Der globale Markt für Pflanzenöle wird dabei von zwei gegenläufigen Faktoren geprägt sein: einer stark wachsenden Nachfrage aus dem Biokraftstoffsektor und einer angespannten Versorgungslage.
Palmöl dürfte im Wirtschaftsjahr Juli/Juni 2026/27 die führende Rolle bei den Preissteigerungen übernehmen. Ausschlaggebend hierfür sind (1) ein voraussichtlicher Rückgang der Produktion, (2) ein steigender Inlandsverbrauch in den Erzeugerländern – insbesondere für die Biodieselproduktion – sowie (3) ein noch stärkerer Rückgang der Palmölexporte. Dies wird die Abhängigkeit von Saatenölen erhöhen und eine weitere deutliche Ausweitung der Ölsaatenverarbeitung nach sich ziehen. Gleichzeitig dürfte das Angebot an Ölschroten reichlich bleiben, sodass sich die Preisentwicklung von Pflanzenölen und Ölschroten zunehmend auseinanderentwickeln wird.
Auch Raps dürfte von der sich abzeichnenden Verknappung am Pflanzenölmarkt profitieren. Für Norddeutschland erwartet OIL WORLD im Wirtschaftsjahr Juli/Juni 2026/27 durchschnittliche Rapspreise, die 5–10 % über dem Durchschnitt von 570 US-Dollar je Tonne der Saison 2025/26 liegen.
Die im Vergleich attraktiven Deckungsbeiträge haben Landwirte weltweit dazu veranlasst, die Rapsanbaufläche für die Ernte 2026/27 auszuweiten – überwiegend zulasten von Getreide. OIL WORLD prognostiziert für die kommende Saison eine weltweite Anbaufläche von 42,3 Mio. ha und damit einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einer Ausweitung um 1,6–1,7 Mio. ha und gegenüber 2019/20 sogar einem Zuwachs von 10 Mio. ha bzw. 32 %. Den größten Flächenanstieg erwartet OIL WORLD in Kanada (+0,5 Mio. ha), gefolgt von der EU-27 (+0,3 Mio. ha) sowie Australien und den USA (jeweils +0,2 Mio. ha).
Die weltweite Produktion von Raps dürfte 2026/27 mit 86,1 Mio. Tonnen ebenfalls einen neuen Rekord erreichen. Allerdings wird sich das Produktionswachstum deutlich abschwächen: Nach einem Anstieg um 9,3 Mio. Tonnen in 2025/26 wird für 2026/27 lediglich ein Plus von 0,3 Mio. Tonnen erwartet. Aufgrund höherer Anfangsbestände steigen die weltweit verfügbaren Mengen dennoch um rund 0,9 Mio. Tonnen gegenüber dem Vorjahr.
Für die EU wird die Rapsernte 2026 auf 20,9 Mio. Tonnen geschätzt und dürfte damit den bisherigen Höchststand um 0,3–0,4 Mio. Tonnen übertreffen. Gleichzeitig wird sich allerdings der Wettbewerb um die begrenzten Exportmengen auf dem Weltmarkt verschärfen. Infolgedessen könnten die Importe der EU auf 6,5–6,6 Mio. Tonnen zurückgehen, nachdem sie in den beiden vorangegangenen Saisons bei 7,0 Mio. Tonnen beziehungsweise 8,2 Mio. Tonnen lagen.
Die Importe aus der Ukraine dürften im Wirtschaftsjahr 2026/27 bei rund 1,8 Mio. Tonnen stagnieren oder allenfalls leicht steigen. Gleichzeitig werden der wachsende Inlandsbedarf in Kanada sowie die Wiederaufnahme chinesischer Käufe kanadischen Raps die Lieferungen nach Europa begrenzen. Um den Rohstoffbedarf zu decken, wird die EU daher voraussichtlich mindestens 3,3–3,4 Mio. Tonnen aus Australien importieren müssen – rund 0,5 Mio. Tonnen mehr als im Vorjahr. Damit werden die Witterungsbedingungen in Australien in den kommenden Monaten zu einem entscheidenden Einflussfaktor für den europäischen Rapsmarkt und die Preise.
ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, 21077 Hamburg, Langenberg 25, Tel: 040 761050-10 david.mielke@oilworld.de Internet: www.oilworld.de
Rapooli der Rapsprofi