Rapsanbau lohnt sich

Nach den schwierigen Witterungsverhältnissen im Rapsjahr 2011/2012 in einigen Regionen Deutschlands, blicken die Landwirte nun der nächsten Rapsaussaat 2012 entgegen. Der Marktpreis für Raps ist, bedingt durch eine weltweit hohe Nachfrage an Ölen und Schroten, weiterhin hoch und der Raps bleibt damit eine der rentabelsten Marktfrüchte.

Schon jetzt lassen sich Kontrakte von deutlich > 400€/Tonne auch bereits für die Ernte 2013 realisieren. Raps besticht zusätzlich durch einen sehr hohen Vorfruchtwert der bis zu 130 €/ha gegenüber dem Weizen betragen kann.


Die optimale Aussaat.. eher früher oder später?
Jedes Jahr stellen sich viele Landwirte die Frage nach dem optimalen Aussaattermin für Winterraps. Nach den nassen Erfahrungen im Herbst 2010 und 2011 gibt es eventuell das Bestreben den Saattermin vorzuverlegen, sobald der Erntezeitpunkt der Vorfrucht dies zulässt. Betrachtet man das Wurzelwachstum der Rapspflanze, so können frühe Saattermine auch Vorteile für ein stark ausgeprägtes und tiefes Wurzelwachstum bieten.

Rapsaussaat
 Rapsaussaat
Die Tatsache, dass die Wurzel hauptsächlich im Langtag (bis zum 21. September) gebildet wird, lässt vermuten, dass Frühsaaten den Vorteil eines ausgeprägten Wurzelwachstums mit sich bringen. Andererseits birgt eine frühe Aussaat auch Risiken. Die Gefahr eines zu großen Blattapparates vor Winter und eines erhöhten Krankheitsbefalls (z.B. Kohlhernie, Phoma) sind nicht zu unterschätzen. Besonders nach den Kahlfrösten (-22 °C) in diesem Winter haben Frühsaaten sehr gelitten. Sollte ein zeitiger Aussaattermin (bis 15. August) gewählt werden, sind frühsaatverträgliche und im Schossverhalten langsamere Sorten, wie GENIE und XENON zu verwenden. Die Saatstärke sollte angepasst werden (ca. 30 kf. Körner/m²) und der Einsatz von Wachstumsregulatoren sollte sehr früh bis zum 4. Laubblatt-Stadium erfolgen.
Kommt es arbeitswirtschaftlich oder witterungsbedingt zu späteren Saatterminen im September sollten vitale Hybridsorten (z.B. SHERPA, VISBY, GENIE) ausgesät werden. Eine Erhöhung der Saatstärke auf ca. 50 kf Körner/m² hat sich in der Praxis bewährt. Eine zusätzliche Wachstumsförderung der Bestände mit Nährstoffen (N, Bor) bereits im Herbst kann sich besonders unter kühlen und trockenen Bedingungen positiv auf die Bestandesentwicklung auswirken.
Die langjährig besten Erfahrungen wurden aber je nach Standort mit Saatterminen zwischen dem 20. und 30. August gemacht (Kleffmann: Mehrjährige Praxis Auswertungen), deshalb sollte dieser Termine auch angestrebt werden, sofern dies Arbeitswirtschaftlich umzusetzen ist. Für normale Saattermine sind in der Regel alle Sorten geeignet, so dass bei der Sortenwahl der Fokus auf Ertrag und Standorteignung liegen sollte. Die optimale Saatstärke liegt bei Hybridsorten bei ca. 40-45 kf. Körnern/m².
Hybridsorten eigen sich sowohl für späte als auch für frühe und normale Aussaattermine. Jedoch sollte die Sortenwahl auch abhängig vom Saattermin bestimmt werden, da sich einige Sorten besser für frühe und normale und andere wiederum für normale und späte Saattermine eignen.
 

Pflug- oder Mulchsaat?
Insbesondere das Wachsen der Betriebe sowie die zunehmenden Erfahrungen mit reduzierter Bodenbearbeitung führen zu einem seit Jahren steigenden Mulchsaatanteil auch im Rapsanbau. Mit der Aussaat 2011 hat die Mulchsaat im Bundesmittel erstmals die klassische Bestellung mit dem Pflug beim Winterraps abgelöst (Kleffmann Praxisauswertungen). Eine entscheidende Bedeutung für den erfolgreichen Einsatz einer Mulchsaat ist aber die Häcksellänge und Verteilung des auf dem Acker verbleibenden Strohs. Nur extrem kurz gehäckseltes Stroh kann in der gesamten Krume verteilt und eingearbeitet werden. Langes Häckselgut verbleibt im Horizont 0-5 cm und be- bzw. verhindert den Feldaufgang und die Entwicklung der dort abgelegten Saatkörner. Empfohlen wird je t Stroh/ha eine Bearbeitungstiefe von 2 cm.
Generell sollte beachtet werden: je leichter der Boden, umso tiefer sollte gearbeitet werden. Im Falle von normalen, trockenen Aussaatbedingungen sollte eine ausreichende Rückverfestigung des Saatbettes erfolgen, um den Feldaufgang zu fördern und Schneckendruck vorzubeugen. Wird es zur Aussaat aber zu nass, sollte der Erhalt von ausreichend Grobporen im Vordergrund stehen, da diese der jungen Rapswurzel genügend Sauerstoff in tieferen Schichten zur Verfügung stellen. Eine Rückverfestigung sollte in diesem Fall nur angepasst oder gar nicht erfolgen. Die Bekämpfung der Ackerschnecke hat dann besondere Bedeutung und erfordert häufigere Kontrollen und evtl. sogar mehrmalige Bekämpfungseinsätze.
Wachstumsregler- und Fungizideinsatz
Um Auswinterungen vorzubeugen ist ein früher Einsatz mit Wachstumsregulatoren zusammen mit einem Fungizid sinnvoll. Durch das Einkürzen der Bestände ist die Gefahr des zu frühen Aufsprossens oder Aufstengelns der Pflanzen gebannt, gleichzeitig wird die Pflanze entwässert und bekommt so eine bessere Frosttoleranz. Die Regulierung der Bestände im Herbst führt zu besserer Belichtung der Bestände im September und Oktober. Davon profitiert das Wurzelwachstum, welches die Weichen für die weitere Entwicklung der Pflanzen stellt. Es entwickelt sich nach Einsatz von Wachtumsregulatoren (Triazole) besser und kann ausreichend verzweigt in die Tiefe wachsen. Besonders unter den sehr trockenen Bedingungen in vielen Regionen Deutschlands, war die tiefe Durchwurzelung im Herbst 2011 von Vorteil. So konnten 2012 die Pflanzen an die tiefer gelegenen Wasser- und Nährstoffreserven anbinden und mit guter Regeneration in der Trockenperiode von Februar bis Juni noch ausreichend Schoten und Körner entwickeln. Eine Entscheidungshilfe zum Einsatz von Fungiziden und Wachstumsregulatoren bietet der kostenlose WR-Kalkulator unter www.rapool.de.
 

