Rapsfruchtfolgen sind rentabel
Der Anteil von Winterraps in der Fruchtfolge hängt entscheidend von den Getreide- und Maispreisen ab. Die optimalen Fruchtfolgeanteile sind jedoch auch vom Standort abhängig.
Bis vor wenigen Jahren war für viele Ackerbauern bei der Anbauplanung die wichtigste Frage, ob bei hohen Rapspreisen etwas mehr Winterraps und dafür etwas weniger Getreide angebaut werden sollte.
Umgekehrt wurde bei relativ hohen Getreidepreisen überlegt, den Rapsanteil zugunsten des Getreides zu reduzieren. Doch mittlerweile muss in vielen Regionen auch der Maisanbau in diese Erwägungen miteinbezogen werden. Wir haben daher im Folgenden für zwei unterschiedliche Standorte die rentabelsten Fruchtfolgen aus Weizen, Winterraps und Mais berechnet.
Tabelle 1: Fruchtfolgen
| Fruchtfolge | Weizenanteil | Rapsanteil | Maisanteil | |
|---|---|---|---|---|
| WR-WW-WW | I | 67 % | 33 % | 0 % |
| WR-WW-Ma-WW | II | 50 % | 25 % | 25 % |
| Ma-WW-WW | III | 67 % | 0 % | 33 % |
| Ma-WW | IV | 50 % | 0 % | 50 % |
Die untersuchten Fruchtfolgen sind entweder klassisch Raps-Weizen-Weizen (Fruchtfolge I) oder gestreckt mit einem Jahr Mais (Fruchtfolge II: Raps-Weizen-Mais-Weizen). Als Fruchtfolgen ohne Raps wurde Mais-Weizen-Weizen (Fruchtfolge III) bzw. Mais-Weizen betrachtet (Fruchtfolge IV). Maismonokultur wurde aus Cross-Compliance- und Fruchtfolgegründen nicht analysiert.
In Tabelle 2 werden die Deckungsbeiträge (ohne Direktzahlungen) einzelner Kulturen auf einem Hochertragsstandort bei heutigen Marktpreisen dargestellt. Für Mais haben wir zunächst eine mittlere Rentabilität angenommen. Um unterschiedliche Vorfruchtwirkungen, Dünger- und Pflanzenschutzkosten berücksichtigen zu können, wird zwischen Raps- und Stoppelweizen sowie Weizen nach Mais unterschieden. Der Weizen nach Mais liefert wegen später Aussaat im Durchschnitt geringere Erträge. Zusätzlich wird der Arbeitsbedarf für die Kulturen aufgeführt. Wir nehmen an, dass dem Betriebsleiter während der Arbeitsspitzen im August bis Oktober Arbeitskosten für Fremdarbeit von 15 € je Stunde anfallen. Ansonsten wird von hinreichender Mechanisierung für die betrachteten Fruchtfolgen ausgegangen. Der Einfachheit halber ist Gerste, z.B. als Ersatz für Stoppelweizen, nicht berücksichtigt. Für die Konkurrenzfähigkeit zwischen Winterraps und Mais macht das keinen relevanten Unterschied.
Tabelle 2: Früchte auf Hochertragsstandort
| Position | Raps | Rapsweizen | Stoppel-weizen | Weizen nach Mais | Silomais „mittel“ * | |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Ertrag |
dt/ha €/dt €/ha |
45 30 1350 |
100 13 1300 |
95 13 1235 |
92 13 1196 |
460 2 920 |
|
Saatgut Düngung Pflanzenschutz Versicherung Bodenuntersuchung var. Maschinenkosten Zinsanspruch Variable Kosten |
€/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha |
65 288 263 14 5 171 22 827 |
80 236 190 12 5 173 17 714 |
85 256 225 11 5 206 20 808 |
85 236 190 11 5 185 18 730 |
150 90 60 7 5 209 8 529 |
|
Deckungsbeitrag |
€/ha | 523 | 586 | 427 | 466 | 391 |
| Arbeitsbedarf | AKh/ha | 6,8 | 6,8 | 8,0 | 6,6 | 2,6 |
* stehend ab Feld, inkl. Gärrestausbringung
Würde man mit den Preisen aus Tabelle 2 rechnen, wäre die Fruchtfolge I Raps-Weizen-Weizen am rentabelsten. Auf dem Hochertragsstandort bei nur mittlerem Maisdeckungsbeitrag wäre also gar kein Mais anzubauen. Da für die diesjährige Aussaat aber die Preiserwartungen für die Ernte im nächsten Jahr relevant sind, haben wir eine große Bandbreite von Winterraps- und Weizenpreisen betrachtet und jeweils die rentabelste Fruchtfolge bestimmt. Abbildung 1 zeigt die Ergebnisse. Jeder einzelne Landwirt kann darin die Preiskombination wählen, die ihm für die Ernte 2011 am wahrscheinlichsten erscheint. Bei Rapspreisen ab 25 €/dt ist der Raps absolut konkurrenzfähig, wie die fast waagerecht verlaufende Linie in der Mitte der Grafik zeigt. Oberhalb der Linie sollte Winterraps in die Fruchtfolgen integriert werden, und unterhalb dieser Linie sind die beiden reinen Mais-Weizen Fruchtfolgen am rentabelsten. Es ist aber auch zu erkennen, dass bei höheren Weizenpreisen nicht nur der Weizen- sondern auch der Rapsanteil erhöht werden sollte (im oberen Teil der Abbildung). Hier zeigt sich der höhere Vorfruchtwert des Rapses im Vergleich zum Mais, natürlich steigt dieser Wert mit höherem Weizenpreis.
Wir sind bisher von einer mittleren Rentabilität des Maises ausgegangen. Für manche Betriebe wird der Deckungsbeitrag des Maises aber höher sein als in Tabelle 2 angenommen. Wir haben daher für die Abbildung 2 mit einem 250 €/ha höheren Maisdeckungsbeitrag gerechnet. Diese 250 €/ha können sowohl durch einen höheren Ertrag oder höhere Preise oder auch niedrigere (Transport)Kosten zustande kommen. Hier muss jeder Landwirt
seine spezifischen Bedingungen berücksichtigen. Welche Schlüsse lassen sich nun aus dem Vergleich der beiden Abbildungen ziehen? Zunächst ist zu erkennen, dass der Weizen gegenüber dem Mais verliert: 50% Mais ist jetzt (bei niedrigeren Rapspreisen) auch noch bei einem Weizenpreis von fast 16 €/dt besser als ein Drittel Mais und zwei Drittel Weizen. Natürlich sind die Maisfruchtfolgen in Abbildung 2 stärker als in Abbildung 1. Aber der Effekt wirft den Winterraps nicht aus der Fruchtfolge, wie man am Verlauf der fast waagerechten Linie erkennen kann. Raps gehört immer noch in die Fruchtfolge, solange der Rapspreis etwas über 30 €/dt liegt.Kommen wir nun zum zweiten Standort mit niedrigeren Raps- und Weizenerträgen. Zur Vergleichbarkeit belassen wir den Deckungsbeitrag für Mais zunächst bei ebenfalls 391 €/ha wie in Tabelle 2. Die Erträge sind deutlich reduziert, allerdings für den Winterraps prozentual weniger als für den Weizen. Ebenso wurden die Kosten und der Arbeitsbedarf angepasst. Die resultierenden Deckungsbeiträge bei denselben Preisen wie in Tabelle 2 können in Tabelle 3 abgelesen werden.
Tabelle 3: Früchte auf Standort mit niedrigerem Ertragsniveau
| Position | Raps | Rapsweizen | Stoppel-weizen | Weizen nach Mais | Silomais "mittel" * | |
|---|---|---|---|---|---|---|
|
Ertrag |
dt/ha €/dt €/ha |
37 30 1110 |
74 13 962 |
70 13 910 |
72 13 936 |
450 2 900 |
|
Saatgut Düngung Pflanzenschutz Versicherung Bodenuntersuchung var. Maschinenkosten Zinsanspruch Variable Kosten |
€/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha €/ha |
59 236 235 11 5 123 18 688 |
80 180 144 9 5 120 14 551 |
85 195 160 8 5 160 15 629 |
80 180 144 9 5 119 14 550 |
150 90 60 7 5 189 8 509 |
|
Deckungsbeitrag |
€/ha | 422 | 411 | 281 | 386 | 391 |
| Arbeitsbedarf | Akh/ha | 6,1 | 6,2 | 7,5 | 6,0 | 2,3 |
* stehend ab Feld, inkl. Gärrestausbringung
Welche der vier Fruchtfolgen aus Tabelle 1 ist auf dem zweiten Standort in Abhängigkeit von Raps- und Weizenpreis am rentabelsten? Auf diese Frage gibt Abbildung 3 Antwort. Die Abbildung folgt dem selben Schema wie die beiden ersten Abbildungen. Auch auf diesem Standort sollte Winterraps angebaut werden, wenn man Rapspreise leicht über 30 €/dt erwartet, wie die horizontale Teilung der Grafik bei ungefähr etwas über 30 €/dt Rapspreis zeigt. Diese Teilung verläuft so ähnlich wie für den besseren Standort bei hoher Maisrentabilität in Abbildung 2. Der niedrigere Rapsertrag ist also kein Grund, auf dem weniger guten Standort auf Winterraps zugunsten von Mais zu verzichten. Stärker wirkt sich der niedrigere Ertrag vom Weizen aus. Die Mais-Weizen Fruchtfolge ist (bei niedrigen Rapspreisen) selbst bei hohen Weizenpreisen der Mais-Weizen-Weizen Fruchtfolge überlegen.
