Rapsschädlinge im Herbst

Im Fokus der Herbstschädlinge steht der Rapserdfloh an erster Stelle. Nachdem er im vergangenen Herbst beträchtliche Schäden verursacht hat, herrscht verständlicherweise Sorge vor erneuten Problemen. Es gibt jedoch eine Reihe von Indizien, die in vielen Regionen einen geringeren Befallsdruck zumindest erhoffen lassen:

 

  • Im Winter/Frühjahr waren kaum Larven in den Pflanzen zu finden
  • Im Frühjahr sehr schöne Rapsblüte, (fast) keine „schmutzig“ blühenden Rapse wie im Frühjahr 2021
  • Während der Abreife keine/kaum Jungkäfer sichtbar, auch keine/kaum Fraßspuren an grünen Stängeln und Schoten
  • Während der Ernte hat es auf Feld, Anhängern und Lägern meistens nicht gehüpft.
  • Aufgelaufene Altrapspflanzen bisher ohne Bissspuren
  • Anderer Witterungsverlauf als im Vorjahr

In den Epizentren des Vorjahrs ist dennoch höchste Vorsicht geboten: Wichtigste Dinge: Gelbschalen ´raus + Augen auf! Gern auch abends und mit Taschenlampe. Spätestens die Fraßspuren verraten ihn.

Rübsenblattwespe profitiert vom warmen, trockenen Sommer

Zwar ist Schädlingsdruck bis Ende August allgemein sehr gering, aber warme, trockene Sommer sind für die Vermehrung der Rübsenblattwespe meistens günstig. Die Wespe ist sehr markant durch ihre überwiegend gelblich-orange Farbe und ist bei stärkerem Auftreten häufig in der Gelbschale zu finden.

Nach Einflug in die auflaufenden Bestände legen die Weibchen bis zu 300 Eier auf den Blättern im Bestand ab. Nach 4-12 Tagen beginnen Larvenschlupf und -fraß. Die tägliche Nahrungsaufnahme nimmt in kürzester Zeit beachtlich zu, so dass die Raupen täglich bis zum Doppelten ihres Anfangskörpergewichts vertilgen können. Dann weisen die Blätter schnell Rand-, Fenster- und Lochfraß bis hin zum Skelettierfraß auf. Abgesehen vom Blattfraß der Raupen entstehen keine bleibenden Schäden. Die Rübsenblattwespe ist daher nur bei Massenauftreten gefährlich.

Die Rapsbeizung mit LUMIPOSA besitzt eine gute Anfangswirkung gegen die Raupen. Bis 3-Blattstadium führt bereits im Mittel weniger als 1 Larve/Pflanze zu Schäden. Später können 1-2 Larven/Pflanze akzeptiert werden. Die gezielte Bekämpfung ist mit jedem zugelassenen Pyrethroid möglich. Wichtig ist, dass die volle, zulässige Aufwandmenge gefahren wird, da aufgrund der Raupengröße erst dann eine ausreichende Wirkung erzielt wird. Einzelne Teile der Rapsschläge können je nach Zuflugrichtung früher und stärker betroffen sein. Daher auch wenn´s schwer fällt, auf größeren Schlägen an mehreren Stellen kontrollieren.

Häufig wird der Blattfraß der Rübsenblattwespe fälschlich den Schnecken zugeschrieben. Vor diesem Hintergrund lohnt der Blick in die Gelbschale und die genauere Betrachtung der einzelnen Rapspflanzen, um Blattober- und Unterseiten nach den unverwechselbaren, raupenähnlichen Larven abzusuchen.

Auch Kohlmotten lieben die Wärme

Ähnliche Schäden können bei Massenauftreten auch die Raupen der Kohlmotte anrichten. Sie sind nicht so auffällig und immer auf der Blattunterseite zu finden. Sie fressen und wachsen aber langsamer. Wurde Lumiposa gebeiztes Saatgut verwendet, besteht zunächst ein ausreichender insektizider Schutz.

