Rentabler Rapsanbau unter aktuellen ökonomischen Voraussetzungen

von Joachim Riedel, Betriebswirtschaftliches Büro Göttingen

Die Rahmenbedingungen für den Rapsanbau in Deutschland haben sich in den letzten Monaten im mehrerer Hinsicht verschlechtert. Zu forderst ist die aktuelle Tiefpreisphase auf den Weltmärkten für Pflanzenöle zu nennen, die auf die Rentabilität des Winterrapsanbaus drückt. Marktexperten sagen seit Jahren voraus, dass sich die Nachfrage nach Rapsöl in Europa zu einem eigenständigen Marktsegment entwickeln wird, weil Rapsöl ernährungsphysiologisch den hochwertigen Speiseölen sehr nahe kommt und dazu noch günstiger als z. B. Olivenöl zu erzeugen ist. In der Tat kann sich der vergleichsweise kleine Rapsölmarkt von den großen Pflanzenölmärkten ein Stück weit emanzipieren. Während Sojaöl und insbesondere Palmöl aufgrund seiner sehr geringen Produktionskosten die weltweit wachsenden Nachfrage in der Veresterung von Pflanzenölen für Treibstoffe bedienen, steigt beim Rapsöl der Anteil in der Verwendung als Lebensmittel sukzessive an. Aber dennoch kann sich der europäische Markt für Rapsöl nicht gänzlich von den Entwicklungen der internationalen Pflanzenölmärkten abkoppeln, so dass deren Preisschwankungen, wenn auch abgeschwächt, auf Preisniveau für Rapssaat durchschlägt. Die zunehmende Emanzipierung des Rapsölmarktes vom Rest der Weltölsaatenmärkte sollte die Anbauentscheidung beim Landwirt für den Winterrapsanbau stärken. Wenn er den Pflanzenbau beim Winterraps beherrscht und es ihm gelingt, durch Preissicherungsinstrumente den Umsatz ein Stück weit abzusichern, dann wird der Winterrapsanbau auch zukünftig eine hohe relative Wettbewerbsfähigkeit auf den verschiedenen Ackerbaustandorten haben, wie der Vergleich zwischen den Deckungsbeiträgen der alternativen Anbaufrüchte zeigt.

Entscheidend wird aber auch sein, wie Landwirte zukünftig die zunehmenden pflanzenbaulichen Herausforderungen meistern. Diese wachsen derzeit im Ackerbau bei allen Anbaukulturen, nicht nur bei Winterraps. Während die Resistenzen der Schädlinge, der Pilzkrankheiten und der Begleitflora zunehmen, bleiben die Antworten hierauf im chemischen Pflanzenschutz aus. Die Situation verschärft sich zudem durch Anwendungsverbote von Wirkstoffen. Der Rapsanbau ist z. B. durch den gegenwärtigen Wegfall der Neonicotinoid-Beize oder den zunehmenden Resistenzen der schädigenden Käfer im Frühjahr besonders betroffen, wenn auch regional unterschiedlich stark. Inwieweit der integrierte Pflanzenbau Mittel und Wege bietet, beispielsweise dem Rapserdfloh, der Kohlfliege und den Schädlingen im Frühjahr zu begegnen, muss sich noch zeigen. Neue Versuchsergebnisse zeigen, dass z. B. die ökonomischen Schadschwellen bei der chemische Rapsglanzkäferbekämpfung durchaus hochgesetzt werden können und ein höherer Käferbesatz kurz vor Blühbeginn toleriert werden kann. Die Forschung und Beratung ist mehr denn je gefordert, Lösungen zu ermitteln und anzubieten. Das schwächste Glied in dieser Kette ist i. d. R. die Politik, die aufgefordert ist in der Pflanzenzucht die richtigen Rahmenbedingungen zu setzen und möglichst auch finanziell zu fördern. So zeigt das Beispiel einer speziellen Herbizidresistenz beim Raps, dass bei gezieltem Einsatz solcher Sorten in ausgewählten Fruchtfolgen und Standorten Unkraut- und Durchwuchsprobleme zumindest vorrübergehend in den Griff zu bekommen sind. Wie immer gilt: Keine Medizin oder Nebenwirkungen! Die Beratung muss nun die Landwirte über die Vor- und Nachteile aufklären, um das Gleichgewicht zwischen der hohen Adaptionsrate bei Ackerbauern und der gebotenen Vorsicht vor langfristigen Nachteilen zu finden.


Vortrag Joachim Riedel
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