
Kritischer Blattfraß wird inzwischen etwas häufiger gemeldet. Schwerpunkte liegen derzeit in Mitteldeutschland mit Nordhessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Vereinzelt wird kritischer Fraß auch aus anderen Regionen gemeldet, z.B. aus dem südöstlichen Schleswig-Holstein, Südniedersachsen, Nordbayern und Baden-Württemberg. Entscheidend bleibt der einzelne Schlag: Der Fraß kann selbst auf Nachbarschlägen und auch innerhalb eines Schlages sehr unterschiedlich sein. Gefährdet ist Raps, der noch nicht über das 4-Blattstadium hinaus ist oder im Wachstum stagniert. Mehr als 10 % zerstörte Blattfläche werden vor allem dann kritisch, wenn der kleine Raps nicht weiterwächst. Kräftiger Raps wächst dem Blattfraß dagegen zunehmend davon.
Viele Käfer in der Gelbschale – behandeln oder warten?
Der Zuflug ist bisher regional und schlagspezifisch sehr unterschiedlich. In der zweiten Wochenhälfte wird es in der Nordhälfte Deutschlands wechselhafter: Kühlere, windige und nasse Phasen wechseln sich mit einzelnen Zuflugfenstern ab. Der Zuflug dürfte sich damit weiter hinziehen. In der Südhälfte bestehen dagegen in dieser Woche mehrtägig optimale Zuflugbedingungen. Gelbschalen kontrollieren und Zeitpunkt sowie Stärke der Zuflugwellen im Blick behalten.
Hohe Käferzahlen sind bei tolerierbarem Blattfraß nicht automatisch ein Spritzsignal. Jetzt kommt es aber zunehmend darauf an, wann die Käfer zugeflogen sind: Erdflöhe, die bereits bis zum ersten Septemberwochenende zugewandert sind, legen inzwischen Eier. Sind die Eier erst einmal im Boden, lässt sich der daraus entstehende Larvenbesatz mit einer späteren Käferbehandlung nicht mehr verhindern. Käfer, die um den 10. September zugeflogen sind, können im Laufe dieser Woche die Eireife erreichen – bei den derzeitigen Bedingungen etwa 7 bis 10 Tage nach dem Zuflug. Bei sehr hohen Käferzahlen in den Gelbschalen kann deshalb versucht werden, die bereits eingeflogenen Käfer noch vor stärkerer Eiablage zu erfassen. Neu zufliegende Erdflöhe, die von der kurzen Dauerwirkung nicht mehr getroffen werden, kommen allerdings trotzdem zur Eiablage.
Eine Behandlung der Käfer vor der Haupteiablage funktioniert nur gut, wenn der Zuflug kompakt verläuft. Bleibt es recht warm und ist der Zuflug verzettelt, beginnen die ersten Käfer schon mit der Eiablage, während bei kurzer Dauerwirkung des Insektizids andere Käfer noch zuwandern. Eine Käferbehandlung kann den späteren Larvenbesatz dann nur unzureichend begrenzen. Wer jede Käferwelle erfassen will, erhöht den Selektionsdruck auf die Pyrethroidresistenz, ohne den späteren Larvenbefall sicher zu reduzieren.
Ist der Blattfraß tolerierbar, kann zunächst abgewartet werden. Die stärkeren Zuflugphasen in den Gelbschalen dokumentieren. Sie helfen später, den Larvenschlupf zeitlich einzuordnen und bei entsprechendem Larvendruck die Behandlung gezielt auf die Larven auszurichten.
Gelbschalen deshalb weiter regelmäßig kontrollieren und mindestens wöchentlich säubern. Direkt nach einer Behandlung können vorübergehend erhöhte Fangzahlen auftreten. Diese nicht überbewerten, sondern die Schalen nach einigen Tagen leeren und die weitere Entwicklung beobachten. Digitale Gelbschalen können schneller austrocknen; beim Befüllen möglichst wenig Schaum erzeugen, da dieser die Bildqualität verschlechtert.
Rüsselkäfer in der Gelbschale?
Für den Zuflug des Schwarzen Kohltriebrüsslers ist es aktuell noch früh. Aktuelle Fänge in NRW wurden als Kohlgallenrüssler bestimmt und dürfen nicht mit dem Schwarzen Kohltriebrüssler verwechselt werden.
Wachstumsregler und Phoma
Bei gleichmäßig entwickeltem, wüchsigem Raps mit mindestens vier Laubblättern – besonders bei dichten Beständen – über die Wuchsregulierung entscheiden, sofern noch nicht geschehen. Bei stagnierenden oder stark ungleichmäßig aufgelaufenen Beständen noch warten. Bei den Nachauflaufherbiziden LaDiva und Belkar sind Einschränkungen beim Einsatz von Wachstumsreglern zu beachten.
Bei den Schlagkontrollen gleichzeitig auf erste Phoma-Blattflecken achten. Das witterungsbedingte Risiko ist derzeit erst in Teilen Schleswig-Holsteins und im Elbe-Weser-Raum erhöht. Die für diese Woche angekündigten Niederschläge werden bei weiterhin milden Nächten Infektionen begünstigen. Deutschlandweit gesehen steht Phoma noch nicht im Vordergrund. Viele der angebauten Sorten sind wenig anfällig für kritischen Phoma-Befall.
Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster
Rapooli der Rapsprofi