Die Falter sind klein, unscheinbar und besitzen lange Fühler. Sie bilden mehrere Generationen/Jahr und sind nicht durch die Gelbschale zu erfassen. Flügelspannweite 15-18 mm, in Ruhestellung steil aufgefaltet, hinten fransig. Die Eiablage erfolgt auf der Blattunterseite. Junge Raupen dunkler Kopf, ältere Raupen gelblich-grün. Zunächst Schabefraß der kleinen Raupen an der Blattunterseite, Blattoberhaut bleibt unverletzt. Später Lochfraß, bis bei Starkbefall nur noch die Mittelrippen übrigbleiben. Nur in einzelnen (warm-trockenen) Jahren kann es zur Massenvermehrung kommen, nur dann sind stärkere Fraßschäden möglich. Insektizide gegen beißende Insekten haben eine ausreichende Wirkung, Maßnahmen sind aber selten erforderlich. Die beste Vorbeugemaßnahme liegt in der Ackerhygiene! Raupen und Puppen auf Pflanzenresten durch Bearbeitung dezimieren.

Müssen Blattläuse behandelt werden?

Für Blattläuse gibt es keinen Schwellenwert zur Bekämpfung. Sie wurden viele Jahre durch die damaligen insektiziden Beizungen in der Jugendphase ausreichend kontrolliert. Lumiposa besitzt jedoch leider keine reduzierende Wirkung. Und auch gegen die häufig eingesetzten Pyrethoide haben Blattläuse oft Resistenzen gebildet.

Blattläuse können Viren übertragen, das hat jedoch schon stattgefunden, sobald die ersten Läuse gefunden werden und sollte nicht überbewertet werden. Zumal die meisten aktuell angebauten Rapssorten eine genetisch verankerte TuYV-Resistenz besitzen. Zur Vermeidung der Virusübertragung ist in erster Linie eine gute Ackerhygiene vorteilhaft. Und Blattläuse besitzen viele natürliche Gegenspieler wie z.B. Schlupfwespen, Laufkäfer oder Spinnen.

Fazit: Viele Rapsbestände tun sich aufgrund der verbreiteten Trockenheit schwer. Aber auch das Gegenteil ist zu beobachten. Wo es bei Gewittern Starkniederschläge gab, kämpfen Rapsbestände mit Verschlämmungen und teilweise zusätzlichem Herbizidstress. Eine sorgfältige Kontrolle auf Schädlinge ist in beiden Situationen besonders wichtig. Dennoch sollten Pflanzenschutzmaßnahmen nur bei wirklichem Bedarf erfolgen. Es geht dabei nicht darum, eventuell ein paar Euro zu sparen. Vielmehr beugt die Vermeidung jeder nicht notwendigen Maßnahme einer weiteren Resistenzentwicklung vor und schont vor allem Nützlinge. Denn auch sie lieben den Raps.

 

30.08.2022 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH

  • Im Winter/Frühjahr waren kaum Larven in den Pflanzen zu finden
  • Im Frühjahr sehr schöne Rapsblüte, (fast) keine „schmutzig“ blühenden Rapse wie im Frühjahr 2021
  • Während der Abreife keine/kaum Jungkäfer sichtbar, auch keine/kaum Fraßspuren an grünen Stängeln und Schoten
  • Während der Ernte hat es auf Feld, Anhängern und Lägern meistens nicht gehüpft.
  • Aufgelaufene Altrapspflanzen bisher ohne Bissspuren
  • Anderer Witterungsverlauf als im Vorjahr

In den Epizentren des Vorjahrs ist dennoch höchste Vorsicht geboten: Wichtigste Dinge: Gelbschalen ´raus + Augen auf! Gern auch abends und mit Taschenlampe. Spätestens die Fraßspuren verraten ihn.

 

 

Rübsenblattwespe profitiert vom warmen, trockenen Sommer

Zwar ist Schädlingsdruck bis Ende August allgemein sehr gering, aber warme, trockene Sommer sind für die Vermehrung der Rübsenblattwespe meistens günstig. Die Wespe ist sehr markant durch ihre überwiegend gelblich-orange Farbe und ist bei stärkerem Auftreten häufig in der Gelbschale zu finden.

Nach Einflug in die auflaufenden Bestände legen die Weibchen bis zu 300 Eier auf den Blättern im Bestand ab. Nach 4-12 Tagen beginnen Larvenschlupf und -fraß. Die tägliche Nahrungsaufnahme nimmt in kürzester Zeit beachtlich zu, so dass die Raupen täglich bis zum Doppelten ihres Anfangskörpergewichts vertilgen können. Dann weisen die Blätter schnell Rand-, Fenster- und Lochfraß bis hin zum Skelettierfraß auf. Abgesehen vom Blattfraß der Raupen entstehen keine bleibenden Schäden. Die Rübsenblattwespe ist daher nur bei Massenauftreten gefährlich.

