Mit welchen Rapspreisen können wir zur Ernte 2015 kalkulieren?

von Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur des Wirtschaftsmagazins „agrarmanager“

Die Rapspreise an der Matif schwanken seit dem Jahr 2008 in einer Spanne zwischen 250 €/t und 500 €/t.  Insofern könnte man die Ende Januar für die Ernte 2015 (August-Kontrakt) aufgerufenen 350 €/t als „mittleren“ Preis bezeichnen. Das sehen offenbar auch viele Rapserzeuger so und verzichten bisher auf Vorverkäufe in größerem Umfang. Bei  den Marktbeobachtern von der AMI geht man davon aus, dass bei uns bisher nur 10 % der für 2015 erwarteten Rapsmenge vertraglich gebunden sind. Im Oktober 2014 hat sich beim Matif-Raps ein Aufwärtstrend etabliert, der bis Ende Januar intakt war. Zuletzt sind allerdings einige „Gewitterwolken“ am Rapsmarkt aufgezogen, die für Preisdruck sorgen könnten. Zum einen ist dies die absehbar riesige Sojaernte in Südamerika, die gerade angelaufen ist. Traditionell haben die Sojapreise großen Einfluss auf unseren Raps, da 60 % der weltweit geernteten Ölsaaten Sojabohnen sind.  Weltweit dürfte es in der Saison 2014/15 zum vierten mal in Folge zu einem Bestandsaufbau bei den Sojabohnen kommen, der Sojamarkt ist also mehr als komfortabel versorgt.

Bärisch wirken außerdem die regelrecht abgestürzten Rohölpreise. Andererseits gibt es auch einige Argumente, die für weiter steigende Rapspreise sprechen. So wurde die  Anbaufläche  von Winterraps in Deutschland kräftig eingeschränkt und liegt unter dem langjährigen Mittel. Bisher gibt es noch keine Meldungen über großflächige Auswinterungsschäden in Europa; der Winter ist aber noch nicht zu Ende. Sollte die Witterung nicht mitspielen, kann sich an den internationalen Rohstoffbörsen schnell ein Wettermarkt ausbilden, der die Preise für Raps und Soja nach oben katapultiert. Unterstützung erhalten die Rapspreise vom Sinkflug des Euro. Im aktuellen  (Börsen)-Preis sind bekanntlich alle verfügbaren Informationen bereits enthalten und verarbeitet. An der Matif treffen jeden Tag Käufer und Verkäufer mit diametral entgegen gesetzter Marktmeinung   aufeinander – und es sind bei weitem nicht nur Ackerbauern und Ölmühlen am Markt. Regelmäßige Marktinformation hilft bei Vermarktungsentscheidungen. Aber: Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Preise heute steigen oder fallen ist – zumindest ohne Insiderinformationen – Fifty/Fifty. Als Landwirt müssen sie trotz extremer Unsicherheit über die weitere Preisentwicklung  Vermarktungsentscheidungen treffen. Deshalb sind Vermarktungswerkzeuge und eine Vermarktungsstrategie notwendig. Gerade in Zeiten mit „mittleren“ Preisen wie aktuell sind Mindestpreismodelle eine pfiffige Alternative zum klassischen Vorkontrakt. Mindestpreise lassen sich zum Beispiel mit so genannten Put-Optionen absichern. Das Prinzip dahinter. Gegen Zahlungen einer Prämie (z.B. 15 €/t) lässt  sich an der Matif ein Mindestpreis (z.B. 350 €/t für August 2015) absichern. Fallen die Notierungen anschließend, ist der Mindestpreis garantiert. Steigenden die Rapspreise Richtung Ernte weiter, zum Beispiel auf 400 €/t, verfällt die Put-Option zwar wertlos. Dafür kann der Landwirt seinen Weizen in der Ernte für 400 €/t verkaufen, er ist also (anders als beim klassischen Vorkontrakt) mit dabei, wenn die Post nach oben abgeht. (us)


Vortrag Uwe Steffin
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