40 Jahre Pflanzenschutz im Raps – und wie geht es weiter?

von Prof. Dr. Klaus Schlüter, Fachbereich Agrarwirtschaft, FH Kiel

Seit den 1960er Jahren wuchs die Rapsanbaufläche in SH von ca. 20.000 auf recht konstante 100.000ha an. Mit der Ausweitung des Rapsanbaus war eine Intensivierung der Produktion verbunden, erfolgreiche Zuchtarbeit verbesserte Qualität und Quantität des Erntegutes und ausgefeilte Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen sicherten das Ertragsniveau. Damit hat Winterraps seit Jahrzehnten einen festen Platz in den engen Ackerbaufruchtfolgen.

Die steigende Anbaufläche förderte aber den Befallsdruck durch Krankheitserreger erheblich:

  • Wurzelhals- und Stängelfäule, Cylindrosporiose, Weißstängeligkeit (Rapskrebs), Grauschimmel und Rapsschwärze sind lange bekannt, können aber in gesunden Sorten mit Fungiziden noch gut kontrolliert werden.
  • Kohlhernie tritt immer häufiger auf, doch resistente Sorten bleiben bislang befallsfrei.
  • Verticilliumbefall spielt die wichtigste Rolle, da Fungizide nicht in die Wurzel gelangen und ausreichend resistente Sorten noch nicht zur Verfügung stehen.

Nachdem das Schädlingsmanagement jahrzehntelang problemlos verlief, gibt es heute zahlreiche Probleme:

  • Die Zunahme der Resistenzen von Rapsglanzkäfern, Kohlschotenrüsslern und Erdflöhen gegen Pyrethroide bereitet die größten Schwierigkeiten.
  • Hochwirksame Neonicotinoide gegen die Kohlfliege haben derzeit wegen der nicht endgültig abgeklärten Bienenverträglichkeit keine Zulassung.

Der Einsatz von Herbizidwirkstoffen begünstigte die Ausbreitung verschiedener Unkrautarten:

  • Problemunkräuter wie Rauke-Arten und einige andere breiten sich immer stärker aus und machen den Herbizideinsatz zu einer großen Herausforderung.

Wie geht es weiter?

Pflanzenschutzmittel gelten in der EU inzwischen  als unerwünschte Stoffe und es findet derzeit eine Neubewertung sämtlicher zugelassener Wirkstoffe statt. Es ist nach heutigen Kriterien davon auszugehen, dass die wichtigsten Fungizide, Insektizide und Herbizide mittelfristig aus der Zulassung herausfallen und nie wieder zur Verfügung stehen werden. Ersatz ist noch lange nicht in Sicht, weil die Anforderungen der EU an Pflanzenschutzmittel so hoch sind wie nirgendwo sonst auf der Welt.

Fazit:

Mit dem Wegfall von Pflanzenschutzmitteln sind für den Ackerbau in Europa mittelfristig schmerzhafte Einschränkungen zu erwarten. Im Vergleich zu anderen Kulturen wird Winterraps aber auch zukünftig immer noch wirtschaftlich zu produzieren sein. Dank der jahrzehntelangen, erfolgreichen Pflanzenzüchtung ist zumindest bei Pilzkrankheiten mit einer so guten Widerstandskraft zu rechnen, dass extreme Ertragsverluste unwahrscheinlich sind.