Hochertrag beim Winterraps - Einfluss von Witterung und Anbauregion

In den letzten Jahren war bei Winterraps ein kontinuierlicher Anstieg der Erträge festzustellen. Neben dem Fortschritt in Produktionstechnik und Züchtung haben auch die Witterung und die Anbauregion einen Einfluss auf das Ergebnis.

Rapsernte
 Rapsernte
Seit Einführung des Qualitätsrapses vor 35 Jahren sind die Erträge von 22 dt/ha (1974) auf heute 40 dt/ha (2013) um 18 dt/ha verbessert worden. Das ist eine Zunahme von ca. 82 %. Jeweils 50 % des Ertragszuwachses wird einer verbesserten Produktionstechnik und besseren Pflanzenschutzmitteln zugeschrieben und 50 % resultieren aus verbesserter genetischer Leistung. Dabei muss auch berücksichtigt werden, dass 1987 eine Umstellung auf die 00-Raps Qualität stattgefunden hat und erst danach eine reine Selektion auf Höchstertrag stattfinden konnte. Mittlerweile hat sich der Rapsanbau aus seinen traditionellen Anbaugebieten heraus in alle Ackerbauregionen Deutschlands entwickelt. Erfahrungsgemäß besitzen die traditionellen Anbaugebiete die höchsten Erträge. Die sehr hohen Erträge 2006 und 2007 in den süddeutschen Rapsanbaugebieten zeigen aber, dass in bestimmten Anbaujahren durch den Einfluss der Witterung auch die nicht traditionellen Rapsanbaugebiete Höchsterträge erreichen können.

Winterraps Hochertragsregionen
 Winterraps Hochertragsregionen
Analysiert man die Durchschnittserträge der vergangenen 25 Jahre intensiven Rapsanbaus in Deutschland, so fällt besonders die Beziehung zwischen Witterung und Anbaudichte auf. Typische Phoma-Epidemiejahre wie z.B. 2002, 2007 und möglicherweise auch 2008, oder dramatische Sklerotiniaeinbrüche, sind immer in Verbindung mit Niederschlagsereignissen in einer bestimmten Entwicklungsphase des Winterrapses aufgetreten. Die Häufigkeit des Anbaus in der Fruchtfolge und die Dichte in der Feldflur in Verbindung mit dem Wetterverlauf verstärken die Ausprägung der Krankheiten und das Auftreten von Schadinsekten massiv. In einigen wenigen Jahren waren auch Auswinterungen zu verzeichnen. In dem Winter 1995/1996 waren allein 100.000 ha davon betroffen.

2003 sind auf Grund des Wasserdefizits ca. 10 dt/ha weniger geerntet worden. Speziell die leichten Standorte Brandenburg verzeichneten einen Ertragseinbruch um mehr als 50 %. Die Küstenlagen und sehr kühlen Mittelgebirgslagen hatten bei mittlerer Bodenqualität gute Erträge vorzuweisen.

Optimale Temperaturen und Niederschlagsmengn in Winterraps Hochertragsregionen
 Optimale Temperaturen und Niederschlagsmengn in Winterraps Hochertragsregionen
Die verfügbare Feldkapazität der Standorte sowie die Tagestemperatur entschieden über die Ertragshöhe. Darüber hinaus ist das Wetter eigentlich mehr ein Tagesereignis, welches über den Zuflug von Insekten, das Auftreten von Pilzbefall und der Befahrbarkeit des Ackers entscheidet.

Analysiert man den Wetterverlauf der erfolgreichen Gebiete und Jahre, dann sind ein trockener Herbst, ein trockenes Frühjahr sowie eine ausreichende Wasserversorgung nach der Blüte für Höchsterträge entscheidend gewesen. Der Abschnitt zwischen Blühbeginn und Reife, ca. 75 bis 80 Tage, ist für die Ertragshöhe entscheidend. Entgegen der allgemeinen Meinung, dass der Raps es besonders feucht liebt, waren Höchsterträge in der Vergangenheit immer in Jahren nach trockenen Herbsten und Frühjahren zu beobachten. Lediglich zur Reife muss ausreichend Wasser vorhanden sein.

Knapper Faktor: Wasser in der Reifephase
Etwa 70 % des Gesamtertrages einer Rapspflanze wird in den 70 bis 75 Tagen der Reife, von Blühbeginn bis Abreife (ca. 14 Tage vor dem Druschtermin) aufgebaut. In dieser Zeit entstehen Seitentriebe, Schotenwände und Samen. Pro Tag werden ca. 1,7 bis 1,8 dt/ha Pflanzentrockenmasse bzw. 65 kg/ha Kornertrag gebildet. Um einen derart großen und schnellen Zuwachs zu sichern, müssen ausreichend Licht, Temperatur und Wasser sowie entsprechende Nährstoffmengen (N/S) zur Verfügung stehen.

