Raps Bestandesführung 2014 – das passt

von Dipl.-Ing. agr., Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH

Mit Stand Ende Januar haben sich die meisten Bestände dank eines goldenen Oktobers noch gut zurechtgewachsen. Sorge bereitet den Landwirten aktuell eher der wassergesättigte Boden mit Staunässe und eingeschränkter Befahrbarkeit.

 

Einsparung bei der N-Düngung möglich

Üppige Bestände, wie sie vor allem im Norden zu finden sind, erlauben im Frühjahr eine N-Düngung nach Frischmasse. In solchen kräftigen Beständen (> 2 kg pro m² Frischmasse) kann die N-Düngung gezielt um bis zu 30 kg N/ha verringert werden. Die N-Versorgung ist bisher als ausreichend bis gut zu beurteilen, so dass für die erste N-Düngung ein Termin mit guter Befahrbarkeit abgewartet werden kann. Bei frühem Vegetationsbeginn sollten eher langsam wirkende N-Formen; bei spätem Beginn bzw. später Andüngung N-Formen mit schnell wirkendem Nitratanteil gewählt werden.

 

Wachstumsregler/Fungizide mit Augenmaß einsetzen

Im Norden, Westen und Südwesten zogen seit November immer wieder Tiefdruckgebiete mit Regen und hohen Temperaturen(häufig sogar im zweistelligen Bereich) durch. Hier besteht wegen der verbreiteten Phoma – Herbstinfektionein erhöhtes Phomarisiko, da sich der Pilz bei Temperaturen über 10°C auch im Winter weiterentwickeln konnte. Landwirte sollten bei Streckungsbeginn der Bestände die Blätter auf Phoma-Blattflecken kontrollieren und bei Bedarf bei warmem, „matschigem“ Frühjahrsbeginn eine zeitige Wachstumsregulierung mit ausreichender fungizider Wirkung einplanen. Im Osten und Südosten war es im Herbst und Winter meist deutlich kühler und trockener. Entsprechend ist hier das Phomarisiko deutlich geringer einzustufen.

Noch sind die meisten Böden wassergesättigt. Sollte jedoch wie in den vergangenen beiden Jahren ein trockenes Frühjahr folgen, so ist bei der Wachstumsregulierung Vorsicht geboten. Bei trockenem Boden können WR-Maßnahmen den Stress für die Pflanzen sogar verstärken und sich negativ auf den Ertrag auswirken. Die beste Wirkung wird bei warmem, wüchsigem Wetter (feuchter Boden) erreicht.

 

Schädlingsbekämpfung im Frühjahr 2014

Grundsätzlich sollten die verfügbaren Wirkstoffklassen gewechselt werden. Wegen der Pyrethroidresistenz der Rapsglanzkäfer und beginnend auch des Rapserdflohs und des Kohlschotenrüsslers sollten dabei vorrangig Wirkstoffe aus anderen Wirkstoffgruppen verwendet werden. Dass Behandlungen nur nach Schadschwelle und unter Beachtung des Bienenschutzes durchgeführt werden, versteht sich von selbst.

 

Hierfür bieten neben den Hinweisen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes die Expert Schädlingsprognose (mit überarbeiteter, nutzerfreundlicher Oberfläche) und das RAPOOL-Insektizidmodul eine einfache Unterstützung bei Auswahl und Terminierung insektizider Maßnahmen, auch in Tankmischungen mit Fungiziden. Beide stehen unter www.rapool.de auch mobil tagesaktuell zur Verfügung.

 

Worauf Sie im Frühjahr achten sollten

•          Wurzelkontrolle auf Kohlhernie, Kohlfliege, Bormangel

•          Blattkontrolle auf Phoma-Blattflecken

•          Erdfloh-Larven Kontrolle in den Blattstielen

•          Stängelkontrolle auf Erdflöhe und Stängelschädlinge

•          Knospenkontrollen auf Rapsglanzkäfer

•          Ab 12°C Luft- und ca. 5°C Bodentemperaturen Zuflugbeginn und Aktivität von Rüsslern und Glanzkäfern per

Gelbschale und Expert Prognose überwachen.

 

Neues Hilfsmittel für Praktiker - der RAPOOL-Zollstock mit Rapszählrahmen

Ganz einfach geht das Auszählen der Bestandesdichte mit unserem neuen Rapszählrahmen. 2,40 m XL-Zollstock zu einem 60 x 60 cm Quadrat auslegen, ergibt 0,36 m² (= ca. 1/3 m²) Zählfläche. Gezählte Pflanzen mit 3 multiplizieren (genau: x 2,77) ergibt die Anzahl der Pflanzen/m². 60 cm Kantenlänge ermöglicht auch das Auszählen weiter Reihenabstände, dabei ist der Zählaufwand überschaubar. 14 gezählte Pflanzen im Rahmen entsprechen z.B. einer Bestandesdichte von 40 Pfl./m². Der XL-Zollstock bietet weitere Kontrollmöglichkeiten wie Pflanzenabstand in der Reihe, Saattiefe oder ganz einfach Längenmessungen.

 

Rapsaussaat 2014 ohne insektiziden Beizschutz?

Rapserdfloh und Kohlfliege als wichtigste Herbstschädlinge konnten bisher über den insektiziden Premium Beizschutz gezielt erfasst werden, ohne Nützlinge zu gefährden. Mit einem adäquaten insektiziden Ersatz ist regulär nicht vor 2016 zu rechnen. Auch wenn kurzfristig zur kommenden Aussaat ein insektizider Wirkstoff zur Verfügung stehen sollte, wird das Wirkungsspektrum nicht an den gewohnten Beizschutz heranreichen. RAPOOL empfiehlt daher, pflanzenbaulich möglichen Schäden vorzubeugen.

 

  • Mechanische Stoppelbearbeitung reduziert den Schlupf von Kohlfliegen auf Altrapsflächen. Sind bei der Rapsernte Rapserdflöhe vorhanden (es hüpft auf dem Anhänger), so kann auch deren Population durch eine zeitige Bearbeitung gestört werden.

 

  • Frühsaaten vermeiden
    Kohlfliegen orientieren sich stark am Geruch und finden zielsicher die ersten auflaufenden Rapsbestände. Normale bis etwas spätere Saattermine sind sicherer, auch in Bezug auf Kohlhernie.

 

  • Dünnsaaten vermeiden, ggf. Saatstärke um 5 Körner/m² erhöhen
    Stehen weniger Pflanzen zur Eiablage zur Verfügung, werden pro Pflanze mehr Eier abgelegt, der Befall steigt. Dies gilt sowohl für Kohlfliege und Rapserdfloh. 40 bis 50 Pflanzen/m² stellen einen Kompromiss aus Einzelpflanze und Bestandesdichte dar.

 

  • Fungiziden Beizschutz nutzen (DMM!)

 

  • Wachstum fördern
    optimales Saatbett für zügigen Auflauf und schnelles Jugendwachstum schaffen, frohwüchsige Hybriden anbauen.

 

  • Gelbschalen aufstellen, Expert Rapserdflohprognose, Feldkontrollen von Altrapsschlägen und Neuansaaaten

 

Diese pflanzenbaulichen Ansätze sollen den Schädlingsdruck reduzieren und möglichst gleichmäßig verteilen. Durch ein kräftiges, ungestörtes Wurzel- und Blattwachstum sollen Einzelpflanzen und Bestände möglichst zügig die besonders gefährdete Jugendphase durchlaufen und mit einen leichten bis mittleren Befall aus eigener Kraft zurechtkommen. Hinweise zur Rapool Beizausstattung 2014 finden Sie zeitnah vor der Aussaat unter www.rapool.de