 

Die Rapsbeizung mit LUMIPOSA besitzt eine gute Anfangswirkung gegen die Raupen. Bis 3-Blattstadium führt bereits im Mittel weniger als 1 Larve/Pflanze zu Schäden. Später können 1-2 Larven/Pflanze akzeptiert werden. Die gezielte Bekämpfung ist mit jedem zugelassenen Pyrethroid möglich. Wichtig ist, dass die volle, zulässige Aufwandmenge gefahren wird, da aufgrund der Raupengröße erst dann eine ausreichende Wirkung erzielt wird. Einzelne Teile der Rapsschläge können je nach Zuflugrichtung früher und stärker betroffen sein. Daher auch wenn´s schwer fällt, auf größeren Schlägen an mehreren Stellen kontrollieren.

 

 

 

 

Häufig wird der Blattfraß der Rübsenblattwespe fälschlich den Schnecken zugeschrieben. Vor diesem Hintergrund lohnt der Blick in die Gelbschale und die genauere Betrachtung der einzelnen Rapspflanzen, um Blattober- und Unterseiten nach den unverwechselbaren, raupenähnlichen Larven abzusuchen.

 

 

 

 

 

Auch Kohlmotten lieben die Wärme

 

 

 

 

Ähnliche Schäden können bei Massenauftreten auch die Raupen der Kohlmotte anrichten. Sie sind nicht so auffällig und immer auf der Blattunterseite zu finden. Sie fressen und wachsen aber langsamer. Wurde Lumiposa gebeiztes Saatgut verwendet, besteht zunächst ein ausreichender insektizider Schutz.

 

 

 

 

Die Falter sind klein, unscheinbar und besitzen lange Fühler. Sie bilden mehrere Generationen/Jahr und sind nicht durch die Gelbschale zu erfassen. Flügelspannweite 15-18 mm, in Ruhestellung steil aufgefaltet, hinten fransig. Die Eiablage erfolgt auf der Blattunterseite. Junge Raupen dunkler Kopf, ältere Raupen gelblich-grün. Zunächst Schabefraß der kleinen Raupen an der Blattunterseite, Blattoberhaut bleibt unverletzt. Später Lochfraß, bis bei Starkbefall nur noch die Mittelrippen übrigbleiben. Nur in einzelnen (warm-trockenen) Jahren kann es zur Massenvermehrung kommen, nur dann sind stärkere Fraßschäden möglich. Insektizide gegen beißende Insekten haben eine ausreichende Wirkung, Maßnahmen sind aber selten erforderlich. Die beste Vorbeugemaßnahme liegt in der Ackerhygiene! Raupen und Puppen auf Pflanzenresten durch Bearbeitung dezimieren.

 

 

Müssen Blattläuse behandelt werden?

 

Für Blattläuse gibt es keinen Schwellenwert zur Bekämpfung. Sie wurden viele Jahre durch die damaligen insektiziden Beizungen in der Jugendphase ausreichend kontrolliert. Lumiposa besitzt jedoch leider keine reduzierende Wirkung. Und auch gegen die häufig eingesetzten Pyrethoide haben Blattläuse oft Resistenzen gebildet.

Blattläuse können Viren übertragen, das hat jedoch schon stattgefunden, sobald die ersten Läuse gefunden werden und sollte nicht überbewertet werden. Zumal die meisten aktuell angebauten Rapssorten eine genetisch verankerte TuYV-Resistenz besitzen. Zur Vermeidung der Virusübertragung ist in erster Linie eine gute Ackerhygiene vorteilhaft. Und Blattläuse besitzen viele natürliche Gegenspieler wie z.B. Schlupfwespen, Laufkäfer oder Spinnen.

 

 

 

 

 

Fazit: Viele Rapsbestände tun sich aufgrund der verbreiteten Trockenheit schwer. Aber auch das Gegenteil ist zu beobachten. Wo es bei Gewittern Starkniederschläge gab, kämpfen Rapsbestände mit Verschlämmungen und teilweise zusätzlichem Herbizidstress. Eine sorgfältige Kontrolle auf Schädlinge ist in beiden Situationen besonders wichtig. Dennoch sollten Pflanzenschutzmaßnahmen nur bei wirklichem Bedarf erfolgen. Es geht dabei nicht darum, eventuell ein paar Euro zu sparen. Vielmehr beugt die Vermeidung jeder nicht notwendigen Maßnahme einer weiteren Resistenzentwicklung vor und schont vor allem Nützlinge. Denn auch sie lieben den Raps.

 

30.08.2022 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH