Rapsblütenbehandlung: Schutz von Bienen beachten

Für den Schutz von Bienen müssen unbedingt die Angaben zur Bienengefährdung von Pflanzenschutzmitteln beachtet werden. Zur Absicherung gibt es verschiedene Methoden, den Bienenflug im Winterraps zu kontrollieren.

Blütenbehandlung im Raps
Der Winterraps hat eine positive Wirkung auf Honigbienen, Hummeln und andere Insekten. Andererseits ist insbesondere die Biene im Rapsanbau ein wichtiger Nützling, denn sie spielt eine bedeutende Rolle bei der Befruchtung und damit der Ertragsbildung des Rapses. Für eine sichere Bestandesführung ohne Beeinträchtigung der Bienen, ist es für den praktischen Landwirt wichtig, die Aktivitäten dieses Nützlings zu verstehen.

Der Bienenflug nimmt ab 19:00 Uhr stark ab
Die Flugaktivität der Bienen ist abhängig von klimatischen Bedingungen. Dies bedeutet, dass die Biene wärmere Temperaturen vorzieht. Werden Temperaturen von 10 °C erreicht, steigt die Flugaktivität stark an (LUNDIE, 1925). Neben der Temperatur spielt auch die Lichtintensität eine Rolle. Bei geringer Lichtintensität, zum Beispiel durch Bewölkung, oder auch sehr hoher Lichtintensität sinkt die Sammelaktivität der Bienen und das Zeitfenster des täglichen Bienenfluges wird verkürzt (BURRIL, 1981).
Ebenso ist die Sammelaktivität abhängig vom Trachtwert. Bei Raps beginnt die Nektarsekretion bei 13 °C; so konnten um 9 Uhr morgens die ersten Bienen in den Beständen beobachtet werden (WALLNER, 2010). Der Bienenflug nimmt ab 19:00 Uhr stark ab (WALLNER, 2010). Die Dauer der Flugaktivität beschränkt sich somit auf zehn bis elf Stunden täglich und wird durch kühle und bewölkte Witterung noch verkürzt.

Um bei der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln im Winterraps eine Bienengefährdung auszuschließen, wurden nach der Bienenschutzverordnung alle Insektizide nach ihrer Bienengefährlichkeit in verschiedene Kategorien eingeteilt. Relativ klar definiert ist die Handhabung der B1-Präparate: bienengefährliche Insektizide, die im Winterraps nicht mehr ausgebracht werden dürfen, wenn die erste blühende Pflanze vorhanden ist. B2-Präparate dürfen nur „nach Ende des täglichen Bienenfluges bis 23 Uhr“ appliziert werden. Hier ist es dem Landwirt also nur erlaubt, das betreffende Präparat zwischen Ende des Bienenfluges und 23 Uhr auszubringen.

Sicherheitshalber den Bienenflug überprüfen
Die B4-eingestuften Präparate sind als „nicht bienengefährlich“ eingestuft und dürfen durchgehend eingesetzt werden. Der RAPOOL-RING rät aber dazu, auch diese Pflanzenschutzmaßnahmen im Winterraps in die Abendstunden zu verlegen, wenn sich die Bienenflugaktivität verringert hat.
Für den praktischen Landwirt gibt es einfache Boniturkriterien als Hilfestellung, die einen Eindruck der tatsächlichen Bienenflugaktivitäten am Abend im Bestand geben können.
Hinweis: Diese Methode ist eine Initiative, den Bienenflug genauer anzusprechen (Schätzung) und zusätzlich Information zum Flugverhalten zu gewinnen und den PSM-Einsatz zusätzlich zu optimieren. Diese Methode kann nicht alle Umstände des Bienenverhaltens sicher abbilden und ist daher unverbindlich und ohne Gewähr!
1. Die Beobachtung des Bienenstocks: Befindet sich in Nähe des Rapsfeldes ein Bienenstock kann aus sicherem Abstand das Heimkehren und der Ausflug der Bienen beobachtet werden. In „kräftigen“ Bienenvölkern fliegen tagsüber ca. 12.000 Bienen pro Stunde aus. Dies entspricht ca. 200 Bienen pro Minute. Verlassen gegen Abend < 2 Bienen pro Minute den Bienenstock, kann von einem baldigen Ende des Bienenfluges ausgegangen werden.
2. Der Schwenkblick über das Rapsfeld: Beobachtung der Bienenflugaktivität ist eine Kontrollmaßnahme die sehr viel Erfahrung benötigt (siehe 3.). Befindet sich kein Bienenstock nahe des Rapsfeldes kann die Flugaktivität der Bienen auch im Feld oder auf erhöhten Stand festgestellt werden. Der Blick wird zu beiden Seiten über das Rapsfeld geschwenkt. Betrachtet wird ein „Tortenstück“ mit einer Fläche von knapp 10-25 m² auf der die Bienen gezählt werden. Wenn innerhalb einiger Minuten (5-10 min) eine oder mehrere Bienen gesichtet werden ist der Bienenflug noch nicht beendet.
3. Fachmann konsultieren: Bei Unsicherheit empfiehlt sich, den örtlichen Imker zu konsultieren. Dieser kann den Bienenflug beobachten und sichere Auskunft geben. Nachdem mit Hilfe des Imkers Erfahrungen gesammelt wurden die Bienen zu beobachten, kann eine Bonitur evtl. auch eigenständig durchgeführt werden.

Um Vergleichswerte zu erhalten, kann die Flugaktivität im Feld und am Bienenstock um ca. 11 Uhr und von 14 bis 15 Uhr beobachtet werden. Erfahrungsgemäß ist die Flugaktivität zu diesen Tageszeiten am höchsten.

Um weitere Kenntnisse über Bienenflugaktivitäten hinsichtlich der klimatischen Bedingungen sowie des vorhandenen Trachtwertes zu bekommen, werden aktuell Untersuchungen des DLR Rheinland-Pfalz durchgeführt (OTTEN, 2010; mündliche Mitteilung).
Für die hilfreiche Unterstützung bedankt sich der RAPOOL-RING bei Herrn Dr. von der Ohe, LAVES Institut für Bienenkunde Celle.

 

RAPOOL-RING GmbH, März 2010