Rentabler Rapsanbau unter aktuellen ökonomischen Voraussetzungen

von Andrea Ziesemer, Landesforschungsanstalt für Landwirtschaft und Fischerei Mecklenburg-Vorpommern (LFA MV)

Winterraps ist in Mecklenburg-Vorpommern die wichtigste angebaute Ölsaat und eine unverzichtbare Blattfrucht in getreidebetonten Fruchtfolgen. Auf rund einem Viertel der Ackerfläche Mecklenburg-Vorpommerns wurde zur Ernte 2014 Raps angebaut. Für den wirtschaftlichen Erfolg der Landwirtschaftsbetriebe bildet Raps eine wesentliche Grundlage. Eine mehrjährige Auswertung von 90 Ackerbaubetrieben in Mecklenburg-Vorpommern hat ergeben, dass 20 Prozent des betrieblichen Einkommens unmittelbar dem Winterraps zugeordnet werden können (Testbetriebsauswertung, 2009-2013).

Die Direktkostenfreie Leistung von Winterraps in den Referenzbetrieben der LFA MV erreichte im zehnjährigen Mittel 851 €/ha und lag lediglich 8 Prozent unter dem Ergebnis des Winterweizens. Unter Einbeziehung des Vorfruchtwertes (Differenz der Direktkostenfreien Leistung zwischen Raps- und Stoppelweizen) übertrifft Raps das Weizenniveau jedoch deutlich. Qualitätsweizen erreichte im Mittel der Jahre 2009 - 2014 nach Rapsanbau im Vergleich zum Stoppelweizen (Winterweizen nach Winterweizen) 192 €/ha.

Ein Gradmesser für die Nachhaltigkeit der landwirtschaftlichen Produktion ist der Stickstoff-überschuss. Der Raps schneidet hierbei vergleichsweise ungünstig ab. Mit mehr als 90 kg N/ha im mehrjährigen Mittel der Referenzbetriebe der LFA weist Raps einen sehr hohen Stickstoffsaldo aus. Eine einseitige fruchtartenspezifische Betrachtung bildet hierbei die Zusammenhänge nur unzureichend ab. So war im Mittel von sechs Jahren die Stickstoffdüngung in den Referenzbetrieben beim Rapsweizen um 25 kg N/ha niedriger als beim Stoppelweizen.

Momentan steht der Rapsanbau vor großen Herausforderungen: Zum einen gilt es, das 50 % THG-Minderungsziel der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung ab 01.01.2017 zu erreichen. Das bedeutet, dass eine Reduzierung der Stickstoffdüngung unumgänglich sein wird, wenn der Raps als Biokraftstoff vermarktet werden soll.

Und wie sich das Verbot der neonicotinoiden Beize letztendlich auswirken wird, ist noch ungewiss. Gegen den Rapserdfloh wurden nach der Aussaat mehrere Insektizid Behandlungen erforderlich und gegen die Kleine Kohlfliege gibt es keine Bekämpfungsmöglichkeit. Ein Umbruch des Rapsbestandes sollte aber auf jeden Fall gut überlegt werden. Bei 10 vitalen und gut verteilten Rapspflanzen können noch bis zu 80 Prozent des ursprünglichen Ertragspotenzials erreicht werden. Bei notwendigem Rapsumbruch gibt es gegenwärtig keine ökonomisch gleichwertigen Alternativen. Auf jeden Fall entstehen für die Landwirte höhere Kosten bzw. der wirtschaftliche Rapsanbau wird in Frage gestellt.


Vortrag Andrea Ziesemer
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