisch vielfältigen Hybridbasis, die kontinuierlich wachsende Ertragsfortschritte verspricht: In 40 Jahren hat sich der Rapsertrag in der Praxis um ca. 18 dt/ha und Jahr erhöht. Das sind – mit Qualitätsumstellungen und Ölgehaltssteigerungen –  0,45 dt/ha. Ein Wert, der auch dem aktuellen Hybridertragsfortschritt entspricht. Anlass genug auch hoffnungsvoll in die Rapszukunft zu blicken.

 

Die Rapsbeizung

RAPOOL wird als Nebenkläger gegen die Entscheidung der EU-Kommission aktiv der Klagen von BCS und Syngenta vor dem EUGH beitreten. Begründungen: Das Beizverbot ist „unverhältnismäßig“, es basiert auf einer „vorausschauenden Risikoabwehr“, die nicht konkret benannt und definiert ist.

Erst nach dem Verbot im Juli 2013 wird in wissenschaftlichen „Workshops“ versucht eine neue Bewertungsgrundlage und Methode zu entwickeln (Bee Guidance Document).
RAPOOL klagt aus Eigennutz (RAPOOL verteidigt den wirtschaftlichen Erfolg seiner Züchtung gegen das Beizverbot), aus Gemeinnutz (Maximalerträge, Sortenleistung und Wirtschaftlichkeit des Rapsanbaus sind wahrscheinlich beeinträchtigt (Bestandesdichte, Fungizid- und Insektizidaufwand, Kontroll- und Arbeitszeiten steigen)), sowie aus Gründen des Umweltschutzes (Die Beizung wirkt selektiv gegen Schädlinge. Eine Flächenbehandlung „betrifft“ leider Alle. Fachlich widerspricht es dem Resistenzmanagement.

RAPOOL setzt sich seit Jahren aktiv für einen „vernünftigen“ Rapsanbau nach Prognose und Diagnose ein (Pflanzenschutz mit Sachverstand). Dies betrifft ausdrücklich auch einen Bienenschutz und einen Imkerdialog. RAPOOL bedauert, dass die politische Diskussion und die beteiligten Interessenverbände den Eindruck erwecken, als gäbe es keine funktionierende Partnerschaft von Imkerei und Landwirtschaft. Wir brauchen beides. Unbedingt.

RAPOOL bedauert auch, dass alle Initiativen der Rapszüchter zur tatsächlichen und technisch möglichen Gefahrenabwehr (Zertifizierung der Beizanlagen) komplett unberücksichtigt geblieben sind.

 

Der Nachweis der Nachhaltigkeit und die Diskussion über indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC)

Seit Anfang 2012 wird in Brüssel auf der Basis eines Vorschlages der EU-Kommission zur Änderung der EU-Biokraftstoffpolitik diskutiert, ob und wie mögliche Landverdrängungseffekte (iLUC; indirect land use change)durch europäischen Biodiesel in die Klimabilanz der Rapsproduktion einfließen sollen. Die grundsätzliche Bewertung einer Agrarproduktion nach wissenschaftlichen Kriterien ist eigentlich sinnvoll, sollte aber auf der Basis einheitlicher und nachvollziehbarer Kriterien erfolgen. Genau dies ist aber bei der Diskussion um iLUC nicht der Fall. Deshalb lehnt die deutsche Biokraftstoffwirtschaft den Richtlinienentwurf der EU-Kommission ab.

Viele Annahmen der dem Vorschlag zugrunde liegenden Studie des IFPRI-Instituts aus Washington sind strittig, ebenso die fehlende wissenschaftliche „Beweisbarkeit“  der gewählten Bewertungsmethode. Mit dem von der EU-Kommission aus der IFPRI-Studie abgeleiteten Treibhausgas-Maluswert von 55g CO2 je MJ Biodiesel soll  der europäische Rapsanbauer verantwortlich gemacht werden für die Abholzung von Regelwäldern in Südamerika.

Namhafte Ökonomen (Prof. von Witzke, Berlin, Prof. M. Schmitz, Gießen, Prof. Klepper, Kiel) haben klar nachgewiesen, dass der Rohstoffanbau für die Biodieselproduktion nur einen marginalen bis geringen Effekt auf die Verknappung und Verteuerung von Nahrungsmitteln haben. Damit entfällt eigentlich die Notwendigkeit einer weiteren politischen „Regulierung“ der Agrarmärkte.

Mit jedem Hektar Raps für Biodiesel in Europa wird auch Proteinfuttermittel erzeugt und damit importiertes Soja eingespart. Umgerechnet eine Million Hektar „Flächenverbrauch“ für Sojaanbau in Südamerika vermieden. Dieser „Einspareffekt“ bleibt bei der Bewertung der Klimabilanz des Rapsanbaus bleibt ebenso wie Vorfruchtwert und Fruchtfolgeeffekte unberücksichtigt. Auch die Bedeutung des technologischen und züchterischen Fortschritts für Flächeneinsparungen spielt dabei keine Rolle. 18 Dezitonnen mehr Ertrag können auf demselben Hektar mehr geerntet werden als vor 40 Jahren und das möglicherweise mit gleichem oder sogar geringerem Aufwand.  Das ist echte Effizienz und wirkliche Nachhaltigkeit, wie wir sie als Praktiker verstehen. Leider finden wir das nicht im politischen und gesellschaftlichen Dialog wieder.