Optimale Wetterfolge für Rapsanbau
 Optimale Wetterfolge für Rapsanbau
Die optimale Temperatur während der Abreife liegt bei 20 bis 25 °C. Die Verdunstung über die große Oberfläche der Pflanze ist bei Ausprägung einer guten Wachsschicht in diesem Temperaturbereich mit etwa 6 mm pro m² und Tag nicht ertragsreduzierend. Erst bei Temperaturen über 30 °C  stellt die Pflanze die effiziente Stoffproduktion ein. Somit sind hohe Sonneneinstrahlung und Luftfeuchtigkeit sowie eine kühle, lange Reifeperiode mit Temperaturen nicht über 25 °C, optimal für hohe Erträge. Hier liegen auch die wichtigsten Ertragsunterschiede zwischen Südwestdeutschland und den Ostsee-Küstenregionen. Bis zum Blühbeginn im April sind die Bestände in den Regionen ähnlich gut entwickelt. In der Reife sind die mittleren Temperaturen im Südwesten zu hoch und Wasser zu knapp. Fehlende Reifezeit wird u.a. durch ein geringeres Wasserangebot und unproduktive Nutzung verursacht. Die Gesamttrockenmasse eines normalen Rapsbestandes im Südwesten beträgt 14 bis 16 to, an der Küste 16 bis 18 to. Die Reifezeit, also die Zeit zwischen der Blüte und dem Ende der Reife, ist im Norden 11 Tage länger als im Südwesten. Es entsteht ein Ertragsvorteil im Winterraps in der TM- Produktion von 1,8 to/ha zugunsten der norddeutschen Küstenstandorte. Diese profitieren von den niedrigeren Temperaturen und der höheren Luftfeuchtigkeit. Dennoch sollte erwähnt werden, dass bereits 50 km südlich des Küstenstreifens die Konditionen der Wasserverfügbarkeit erheblich nachlassen.

Im Regelfall wird bei Winterraps ein gesamtes Korn- Strohverhältnis von 1:3,8 gemessen. Der Zuwachs in den 75 Tagen zwischen Blüte und Reife hat ein Verhältnis von 1:2,8. Eine längere Vegetation in dieser Reifephase führt daher oft zu einer besseren Verwertung im Kornertragszuwachs und daher zu ca. 7 dt/ha höheren Erträgen an der Küste im Vergleich zum Südwesten Deutschlands. Auch die Überprüfung der Statistik zeigt in Mecklenburg- Vorpommern einen Durchschnittsertrag von 3,8 bis 4,1 to/ha, während in Baden Würtemberg 3,3 bis 3,5 to/ha erreicht werden. Jedoch: Ausnahmen bestätigen die Regel. In den vergangenen zwei Jahren waren die Wetterprognosen im norddeutschen Raum eher ungünstig, während in Süddeutschland von hervorragenden Bedingungen gesprochen werden konnte.

Ursache für die geringen Erträge in diesen Jahren in Nord- und Ostdeutschland war die Niederschlagsverteilung und damit einhergehend ein enormer Krankheitsbefall, der durch die zum Teil sehr engen Fruchtfolgen begünstigt wurde. Auch die an diesen Standorten mangelnde Sonneneinstrahlung leistete einen Beitrag zu zum Teil geringen Erträgen.

Wichtige Termine der Ertragsbildung im Rapsjahr
 Wichtige Termine der Ertragsbildung im Rapsjahr
Ziel muss es sein, die Reifephase (Blühbeginn bis Reifeende) zu verlängern und effizient zu gestalten. Die Schlüsselrolle dabei nimmt die Wasserverfügbarkeit ein. Im Vorwinter und Frühjahr bis zum Blühbeginn bildet der Winterraps 6 bis 8 to TM/ha.

In den ca. 75 Reifetagen wird für die noch fehlende TM-Produktion von 12 bis 14 to ca. 250 bis 350 l Wasser/m² benötigt. Natürliche Quellen sind die in dieser Zeitspanne auftretenden Niederschläge (im langjährigen Mittel jeweils nach Region zwischen 30 bis 80 mm/Monat), im Boden vorhandenes Wasser sowie die Wasserreserven in der Pflanze selbst. Wie bereits erwähnt, ist auch eine hohe Luftfeuchtigkeit von Vorteil. Diese besonders guten Reifekonditionen werden gerade in den Küstenregionen beobachtet.

Trockene Herbstwitterung, milder Winter, kühles trockenes Frühjahr und kühler feuchter Spätsommer mit mindestens 250 bis 300 mm Regenmenge aus Niederschlägen und  Feldkapazität von Mitte April bis 5. Juli ist die Vorraussetzung für höchste Erträge. Dabei ist nicht die Jahresniederschlagsmenge ausschlaggebend, sondern die verfügbare Wassermenge und Temperatur von April bis Juli.

Die Rolle des Landwirtes
Die Ansprüche des Winterrapses sind bekannt. Die Rolle des Landwirtes beschränkt sich darauf, zu den entscheidenden Wachtumsstadien die entsprechenden acker- und pflanzenbaulichen Vorraussetzungen zu schaffen und die benötigten Betriebsmittel für die Pflanze bereit zu stellen. So ist beispielsweise eine starke Wurzel immer Vorrausetzung für eine bessere Wasserverfügbarkeit in den entscheidenden Momenten. Ebenso ist die Funktionalität des Wasserleitsystems im letzten Reifeabschnitt entscheident. So muss beispielsweise zwischen Blüte und Reife über 300 l Wasser pro m² in die Pflanzen befördert werde. Alle Maßnahmen, die dem Ziel der Funktionalität der Leitgefäße dienen, sind erfolgreich im Rapsanbau.

Zusammenfassung:
Sind die acker- und pflanzenbaulichen Vorraussetzungen geschaffen, ist der Witterungsverlauf entscheidend an der weiteren Entwicklung beteiligt. Die Begleitung des Landwirtes beschränkt sich darauf, mit den verfügbaren Mitteln den Bedarf der Pflanzen und die Funktionalität des Haupttriebes abzusichern. Im günstigsten Fall unter optimalen Bedingungen, d.h.  wenn Wetter und Maßnahmen zueinander passen, können beim Winterraps sogar Erträge von  über 7 to/ha gedroschen werden.

 

Ludger Alpmann, RAPOOL-RING GmbH, Oktober 2007