Erfolgreiche Rapslagerung und -vermarktung 2011 und 2012!
Bei der Vermarktung von Winterraps stellt sich die Frage, ob die Erntemenge teilweise oder gar ganz mit Lieferverträgen abgesichert werden sollte. Außerdem stehen die Ablieferungstermine während der Ernte oder nach Einlagerung zur Wahl. Die Einlagerung muss jedoch fachgerecht erfolgen, damit Qualitätseinbußen und Lagerschwund vermieden werden.
Bei der Wahl der Vermarktungsstrategie spielt das Verteilen und Ausgleichen von Risiken eine zunehmende Rolle. Hierbei sollte auch die Liquidität des Betriebs berücksichtigt werden, denn in der Ernte gibt es zwar nicht das meiste, aber das schnellste Geld. Eine Vermarktung mit späterem Liefertermin darf nicht zu temporären Liquiditätsproblemen führen und sollte sich angemessen verzinsen.
Planung der Vermarktung
In der Praxis ist der Abschluss von Lieferverträgen vor der Ernte eine häufige Vermarktungsstrategie. Beim Verkauf von Teilmengen besteht immer die Unsicherheit über die Gesamt – Erntemenge, weshalb größere Betriebe im Verlauf der Vegetation meist zu mehreren Terminen verkaufen. Für kleine Betriebe lohnt sich das nicht, hier wird der gesamte Ernteaufwuchs verkauft.
Ein Verkauf bzw. Liefertermin in der Ernte bedingt in der Regel einen geringeren Preis, da direkt ohne Zwischenlagerung abgeliefert werden kann. Spätere Liefertermine sind hingegen mit der Einlagerung des Rapses verbunden, die entweder als Fremdeinlagerung beim Handel oder als Eigenlagerung erfolgen kann. Die bei der eigenen Einlagerung anfallenden Zusatzkosten für die anfallenden Arbeiten (Ein- und Auslagerung, Kontrollen) sowie der Lagerschwund, Energiekosten (Trocknung, Belüftung) Lagergeld usw. müssen bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden. Die Eigenlagerung bietet die höchste Flexibilität für die weitere Vermarktung, stellt aber gleichzeitig auch die höchsten technischen Anforderungen an den Betrieb, auf die im weiteren Verlauf näher eingegangen wird.
Was ist bei der Lagerung zu beachten?
Zunächst sollte Winterraps als Lebensmittel betrachtet werden. Rapsöl ist eines der hochwertigsten pflanzlichen Öle der Welt. Neben Qualitätsverlusten, die bei unsachgemäßer Lagerung entstehen, ist daher vor allem die Hygiene zu beachten. Aber auch für technische Verwendungszwecke kann unsachgemäße Lagerung zu Qualitätseinbußen führen. Während der Lagerung laufen im Rapskorn verschiedene Stoffwechselprozesse ab, die unter Wärmeentwicklung zum Abbau von organischer Masse führen und damit auch Lagerschwund bedeuten. Je besser die Lagerungsbedingungen, desto geringer ist der Lagerschwund.
- Bereits bei der Ernte können unerwünschte Stoffe wie Fremdbesatz und Staubanteile durch eine optimale Einstellung des Mähdreschers (Dreschkorb, Siebe, Wind), richtige Schnitthöhe und saubere Reinigung erheblich reduziert werden. Besatz hat immer einen höheren Feuchtegehalt als der Winterraps und ist vor allem sehr viel stärker mit Mikroorganismen kontaminiert. Daher beginnt Schimmelwachstum meist an solchen „Keimzellen“. Auch Milben werden oft über den Besatz ins Lager getragen. Der Besatz sollte für eine sichere Lagerung unter 1% liegen.
- Sämtliche Transportmittel (auch Fremdfahrzeuge) müssen sauber und für den Rapstransport geeignet sein.
- Vor der Rapseinlagerung sind Lager/Siloanlage, Annahme, evtl. Trocknung und Reinigung sowie die Fördereinrichtungen gründlich zu reinigen.
- Während der Lagerung sind Verunreinigungen jeder Art zu verhindern.
- Die Ware ist entsprechend der Lagerdauer in einen lagerfähigen Zustand zu bringen (z.B. durch Trocknung und/oder Belüftung) und auch zu halten. Die Einlagerung von Raps mit einer Erntefeuchte von 12 % führt bei 20°C bereits nach 16 Tagen zu einer Erwärmung auf über 50°C! Dies soll noch einmal die Bedeutung einer schnellen Kühlung und Trocknung des Rapses verdeutlichen.
- Die Lagerfeuchtigkeit sollte nicht über 8% (besser nicht über 7%) liegen. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 60% und einer Temperatur von 20°C im Lagerstapel (kontrolliert mit Stechhygrometer und Thermometer) beträgt die Gleichgewichtsfeuchte des Rapses ca. 8%.
- Bei der Belüftung mit Frischluft ist die Neubefeuchtung der Rapssaat zu vermeiden. Als Faustregel gilt, dass unbedenklich belüftet werden kann, wenn die Luft 7°C kälter als der Raps ist.
- Abbildung 1 verdeutlicht den Zusammenhang zwischen Feuchte und Temperatur des eingelagerten Winterrapses. Das Schimmelwachstum ist von der Temperatur und vom Wassergehalt der Luft abhängig. Lagert man Raps mit einer Körnerfeuchte von 10 % bei 30° C ein, so werden bereits nach 80 Stunden erste schimmlige Stellen sichtbar. Eine wirklich sichere Lagerung ist erst mit Feuchten ≤ 7 % und Temperaturen ≤ 12 °C zu erreichen.
- Die Ware ist regelmäßig auf ihren Gesundheitszustand zu überprüfen: sensorische Prüfung sowie Schädlingskontrolle
- Dokumentation der Einlagerung, Lagerung und Auslagerung. Diese Aufzeichnungen sollen einerseits dem Betriebsleiter einen Überblick über die geleisteten Maßnahmen zur Erhaltung der Hygiene und Qualität des Ernteguts verschaffen und andererseits bei der Vermarktung als Nachweis darüber dienen, wie in der Zeit von der Ernte über das Lager bis zum Verkauf mit der Ware umgegangen wurde.
Fazit
Den optimalen Zeitpunkt zur Rapsvermarktung gibt es eigentlich nicht mehr. Wer – zu welchem Termin auch immer - seinen Winterraps verkauft, bewegt sich immer in der Furcht, die Preise hätten noch weiter steigen können. Auf der anderen Seite steht die Furcht vor fallenden Preisen. Landwirtschaftliche Unternehmer müssen sich daher verstärkt mit der Risikoabsicherung auseinander setzen, um Preisrisiken abzufedern.
Wer bei der Vermarktung hoch pokert, muss aber auch mit den Konsequenzen leben. Wer auf steigende Preise setzt, kann die noch nicht verkaufte Ware aus der Ernte 2011 fachgerecht einlagern und sollte sich gleichzeitig überlegen, die Rapsanbaufläche zur Ernte 2012 auszudehnen.
Rainer Kahl
RAPOOL-RING GmbH, Juni 2010 (geändert August 2011)




