Mit welchem Rapspreis müssen wir 2015 kalkulieren?

von Dr. Reimer Mohr, Hanse Agro

Der Ölsaatenmarkt 2014/15 ist gekennzeichnet durch eine weltweite Rekordernte. Im dritten aufeinander folgenden Jahr ist eine Steigerung der internationalen Produktion zu verzeichnen. Das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) prognostiziert für das Vermarktungsjahr 14/15 eine Produktionsmenge in Höhe von 532 Mio. t (Vj. 504 Mio. t). Das hohe Wachstum ist im laufenden Jahr allein auf die nord- und südamerikanische Sojabohnenproduktion zurückzuführen. Hohe Aussaatflächen und gute Erträge lassen die Produktion gegenüber dem Vorjahr bei der Sojabohne weltweit um 28 Mio. t auf 313 Mio. t steigen. Dabei durchbrach die US-Ernte mit 108 Mio. t (Vj. 91 Mio. t) erstmals die 100-Mio. t-Schwelle und in Brasilien wird mit einer erwarteten Ernte in diesem Frühjahr in Höhe von 95 Mio. t erstmals die Schwelle von 90 Mio. t (Vj. 87 Mio. t) überschritten. Im Gegensatz zur Sojabohne sinkt die weltweite Sonnenblumenernte um 3 Mio. t auf 40 Mio. t und die Rapsernte stagniert auf dem Vorjahresniveau von 71 Mio. t. Insgesamt übersteigt das weltweite Ölsaatenangebot die Nachfrage deutlich. Das USDA erwartet daher einen Anstieg der Vorräte um 25 Mio. t auf  105 Mio. t. Damit erhöht sich das Verhältnis Vorrat zu Verbrauch innerhalb eines Jahres von 16,3 % auf 20,6 %. Die schwache Versorgungslage der Vorjahre wandelt sich somit zu einer guten Versorgungssituation. Die Angst der Käuferländer vor einem Ausverkauf am Ölsaatenmarkt ist vorerst geschwunden. Es ist zu erwarten, dass in den kommenden Monaten jede Nachfrage am Weltmarkt gedeckt werden kann.

Diese sehr gute Versorgungslage am Weltmarkt spiegelt sich auch am europäischen Rapsmarkt wider. Die EU-24 fuhr im Sommer 2014 eine neue Rekordernte von 24 Mio. t ein. Dieses Rekordergebnis übertrifft die bisherige Rekordmarke 2009 um 2,4 Mio. t. Gleichzeitig erwarten die Analysten Importe, vor allem aus der Ukraine und Australien, in Höhe von 2,9 Mio. t. Trotz einer Rekordnachfrage der Ölmühlen von 25,8 Mio. t und Exporten von 0,5 Mio. t sollen die Vorräte in der EU-28 zum 30. Juni 2015 auf 2,6 Mio. t steigen. Die Lagervorräte würden damit bis Mitte August 2015 reichen. Im Gegensatz zum USDA sieht das Analystenhaus Oilworld aus Hamburg die Vorräte bei knapp 1,6 Mio. t.

Durch die sehr gute Marktversorgung fehlten in den vergangenen Monaten dem Rapsmarkt neue Impulse. Der beobachtete Aufwärtstrend ist allein auf die Euroschwäche zurückzuführen. Seid der Ernte verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar an 16 % seines Wertes. Ohne die Euroschwäche läge der Rapspreis heute bei unter 300 €/t.

Neben dem hohen Ölsaatenangebot belastet der Absturz des Rohölmarktes die Preisentwicklung bei Palm-, Raps- und Sojaöl. Durch die Beimischungsverpflichtung ist der Absatz Richtung Biodiesel in vielen Ländern gedeckelt, aber es fehlt der Absatz vom Palmöl am Energiemarkt. Noch im Spätsommer lag der Palmölpreis vielerorts unterhalb des Rohölmarktes. Mittlerweile ist Palmöl in Rotterdam um 270 €/t teurer als Rohöl. Oilworld sieht ein Lichtblick am Pflanzen- und Speiseölmarkt: Durch El Nino und den Überflutungen in Malaysia fällt dort das Palmölangebot niedriger als im Vorjahr aus. Dieses verringerte Angebot führt dazu, dass die weltweite Nachfrage das Angebot leicht übersteigen soll. Allerdings könnte durch dem Druck im Energiesektor trotz Beimischungsverpflichtungen der Absatz stärke zurückgehen als erwartet.

Die Aussichten für die Ernte 2015 lassen für das Vermarktungsjahr  preisliche Spielräume erwarten. Weltweit liegen die ersten Prognosen mit 68 bis 69 Mio. t leicht unter den Ernten 2013 und 2014, die vom USDA auf 70 bzw. 71 Mio. t geschätzt wurden. Deutlich zu dem Produktionsrückgang trägt die EU-28 bei. Für die EU-28 wird ein Rückgang der Fläche um 3,5 bis 5 % geschätzt. Die Produktionserwartungen gehen aber derzeit noch weit auseinander. Die Prognosen liegen zwischen 20 und 21,5 Mio. t. Nach dem Rekordertrag des Vorjahres von knapp 36 dt/ha wird für dieses Jahr ein Ertrag zwischen 30 und 33 dt/ha erwartet. Schlechte Aussaatbedingungen in einigen Teilen der EU-28 und das Fehlen der Neonicotinoidenbeize wird die Ertragsentwicklung in diesem Jahr belasten. Hinzu kommt, dass die weitentwickelten Rapspflanzen durch den fehlenden Winter bei Spätfrösten im März stark gefährdet sind.

Mit Kursverhältnissen für die Ernte 2015 von 1,84 zwischen Raps und Weizen und für die Aussaat 2016 von 1,77 ist Raps am Markt derzeit unterbewertet. Vor allem die schwachen Kurse für die Ernte 2016 lassen einen weiteren Rückgang des Rapsanbaus erwarten. Dieser Umstand spricht dafür, sich antizyklisch zu verhalten. Zum einen erscheint es sinnvoll, mit der Rapsvermarktung der Ernte 2015 zu warten und zum anderen den Rapsanbau für 2016 nicht einzuschränken. Die mögliche Angebotsverknappung lässt Preisspielräume für 2015/16 erwarten.


Vortrag Reimer Mohr
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