Botrytis, Phoma, Kohlhernie… was kann man tun?
Besonders in diesem Jahr wurde das Ausmaß von Krankheitsdruck und dessen Gefahr für Ernteausfälle wieder bewusst. Durch den milden Winter und die frühe Assimilationstätigkeit, gefolgt von Kahlfrösten, waren einige Rapsbestände schwer geschädigt. Die weitreichenden Ausmaße der Frostschäden wurden aber erst im April richtig deutlich. Insbesondere Bestände in schneefreien Lagen waren stark betroffen. Der hohe Blattverlust verbunden mit Temperaturen von 6 bis 15 °C im März bedingte starken Botrytisbefall (Grauschimmel), der teilweise bis zum Umbruch einzelner Rapsbestände führte. Botrytis ist, ähnlich wie Sklerotinia, ein Schwächeparasit. Infektionen bleiben bei gesundem Gewebe häufig latent und schädigen erst das alternde oder tote Gewebe. Da das hohe Infektionspotentzial auf den infizierten Pflanzen, bzw. nach Winter abgefallenen Blättern, groß war, musste weiter mit einem ständig hohen Infektionsdruck gerechnet werden. Pflanzen, die Frostverletzungen oder andere Beschädigungen aufwiesen und an denen ab Blüte Blütenblätter hafteten, konnten also stärker als in anderen Jahren infiziert werden.
Ein immer wieder auftretendes Thema im Rapsanbau bleibt der Phoma-Infektionsdruck. Mit der Verwendung der kostenlosen RAPOOL- Expert Phoma-Prognose unter www.rapool.de konnte im vergangenen Herbst in vielen Regionen Deutschlands Entwarnung gegeben werden. Durch breit aufgestellte Wetterstationen können damit frühe Infektionswellen erkannt werden. Phomabefall ist stark von den Witterungslagen und der Rapsanbaudichte abhängig. In trockenen Jahren wie im letzten Herbst spielt Phoma keine große Rolle, da der Pilz Feuchtigkeit benötigt, um sich zu entwickeln. Unter nassen Bedingungen und erhöhtem Druck kann eine gezielte Fungizidmaßnahme im Herbst die Befallsstärke deutlich reduzieren und somit die Ertragssicherheit erhöhen. Die Wahl von phomaresistenten Sorten kann den Landwirten zusätzlich Sicherheit geben. Neben der anbaustärksten Sorte VISBY, mit einer guten Feldresistenz, stehen zur Aussaat 2012 Sorten mit neuen Phomaresistenzgenen zur Verfügung. Die Wirkung des Gens Rlm 7 (GENIE) und eines Resistenzgens LepR3 aus Australien (ULURU) beruht auf einzelnen stark wirksamen Genen, die das Einnisten des Pilzes nach der Infektion verhindern.
Neben Phoma blicken die Landwirte zunehmend mit Sorge auf die Fruchtfolgenkrankheit Kohlhernie. Besonders im letzten Herbst wurden Infektionen in bisher nicht bekannten Gebieten beobachtet. Der bodenbürtige Einzeller (Schleimpilz) ist für jeden Rapsanbauer ein ernstzunehmendes Thema, da der Erreger im Boden bis zu 20 Jahre überlebensfähig ist. Zur Vorbeuge und auch auf Befallsflächen stellt die Ackerhygiene daher ein zentrales Element dar. Dabei sollte auf weite Fruchtfolgen, eine gute Unkrautbekämpfung und die rechtzeitige Beseitigung des Ausfallrapses bis zum 2-Blatt-Stadium geachtet werden. Da der Erreger auf eine hohe Bodenfeuchte angewiesen ist, helfen auch Maßnahmen wie Drainierung und Verminderung von Staunässe. Ein hoher pH Wert oder der Einsatz von 2,5 dt/ha Kalkstickstoff kann die Infektionsstärke reduzieren. Zur Vermeidung von Kohlhernie stehen den Landwirten die kohlhernieresistenten Hybridsorten MENDEL und MENDELSON zur Verfügung. Diese Sorten sind auf Befallsflächen mit Kohlhernie herkömmlichen Sorten überlegen.

Nadine Wellmann, Rapool-Ring GmbH/DSV, Juli 2012