Die Preisentwicklung in der Europäischen Union und in Deutschland wird auch weiterhin maßgeblich von der Entwicklung auf dem Weltmarkt beeinflusst werden. Aktuell deutet vieles auf eine relativ knappe, globale Versorgungslage für Rapssaat für die nächsten 12 Monate hin. Dies sollte zu vergleichsweise hohen Rapspreisen in der Saison 2026/27 führen.
Die kräftige Ausweitung der Anbauflächen in Kanada, Russland und Südamerika dürfte den erwarteten Rückgang der Rapserträge in wichtigen Erzeugerländern – insbesondere in der EU-27, Australien und Kanada – mehr als ausgleichen. Damit zeichnet sich für 2026/27 ein weiterer Anstieg der weltweiten Rapserzeugung auf den Rekordwert von 87,5 Mio. t ab. Dies entspricht einem Plus von 1,6 Mio. t gegenüber dem Vorjahr, verglichen mit dem Produktionsanstieg von 9,4 Mio. t in der vergangenen Saison.
Höhere Lagerbestände dürften das weltweite Angebot an Raps laut OIL WORLD erstmals auf mehr als 100 Mio. t steigen lassen. Das Rekordangebot, die sich abzeichnenden Produktionsprobleme bei Palmöl sowie die Abschwächung des Vorjahreswachstums der Sojaölproduktion dürften dazu beitragen, dass die Verarbeitung in den kommenden Monaten auf hohem Niveau bleibt.
Neben der Größe der diesjährigen kanadischen Ernte – wobei die Erntefortschritt in den kommenden zwei Wochen voraussichtlich deutlich an Dynamik gewinnen werden – steigt auch das Risiko, dass politische Faktoren zu Beginn der Saison 2026/27 erneut die Preisbildung beeinträchtigen könnten.
Ein weiterer wesentlicher preisbestimmender Faktor wird in den kommenden Monaten das chinesische Kaufinteresse sein. Steigende Pflanzenölpreise, geringer als ursprünglich erwartete Exporte von Sonnenblumenöl aus der Schwarzmeerregion – vor dem Hintergrund der intensivierten Angriffe auf die Logistikinfrastruktur sowohl in der Ukraine als auch in Russland – sowie das Risiko eines Produktionsdefizits bei Palmöl im Jahr 2027 dürften die chinesische Importnachfrage nach Raps auf hohem Niveau halten.
Die Wiederaufnahme der chinesischen Käufe und das nur begrenzte Wachstum des weltweiten Exportangebots an Raps dürften die EU-Importe im Wirtschaftsjahr Juli/Juni 2026/27 auf lediglich 6,8–6,9 Mio. t begrenzen, gegenüber 7,21 Mio. t in der vergangenen Saison. Dies dürfte die EU-Rapspreise in den kommenden Monaten ebenfalls stützen.
Rapooli der Rapsprofi