Raps wird auch in Zuckerrübenanbauregionen zunehmend wirtschaftlicher!

Joachim Riedel, Unternehmensberater (Betriebswirtschaftliche Büro Göttingen, BB Göttingen GmbH) anlässlich der DLG-Feldtage, Gut Mariaburghausen bei Haßfurth, 14.-16. Juni 2016

 
Derzeit steigt die Wirtschaftlichkeit des Winterrapsanbau. Verantwortlich hierfür ist neben dem anhaltenden biologisch/technischen Fortschritt (Züchtung und Anbau) auch die - sich verbessernde - Preisrelation zu den alternativen Feldfrüchten. Winterraps konkurriert z. B. an niederschlagsreichen Standorten mit Winterweizen. Gegenüber dem Weizenpreis hat sich der Preis für Winterraps aus dem langjährigen Verhältnis von 2:1 gegenüber B-Weizen seit nunmehr über einem Jahr auf das Verhältnis 2,25 : 1 offensichtlich nachhaltig verbessert. Während heute für die anstehende Ernte Backweizen für 160 €/t vorverkauft werden kann, werden für Raps 370 €/t geboten. Dieser Preis bezieht sich auf 40% Ölgehalt. Weil dieser i. d. R. aber deutlich höher liegt, erhöht sich der Rapserlös aufgrund der Ölkorrektur auf über 390 €/t.

 
An den Warenterminbörsen kann der Landwirt heute schon mit Hilfe seines Landhändlers einen ähnlichen Erlös für die Ernte 2017 abschließen. Diese Möglichkeit der Preissicherung (Hedging) ist zwar mit Kosten verbunden, führt aber dazu, dass der Winterrapsanbau zu einem vergleichsweise sichere Anbaualternative auch für andere Standorte darstellt, an denen Winterraps z. B. mit der Zuckerrübe um die Anbaufläche konkurriert. Derzeit befindet sich die Zuckerwirtschaft in ganz Europa im Umbruch. Zur Ernte 2017 fallen die Mengenbeschränkungen und Preisgarantien für Zucker und Zuckerrüben. Die gesamte Zuckerbranche ist von einer Verunsicherung geprägt. Der Wettbewerbsdruck war bisher gering und wird nun bedeutend. Alle Zuckerunternehmen wollen ihr Angebot ausdehnen und um Marktanteile kämpfen. Zur Rohstoffsicherung gehen die Zuckerunternehmen dazu über, ihren Anbauern Lieferverträge für den Anbau 2017 und z. T. auch schon für die Folgejahre anzubieten. Neben vorsichtig kalkulierten Festpreisen werden variable Preismodelle angeboten, bei denen sich der Rübenerlös im Wesentlichen von den zukünftigen Zuckererlösen ableiten. Gegenüber den Vorjahren führen diese Angebote zu deutlich geringeren Zuckerrübenerlösen (Ø -30%). Vergleichsweise Rübenerlöse sind nur bei überdurchschnittlich hohen Zuckererlösen zu erzielen, die der Landwirt, anders als beim Raps jedoch an der Börse nicht absichern kann. Unter diesen neuen Rahmenbedingungen gewinnt der Winterraps auch in den Zuckerrübenanbauregionen deutlich an Wettbewerbsfähigkeit, weil der Zuckerrübenanbau nur noch bei überdurchschnittlich hohen Erträgen rentabel sein wird.

 
Die relative Vorzüglichkeit des Winterraps resultiert auch aus seinem Vorfruchtwert. Die Erträge der Folgefrucht profitieren von der Ackergare, die der Raps aufgrund der tiefen Durchwurzelung und der mehrmonatigen Beschattung im Frühjahr der Folgefrucht hinterlässt. Die Wasserspeicherfähigkeit und die Nährstoffverfügbarkeit ist nach dem Rapsanbau höher. Die Entscheidungskriterien des Landwirts für oder gegen den Anbau einer Ackerkultur sind vielschichtig. Die nackten ökonomischen Zahlen wirken langfristig und können kurzfristig durch weiche Kriterien in den Hintergrund rücken. Neben den ackerbaulichen Vorzügen zählt auch die persönliche Affinität des Landwirts zur Feldkultur. Diese wird speziell in den traditionellen Zuckerrübenanbauregionen vermutlich noch lange den Zuckerrübenanbau unterstützen, der tendenziell jedoch auf die vorzüglicheren Standorte in den Betrieben zurückgedrängt wird. Dort, wo neben der Zuckerrübe keine weitere Blattfrüchte, wie z. B. Kartoffeln angebaut werden, bietet die Integration des Winterrapsanbaus eine wirtschaftlich sehr interessante Alternative, insbesondere wenn damit der Weizenanbau eingeschränkt werden kann. Die viergliedrige Fruchtfolge Raps-Weizen-Rüben-Weizen (oder auch mit der Ergänzung durch Wintergerste vor dem Winterraps) ist dann die wirtschaftlichste Fruchtfolge.