Seit einigen Jahren dominiert der Anbau von Hybriden den deutschen Rapsanbau. Zur Ernte 2010 ist ihr Anteil auf 65% gestiegen, was einen Zuwachs der Hybridrapsfläche von ca. 17% gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr fast 950.000 ha entspricht.

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Praxiserhebung: alles spricht für Hybriden

Seit einigen Jahren dominiert der Anbau von Hybriden den deutschen Rapsanbau. Zur Ernte 2010 ist ihr Anteil auf 65% gestiegen, was einen Zuwachs der Hybridrapsfläche von ca. 17% gegenüber dem Vorjahr auf nunmehr fast 950.000 ha entspricht.

Rapsfeld
 Rapsfeld
Auch europaweit kann eine Ausdehnung des Hybridanteils beobachtet werden. Welche Rolle spielen dabei Praxiserfahrungen der Landwirte? Seit nunmehr 6 Jahren geht das Marktforschungsinstitut Kleffmann mit Sonderfragen für den Rapool-Ring dieser Frage nach. Bisher wurden über 7.000 Praktiker nach ihren Erfahrungen im Hybridraps – Anbau befragt. Die Fragestellung umfasst dabei ein weites Spektrum von Saattermin über Bodenbearbeitung und N-Düngung bis hin zum Ertrag. Eine Auswertung der Daten macht deutliche Trends sichtbar, die zudem recht gut mit den Resultaten aus Exaktversuchen übereinstimmen. Die wichtigsten Ergebnisse zum Winterraps sollen kurz dargestellt werden.

Stabile Mehrerträge der Hybriden
Über die Jahre fallen die im Schnitt sehr stabilen Mehrerträge der Hybridsorten gegenüber den Liniensorten auf (Abb. 1). Eine Auswertung der Erträge nach Bundesländern gestaltet sich schwieriger, da oftmals die Anteile zwischen Linien und Hybriden ungleichmäßig verteilt sind oder einfach nicht genügend Ergebnisse vorliegen. Tendenziell werden aber die höchsten Mehrerträge der Hybriden in Schleswig-Holstein, Brandenburg und Bayern erzielt.

Mehrerträge durch Einsatz von Winterrapshybride
 Mehrerträge durch Einsatz von Winterrapshybride
Hybriden überzeugen bei jeder Bodenbearbeitung
Für die Auswertung der verschiedenen Bodenbearbeitungsverfahren überwiegen über die Jahre mit ca. 60% der Nennungen die Bestellverfahren mit Pflug, je ca. 20% entfallen auf Mulchsaaten mit tiefer und flacher Lockerung. Daher sind die Ergebnisse nicht direkt miteinander vergleichbar. Es sind jedoch in der Praxis keine besonderen Unterschiede zwischen den Verfahren im Winterraps zu erkennen. Das heißt, wer sein Bodenbearbeitungsverfahren im Griff hat, erzielt auch vergleichbare Erträge. Die geringste Differenzierung zwischen Linien und Hybriden (aber auch der geringste Ertrag) ergibt sich hierbei aus der flachen Mulchsaat. Zwischen Pflugsaat und Mulchsaat mit tiefer Bodenbearbeitung besteht jeweils ein Abstand von 3,3 dt/ha zugunsten der Hybriden gegenüber den Liniensorten. Allein aus diesen Erträgen lässt sich also keine besondere Mulchsaateignung von Hybriden, aber anders herum auch keine besondere Eignung von Linien für die Pflugsaat ableiten. Wichtig ist hier vor allem eine leistungsfähige Sorte, dies zeigt sich an den Praxiserträgen der Ernte 2009, wo VISBY bei jeder Bodenbearbeitung vorne liegt. VISBY als erste Sorte der neuen Hybridgeneration zeigt hier noch einmal einen deutlichen Ertragssprung gegenüber älteren Hybriden (Abb.2).
 

