Beobachtet man vermehrt Rüsselkäfer im Raps, sollte sichergestellt werden, dass es sich um den Kohlschotenrüssler handelt und nicht um den Gefleckten Kohltriebrüssler. Der Kohlschotenrüssler ist vollständig schwarzgrau (kein weißer Fleck auf dem Rücken), besitzt einen auffällig gebogenen Rüssel und keine rötlichen Füße.
Auch bei kritischem Befall (1 Käfer pro 2 Pflanzen bei erhöhtem Risiko für Befall mit der Kohlschotenmücke) sollte der Insektizideinsatz gegen Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke gut abgewogen werden: Die einzig zugelassenen Pyrethroide wirken bei hohen Temperaturen nur wenige Tage. Zudem ist der Kohlschotenrüssler durch langjährigen Pyrethroideinsatz weitgehend resistent geworden. Die Kontaktwirkung gegenüber der Kohlschotenmücke ist begrenzt, da die filigrane Mücke nur in windstillen, sonnigen Stunden aktiv ist; häufig wird nur eine von mehreren Zuflugwellen erfasst. Gegen die Mückenlarven, die im Inneren der Schoten an den Wänden saugen, sind Pyrethroide wirkungslos. Gleichzeitig schädigen die Mittel zahlreiche Nützlinge, die im blühenden Raps aktiv sind und durch die Parasitierung von Larven auch zur Regulierung der Glanzkäferpopulation beitragen.
Wenn eine Behandlung erfolgen soll: Zum Schutz von Honigbienen und anderen Bestäuberinsekten sowie zur Minimierung von Durchfahrverlusten sollte ausschließlich abends nach einem Tag mit Zuflugwetter für die Mücke behandelt werden. Mit steigenden Temperaturen, wenig Wind und sonnigem Wetter werden sich im Verlauf dieser Woche erstmals auch in Schleswig-Holstein und im Osten Deutschlands günstige Zuflugbedingungen einstellen. Da die Kohlschotenmücke nur begrenzte Flugstrecken zurücklegt, reichen Randbehandlungen oft aus – insbesondere bei größeren Schlägen.
Knospenverluste durch Witterungsstress (Frost), Nährstoffmangel oder Glanzkäferschäden kann Raps in der Regel kompensieren, sofern er nicht bereits stark geschwächt ist, z.B. durch Befall mit Rapserdflohlarven oder durch starke Winterfröste im Nordosten. Die Ursache für verkrümmte und verdrehte Pflanzen ist meist Befall mit Larven des Großen Rapsstängelrüsslers.
Rapooli der Rapsprofi