Einflussfaktoren im Pflanzenschutz

Die Strategie im Pflanzenschutz im Rapsbestand werden von verschiedenen Faktoren, wie etwa Schaderreger, Witterung, Fruchtfolge, Boden, Sortenwahl und Anbautechnik, beeinflusst.

Schaderreger

Junger Raps

Die Definition eines Schaderregers hängt sehr stark von seiner Befallsstärke und von seinem zeitlichen Auftreten ab. Während z.B. einzelne Unkräuter keinerlei Probleme verursachen, kann deren Massenauftreten große Einbußen nach sich ziehen. Auch bei den Krankheiten im Winterraps ist klar, dass deren zeitliches Auftreten und die Befallsstärke stark variieren können. So ist z.B. an jungen Rapskeimlingen unter feuchten Bedingungen häufig ein Befall mit Falschem Mehltau festzustellen, der das Wachstum der jungen Pflanzen hemmt und einzelne Keimlinge absterben lässt. Bei frühen Saatterminen kann die Wachstumsbremse sogar vorteilhaft sein, um die Gefahr des Überwachsens vor Winter zu verringern. Bei späten Saatterminen hingegen kostet ein Befall wertvolle Entwicklungszeit und kann daher zu erhöhten Auswinterungen und damit wirtschaftlichen Schäden führen. 

Witterung
Der Landwirt hat keinen Einfluss auf die Witterung, aber die Witterung kann großen Einfluss auf das Befallsgeschehen haben. So bietet eine nasse, warme Witterungsperiode direkt nach der Aussaat bereits günstige Voraussetzungen für eine Phoma-Infektion. Je früher die Infektion stattfindet, desto schwerwiegender können die resultierenden Ertragsverluste werden. Umgekehrt vermindern eine trockene Herbstwitterung und ein kühler, trockener Winter das Infektionsrisiko für Phoma im Winterraps beträchtlich. Auch eine Sclerotinia-Infektion ist entscheidend von den Feuchtigkeitsverhältnissen währen der Rapsblüte abhängig. 

Fruchtfolge
Es ist klar, dass sich eine möglichst weit gestellte Fruchtfolge günstig auf den Krankheits- und Schädlingsdruck auswirkt. Die Tendenz im Ackerbau geht jedoch in Richtung der ökonomisch stärksten Kulturen. Dies sind in den letzten Jahren der Weizen und in Begleitung des Weizens als Blattfrucht der Winterraps. Entscheidend für den Betriebserfolg ist dabei nicht die Leistung einer einzelnen Kultur, sondern die wirtschaftliche Betrachtung einer gesamten Fruchtfolge-Rotation. Ein hoher Rapsanteil von über 25 % in der Rotation ist für den Rapsertrag negativ. Dennoch haben viele Betriebe den Rapsanbau über diese Grenze hinaus ausgedehnt. Denn der Winterraps als hervorragende Vorfrucht ermöglicht im nachfolgenden Winterweizen deutliche Mehrerträge bei gleichzeitig geringerem Krankheits- und Unkrautdruck, so dass für die gesamte Rotation ein höherer Rapsanteil trotz geringerer Erträge in vielen Betrieben wirtschaftlich sinnvoll ist. 

Boden und Bodenbearbeitung
Bei der Bodenbearbeitung kommt es darauf an, der Kultur möglichst günstige Entwicklungsbedingungen zu bieten und ihr somit einen Vorsprung zu verschaffen. Ebenfalls greift die Bodenbearbeitung in das Bodenleben und den Nährstoffhaushalt ein. Ein aktiveres Bodenleben durch eine Bodenbearbeitung fördert Rotteprozesse, den an Ernterückständen verbliebenen Schaderregern wird die Nahrungsgrundlage entzogen. Die Bodenbearbeitung dient ebenfalls der direkten Bekämpfung z.B. von Unkräutern oder Ackerschnecken

Düngung
Eine ausgewogene Düngung fördert die allgemeine Widerstandskraft der Pflanzen. Einseitige Düngung wie z.B. eine zu hohe Stickstoffdüngung führt hingegen zu weicheren Stängeln und insgesamt anfälligerem Winterraps. Eine Düngung fördert das Bodenleben und damit die Umsetzung organischer Substanz, was sich z.B. in einer besseren Strohrotte äußert. Einen direkten Einfluss besitzt die Kalkung auf den Befall mit Kohlhernie. Der für die Sporenkeimung optimale pH-Wert liegt bei 5,7; eine Aufkalkung auf höhere pH-Werte reduziert also direkt die Gefährdung. 

Sortenwahl
Der Landwirt muss eine an seinen Standort angepasste Sorte auswählen. Wichtig ist hier die Verwendung von gesundem, kontrolliertem Saatgut mit guter Reinheit und Keimfähigkeit. Gleichzeitig kann der Landwirt mit der Wahl einer gesünderen bzw. widerstandsfähigeren Sorte entscheidenden Einfluss nehmen. Im Hinblick auf die Anfälligkeit gegenüber Phoma lingam gibt es Sortenunterschiede, die der Landwirt gezielt nutzen kann. Eine gesündere Sorte  bedeutet in der Regel keine Befallsfreiheit, sondern nur einen geringeren Befall. Das bedeutet entweder bei geringem und mittlerem Befallrisiko einen Verzicht auf eine Behandlung, oder die Behandlung kann mit verringerter Aufwandmenge durchgeführt werden. Bestes Beispiel ist die richtige Sortenwahl auf Kohlhernie-Problemflächen. 

Anbautechnologie
Die Anbautechnologie ist eng mit der Sorte verbunden. Bereits durch die Wahl des optimalen Saattermins und auch der optimalen Saatstärke kann das Krankheitsrisiko beeinflusst werden. Dünnere Bestände sind in der Regel gesünder und standfester als dichtere Bestände und lassen sich daher mit geringerem Aufwand bis zur Ernte führen. Gerade Winterraps kann auch mit niedrigen Saatstärken Höchsterträge erzielen. Dünne Aussaaten erfordern allerdings eine höhere Sorgfalt im Hinblick auf Schädlinge wie Schnecken und Erdflöhe sowie in Bezug auf die Unkrautbekämpfung, da sie in der Anfangsentwicklung eine schwächere Konkurrenzkraft aufweisen.