Winterrapsertrag nach Bodenbearbeitung, Vergleich Liniensorten, Hybriden und VISBY
 Winterrapsertrag nach Bodenbearbeitung, Vergleich Liniensorten, Hybriden und VISBY
Hybriden – hohe Erträge von früh bis spät
Der Saattermin variiert stark zwischen den Regionen mit einer großen Abhängigkeit durch Umwelteinflüsse, hinzu kommen die produktionstechnischen Möglichkeiten des Einzelbetriebes. Umso wichtiger ist es bei Winterraps Sorten anzubauen die in dem Aussaattermin flexibel sind.
In der Praxis wurde die Erfahrung gemacht, dass unabhängig vom Saatzeitpunkt Hybriden, im Mittel über sechs Jahre, einen Ertragsvorteil von ca. 3 dt/ha zu Liniensorten erbringen können. In dem ertragreichen Erntejahr 2009 lag der Mehrertrag von Hybridsorten in der Spätsaatvariante sogar bei 6 dt/ha. Hybridsorten ermöglichen eine flexible Handhabung bei der Aussaat.

Und was ist mit der Saatstärke?
Bereits seit einigen Jahren beträgt die mittlere Saatstärke bei Hybriden weniger als 50 Körner/m², zur Aussaat 2009 wurden im Schnitt 47 Kö/m² ausgesät. Bei den Liniensorten ist erst in den letzten beiden Jahren ein deutlicher Rückgang der Saatstärken auf nunmehr 52 Körner/m² zu beobachten. Die höchsten Erträge werden im 6-jährigen Mittel sowohl bei Hybriden als auch bei Liniensorten mit Saatstärken zwischen 40 und 50 Körnern/m² erzielt, dies gilt für alle Regionen Deutschlands.

Winterrapsertrag nach Intensität der Stickstoffdüngung bei Liniensorten und Hybriden
 Winterrapsertrag nach Intensität der Stickstoffdüngung bei Liniensorten und Hybriden
Ertragsdifferenzen bei unterschiedlicher Bestandesführung
Neben Saatstärke und Saatzeit ist es interessant, sich verschiedene Intensitäten anzusehen. So bewirkt eine höhere N-Düngung in der Regel auch einen besseren Ertrag. Der Ertragsvorsprung der Hybriden gegenüber den Liniensorten ist aber insbesondere bei niedrigem N-Düngungsniveau am höchsten (Abb. 3). Hier können sich die bessere Wurzelleistung und N-Verwertung der Hybriden besonders deutlich zeigen. Der Einsatz von Hybriden ist daher ein effektives Instrument, um ohne Leistungseinschränkung das einzelbetriebliche N-Saldo zu verbessern.

Die Frage der N-Düngung steht natürlich im Zusammenhang mit der Bodengüte. Eine intensive N-Düngung von 200 kg N/ha lässt auf Hochertragsstandorte für Winterraps mit einem bereits von Natur aus hohem Ertragspotenzial schließen. Die extensiven N-Gaben sprechen dagegen in der Regel für Standorte mit begrenztem Ertragspotenzial (flachgründige Standorte, Sandböden, Trockenheit). Besonders deutlich wird dies in Brandenburg. Beträgt hier der Ertragsvorteil der Hybriden bei 40 – 50 Bodenpunkten knapp 2 dt/ha, so wächst die Ertragsdifferenz mit jedem abnehmenden Bodenpunkt auf über 5 dt/ha auf Standorten unter 30 Bodenpunkten.

Was bleibt festzuhalten?
Es zeigt sich: immer wenn die Anforderungen an die Rapspflanzen steigen, zeigen sich die Stärken von Hybridsorten besonders deutlich. Dies gilt z.B. bei Spätsaaten, schlechter Nährstoffversorgung und insbesondere auf schwächeren Standorten mit Trockenstress. Hinsichtlich Bodenbearbeitung und Saatstärke zeigen Hybriden unabhängig von der Intensität einen konstanten, wirtschaftlichen Mehrertrag. Ergebnis sind über die Jahre und verschiedenen Anforderungen hinweg sehr stabile Mehrerträge zwischen 2 und 4 dt/ha. Besonders mit den Hybriden der neuen Generation wie VISBY und DIMENSION ist daher auch zur kommenden Winterrapsaussaat mit einer weiter steigenden Hybridraps – Anbaufläche in Deutschland zu rechnen.

RAPOOL-Ring GmbH, Juni 2010