Sollte es auf diesem Standort gelingen, einen Maisdeckungsbeitrag von 641 €/dt (plus 250 €/ha) zu erwirtschaften, sollte auch tatsächlich die Hälfte der Fläche mit Mais und die andere Hälfte mit Weizen bebaut werden. Andere Fruchtfolgen werden erst bei Rapspreisen von über 38 €/dt bzw. Weizen von über 20 €/dt interessant. Zugegebenermaßen wird ein solcher Maisdeckungsbeitrag auf einem Standort mit diesem begrenzten Getreide- und Rapsertragspotenzial eher eine Ausnahme sein. Aber bei hoher Konkurrenz der Biogasanlagen um Mais und dementsprechend hohen Preisen oder auf besonderen Gunststandorten für Mais (z.B. Moor oder Bruch) mag diese Konstellation auftreten.
Prinzipiell lassen sich die vier unterschiedlichen Fruchtfolgen auf einem Betrieb auch kombinieren, wenn aus Risikoerwägungen ein niedrigerer Maisanteil als in den Fruchtfolgen III und IV erreicht werden soll. Wie für alle Modellrechnungen gilt auch für die Studie hier, dass die tatsächlichen Gegebenheiten auf einem einzelnen Betrieb zu anderen Ergebnissen und Empfehlungen führen können. Dies gilt hier insbesondere bei anderen Ertragsrelationen zwischen den Früchten und Risikoerwägungen. Der Rapsanbau würde bei Fremdtrocknung, knapper Mähdrescherkapazität oder Lohndrusch teurer werden. Auf Betrieben mit hohem Rüben- und Kartoffelanteil könnte der Mais im Vergleich zum Rapsanbau Arbeitsspitzen verschärfen und hätte daher eine niedrigere Vorzüglichkeit als in unseren Beispielen. Die Entfernung zur Biogasanlage, die Transportkosten für Gärrest und die Zahlungsfähigkeit der Abnehmer aller Früchte sind ebenfalls zu berücksichtigen.
Diese Modellrechnungen bestätigen, dass natürlich sowohl Raps- als auch Maisanteil in einer Fruchtfolge von den individuellen Preis- und Ertragsmöglichkeiten abhängen. Bei hohen Erträgen von Mähdruschfrüchten verdrängt der Mais potenziell eher Getreide als Winterraps. Oberhalb von 25 €/dt Rapspreis bleiben ein Viertel bis zu einem Drittel Raps in der Fruchtfolge optimal (bei einem Maisdeckungsbeitrag von knapp 400 €/ha). Bei hoher Maisrentabilität (Deckungsbeitrag über 650 €/ha) muss der Rapspreis allerdings sein jetziges Preisniveau von 30 €/dt halten (oder Erträge in Richtung 50 dt/ha erbringen), um einen hohen Anteil in der Fruchtfolge zu halten. Dasselbe gilt bei niedrigen Erträgen von Mähdruschfrüchten, aber Maisdeckungsbeiträgen von um die 400 € je Hektar. Erst bei Maisdeckungsbeiträgen deutlich darüber wird der Raps aus der Fruchtfolge auf ertragsschwächeren Standorten verdrängt.
Dr. Gunnar Breustedt, Christian Drepper, Torben Tiedemann
Institut für Agrarökonomie, Universität Kiel
Juni 2010






