Mit welchem Rapspreis müssen wir 2015 kalkulieren?

von Herbert Goldhofer, Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Ernährungswirtschaft und Märkte

Orientiert man sich hinsichtlich eines möglichen Preisniveaus für Raps im Jahr 2015 ausschließlich an den fundamentalen Daten, so ist zunächst festzustellen, dass der Ölsaatenmarkt zu Jahresbeginn ausgesprochen komfortabel versorgt ist, gerade vor dem Hintergrund der in den nächsten Wochen neuerlich zu erwartenden Sojabohnen-Rekordernte in Südamerika. Auf Grundlage der Januar-Schätzungen des USDA (amerikanisches Agrarministerium) werden die globalen Endbestände bei Sojabohnen, Rapssaat und Palmöl  zum Ende des laufenden Wirtschaftsjahres deutlich ansteigen.

Umso überraschender stellten sich in den vergangenen Wochen und Monaten die stabilen, tendenziell sogar leicht ansteigenden Rapsnotierungen dar, wenn auch auf insgesamt niedrigem Niveau. Die anhaltende Euro-Schwäche gegenüber dem US-$, der internationalen Handelswährung für Agrarprodukte, sowie die zunehmende Wertschätzung und Nachfrage nach Rapsschrot können hier wohl mit als Gründe genannt werden. Zudem hat der seit Juni 2014 um über 50 % eingebrochene Rohölkurs offensichtlich noch keine nachhaltige Wirkung auf die Rapsnotierungen entwickelt. Im Hinblick auf die nächste Ernte gibt es durchaus Indikatoren, die bezüglich der kommenden Rapspreisentwicklung positive Ansätze skizzieren. Zunächst wurden z.T. deutlich geringere Anbauflächen für Winterraps in Deutschland, Europa und der Ukraine gemeldet. Für die anhaltende Euro-Schwäche zeichnet sich derzeit kein Ende ab, Rapsschrot steht weiterhin hoch im Kurs und die internationale Nachfrage nach Ölsaaten und pflanzlichen Ölen wird weiter deutlich ansteigen. Dem gegenüber stehen jedoch große Unwägbarkeiten bezüglich der geopolitischen Rahmenbedingungen, der weiteren Energiepreisentwicklung und deren Wirkung, der Folgen des wieder zunehmend zu beobachtenden Einstiegs der Finanzinvestoren in die Agrarmärkte sowie der Einflüsse der europäischen Diskussion um die Zukunft der Pflanzenölkraftstoffe. In Abwägung der momentan verfügbaren Informationen besteht für Preisprognosen eine ausgesprochen hohe Unsicherheit. Die Vermarktung von Teilmengen der neuen Ernte und eventueller Restbestände aus 2014 sollte daher bei günstigen Preisfenstern deutlich geprüft werden.