Die bullischen Marktfundamentaldaten überwiegen derzeit den bärischen Einfluss der saisonal zunehmenden Neuernteversorgung in Europa, was im Juli zu einem deutlichen Anstieg der Rapspreise geführt hat. Verschlechterte Ernteaussichten in der EU, steigende Mineralölpreise sowie das Risiko eines langsamen Starts der ukrainischen Exporte (aufgrund von Störungen der Lieferketten und eines verzögerten Erntebeginns) haben die Marktstimmung zuletzt deutlich verändert.
Die diesjährige EU-Rapsernte fällt nach wiederholten Hitzewellen Ende Juni und Mitte Juli kleiner aus als ursprünglich erwartet. In der Tschechischen Republik waren bis zum 27. Juli bereits 65% der Ernte eingebracht (gegenüber lediglich 32 % im Vorjahr), wobei der bisherige Durchschnittsertrag nur 2,68 t/ha betrug (Vorjahr: 3,19 t/ha). Bemerkenswert ist, dass die Durchschnittserträge seit Beginn der diesjährigen Erntekampagne zurückgegangen sind, während sie in den vergangenen sieben Jahren saisonal angestiegen waren. Unter Berücksichtigung der in diesem Jahr kleineren Anbaufläche könnte die tschechische Rapsproduktion 2026 auf lediglich 850.000 bis 900.000 Tonnen sinken, nach 1,0 Mio. Tonnen im Jahr 2025.
In Frankreich deuten die neuesten offiziellen Daten trotz einer um 12% ausgeweiteten Anbaufläche auf einen leichten Rückgang der diesjährigen Rapsernte hin, was ebenfalls auf enttäuschende Erträge schließen lässt. Im MARS-Bericht für Juli nahm die Europäische Kommission zudem Abwärtskorrekturen ihrer Rapsertragsschätzungen für 2026 vor: für Ungarn um 13% gegenüber dem Vormonat, für die Tschechische Republik um 5%, für Dänemark um 3% und für Frankreich um 1%. Es kann inzwischen nicht mehr ausgeschlossen werden, dass die gesamte EU-Rapsproduktion 2026 auf 20,2 Mio. Tonnen oder sogar darunter sinkt, nach 20,5 Mio. Tonnen im Vorjahr.
Die kleine EU-Ernte und der zunehmende Wettbewerb um die verfügbaren Exportmengen auf dem Weltmarkt dürften den Anstieg der EU-Rapsverarbeitung in der Saison 2026/27 begrenzen. Entscheidend werden dabei vor allem das Ausmaß des Produktionsrückgangs in Australien sowie die erwartete Erholung der chinesischen Käufe von Raps sein.
Die Aussichten für die kanadische Ernte haben sich infolge der zuletzt warmen und trockenen Witterung verbessert. In Saskatchewan, das rund 57% der gesamten kanadischen Anbaufläche stellt, befanden sich Mitte Juli Berichten zufolge 76% der Bestände in gutem bis ausgezeichnetem Zustand (gegenüber lediglich 60 % im Vorjahr). Allerdings ist bislang unklar, wie groß die irreversiblen Schäden durch die starken Niederschläge und regionalen Überschwemmungen zu Beginn der Vegetationsperiode tatsächlich sind. OIL WORLD schätzt die kanadische Ernte auf einen Rekordwert von 22,1 Mio. Tonnen (nach 21,8 Mio. Tonnen im Jahr 2025). Die Ausweitung der Anbaufläche um 0,7 Mio. Hektar dürfte den erwarteten Rückgang des Hektarertrags gegenüber dem außergewöhnlich hohen Vorjahresniveau von 2,5 t/ha mehr als ausgleichen.
Die weltweite Produktion von Raps wird inzwischen auf einen Rekordwert von 86,3 Mio. Tonnen geschätzt. Das Produktionswachstum dürfte sich jedoch deutlich auf lediglich 0,7 Mio. Tonnen verlangsamen, nachdem es in der vergangenen Saison noch 9,2 Mio. Tonnen betragen hatte. Unter Berücksichtigung der höheren Anfangsbestände wird das weltweite Gesamtangebot in dieser Saison voraussichtlich knapp 100 Mio. Tonnen erreichen – ein neuer Höchststand und deutlich mehr als die 67,5 Mio. Tonnen vor fünf Jahren.
ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, 21077 Hamburg, Langenberg 25, Tel: 040 761050-10 david.mielke@oilworld.de Internet: www.oilworld.de
Rapooli der Rapsprofi