Unabhängig vom Ausgang der politischen Diskussionen in Brüssel über die Zukunft der Biokraftstoffe ist der Landwirt gefordert, für seinen Rapsanbau die nachhaltige Erzeugung gemäß geltender Gesetzeslage nachzuweisen. Hierzu gehört, dass zum 1. Januar 2014 in Deutschland die sogenannte Klimaschutzquote eingeführt wird – bereits die Ernte 2014 ist betroffen. Die Klimaschutzquote löst die aktuellen Vorgaben betreffend energetische Beimischung ab. Künftig muss also nur noch eine Vorgabe für einzusparendes CO2 erfüllt werden: Die Art des Biokraftstoffes oder der entsprechende Rohstoff ist nicht vorgegeben. Daher ist zu erwarten, dass der Wettbewerb der Pflanzenöle untereinander für die Herstellung von Biodiesel eher noch zunehmen wird. Begünstigt wird der Rohstoff sein, bei dem mit möglichst wenig Menge möglichst viele Treibhausgase eingespart werden. Die Biokraftstoffhersteller werden über die Ölmühlen und den Ölsaatenhandel entsprechende Wünsche nach Absenkung der Treibhausgasemissionen an den Rapsanbauer weitergeben.

Bisherige Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass der Stickstoffdüngung eine überragende Rolle bei den Emissionen auf der Ebene der Rapserzeugung zukommt – rund 80n bis 85 % der Treibhausgasemissionen hängen gehen auf die  Herstellung und Ausbringung der N-Dünger zurück. Allerdings kommt dem Stickstoff auch eine überragende Bedeutung bei der Ertragsbildung zu, weshalb die Landwirte mit diesem Produktionsinstrument sensibel umgehen sollten.

Zur Ernte 2014 ist es möglich, für den Nachweis der Nachhaltigkeit in der Selbsterklärung anstelle des bisher verwandten Teilstandardwertes für den Rapsanbau aus dem Anhang V der Erneuerbaren-Energien-Richtlinie auf den ebenfalls vorliegenden Wert für die in Deutschland ausgewiesenen NUTS2-Gebiete (Regierungsbezirke) zurückzugreifen. Diese  erreichen CO2 Äquivalente zwischen 23,5 und 24, 8 g je MJ Biodiesel und unterschreiten damit deutlich den Teilstandardwert aus dem Anhang V in Höhe von 29,0 g CO2/ M. Unabhängig hiervon  sind weitere Einsparungen im Lebensweg von Biodiesel aus Raps auf Ebene der Ölmühle und der Biodieselanlage zu erwarten, so dass im Ergebnis insgesamt für die Treibhausgase bei der Herstellung von Biodiesel aus Raps Einsparungen in Höhe von bis zu 50 % im Vergleich zur fossilen Referenz erreichbar sein dürften. Hiervon unabhängig wird sich die Landwirtschaft auch weiterhin mit der Optimierung der N-Düngung auseinandersetzen müssen: Künftig nicht nur aus Gründen der optimalen Ertragsbildung,  sondern in zunehmendem Maße auch unter dem Gesichtspunkt der Einsparung von Treibhausgasen! Vorläufiges Fazit: Noch kann in Deutschland Biodieselraps produziert werden und es ist möglich, weitere THG-Einsparungen z.B. durch optimierten N-Aufwand oder durch treibhausgasoptimierte Düngerformen in Aussicht zu stellen. Sollten aber iLUC-Werte  in der bislang diskutierten Größenordnung von zusätzlich 55 g CO2 Äquivalent/MJ Biodiesel eingeführt werden, ist die Verwendung von Raps für die Herstellung von Biokraftstoffen künftig ausgeschlossen. Der Raps muss dann ausschließlich als Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt abgesetzt werden – was die Verwertungsmöglichkeiten für die Rapserzeuger in Deutschland ganz erheblich einschränken würde.

 

Der Raps schafft Lebensräume und Lebensfreude

Auch wenn die politische Nachhaltigkeitsdiskussion schwer nachvollziehbar ist, bemühen wir uns um verstehbare Fakten, die  für unseren Rapsanbau sprechen. Das sind die vielen Insekten-und Spinnenarten. Seien es Webspinnen, Laufkäfer oder Kurzflügler, sie fühlen sich ebenso wohl in der „Raumkultur“ Raps, wie pollen-und nektarsammelnde Wildinsekten oder Honigbienen.

Eine aktuelle Literaturrecherche hat ergeben, dass bis zu 100 Regenwürmer pro m3 im Ackerboden zu finden sind. Dies entspricht 1 Million pro Hektar, die Regenwurmgänge von 4.000km Länge und mehr graben. Hier liegen – neben – der Wurzelleistung des Rapses die Gründe für die hohen Vorfruchtwerte von Raps und dessen Humusaufbaus.

RAPOOL blickt gefasst nach vorn    

RAPOOL setzt sich für neue Beizlösungen ein und unterstützt Feldversuche und Modellanbauten
RAPOOL setzt sich für „praxisgerechte“ iLUC-Regelungen für Biodiesel ein (Entscheidung im neuen EU-Parlament Frühjahr 2014)
RAPOOL wird sich weiter um positive Argumente des Rapsanbaus bemühen (Bodenleben, Fruchtfolge)
RAPOOL wird den Zuchtfortschritt im Ertrag vorantreiben zur Erhaltung der Wirtschaftlichkeit und indirekt zur Erhöhung der N-Effizienz
RAPOOL bleibt „streitbar“ für kommende Herausforderungen.