Rapsanbau wieder im Aufwind

Raps war über 20 Jahre in vielen Ackerbaubetrieben die Blattfrucht Nummer 1 und neben Weizen der Pfeiler für einen erfolgreichen Ackerbau. Nach einem Anbaurückgang 2016-2018 ist von Seiten des Marktes wieder eine Ausweitung des Rapsanbaus angezeigt.

An Raps führte in der Fruchtfolge in den vergangenen 20 Jahren meist kein Weg vorbei. Die Rapsanbaufläche kletterte in Deutschland auf 1,5 Mio. ha. Raps war das schwarze Gold. Dies hatte sich mit den Rapsernten 2016 bis 2018 und in einigen Regionen auch mit der Ernte 2019 geändert. Die Rapserträge brachen regional bis zu 30 % ein. Einige Betriebe fielen im dreijährigen Durchschnitt unter 30 dt/ha. Die Hintergründe des dramatischen Ertragseinbruchs waren vielfältig: Dreijährige Fruchtfolgen über Jahrzehnte führten zum Teil bis zum Fruchtwechsel. Auch das Verbot der Neonicotinoide sowie die ungünstigen Witterungsbedingungen während der Vegetationsperiode sind als Ursache zu nennen. Die Folge war ein Rückgang des Anbaus in Deutschland auf eine Anbaufläche von unter 1 Mio. ha. Für die Landwirte stellt sich die Frage, wie die Zukunft des Rapsanbaus auf ihren Betrieben aussieht und wie sie ihre Fruchtfolge ohne Raps gestalten können. Der Beitrag setzt sich daher differenziert mit der Entwicklung des Rapsanbaus auseinander.

EU-Rapsmarkt untersorgt

Die EU-27 hat im vergangenen Jahrzehnt zwischen 23 und 25 Mio. t Raps jedes Jahr verbraucht. Neben der menschlichen Ernährung war insbesondere die Biodieselproduktion der wichtigste Abnehmer. Allein in Deutschland werden 60 % des Rapsöls zu Biokraftstoff verarbeitet und dem Diesel beigemischt. Trotz des hohen Bedarfs der Ölmühlen ist die Produktion zuletzt bis auf 17 Mio. t in der EU gefallen. Für die Auslastung der Ölmühlen fehlten in den vergangenen Jahren 6 Mio. t Raps. Allein in Deutschland werden bei einer Verarbeitungskapazität von 9 bis 9,5 Mio. t nur 3 bis 4,5 Mio. t Raps produziert. Die EU-27 ist weltweit mittlerweile vor China der größte Rapsimporteur. Damit hat die EU-27 einen Weltmarktanteil auf der Käuferseite von 35 bis 40 %. Die EU kauft den Großteil des „gentechnikfreien“ Rapses aus der Ukraine und Australiens auf. Dieser reichte aber nicht aus, um den „Hunger“ der Ölmühlen zu decken. Daher wurden bereits im vergangenen Jahr über 1,5 Mio. t kanadischer Raps gekauft.

Raps und seine Verarbeitungsprodukte Rapsöl und Rapsschrot werden in der ganzen Gemeinschaft verwendet. Das Rapsschrot erfreut sich durch seine „Gentechnikfreiheit“ besonders am deutschen Markt einer hohen Nachfrage. Die Marktsitutation wird sich auch in den kommenden Jahren nicht ändern. Daher wird Raps in Deutschland auch künftig gesucht und gefragt bleiben. Durch den Transportkostenvorteil gegenüber dem importierten Raps bleibt der EU-Preis oberhalb des Weltmarktniveaus. Auch im Vergleich zum Weizen wird Raps gutes Geld gezahlt werden, da im Gegensatz zum Raps die EU beim Weizen auf lange Sicht ein Exporteur am Weltmarkt bleiben wird. Langfristig ist daher ein Preisverhältnis Weizen zu Raps auf dem aktuellen Niveau von 1:2,2 zu erwarten. Von Seiten des Marktes ist eine Ausweitung der Rapsproduktion erforderlich.

Fruchtfolgegestaltung

Beim Rapsanbau muss bekanntlich neben der Wirtschaftlichkeit des Anbaus immer auch seine Fruchtfolgewirkung berücksichtigt werden. Bei der Gestaltung der Fruchtfolge achten die Landwirte immer mehr auf ihre Widerstandsfähigkeit. Diese wird auch als Resilienz bezeichnet: Je mehr Früchte angebaut werden, je ausgeglichener der Anbau zwischen Sommer- und Winterfrüchten sowie zwischen Getreide- und Halmfrüchten und je mehr auf die Humusbildung geachtet wird, je widerstandsfähiger ist die Fruchtfolge im Zeitablauf. Die Fruchtfolgen des Betriebes richten sich neben dem Einfluss eventuell vorhandener Tierhaltung nach pflanzenbaulichen, arbeitswirtschaftlichen Aspekten und nach der regionalen Vermarktungsmöglichkeit. Die aufgeführten Faktoren sind Grundlage der Wirtschaftlichkeitsanalyse.

Regionale Standortfaktoren aus Boden und Klima sowie die Möglichkeiten der Vermarktung führen zu einer unterschiedlichen Wahl der Früchte. Während in den norddeutschen Küstenregionen die Weizen- und Rapsproduktion im Mittel steht, ist es im Süden der Mais und regional die Zuckerrübe. Die Landwirte bauen in der Regel ihre Fruchtfolge um die Hauptfrüchte herum. Ohne die pflanzenbaulichen Restriktionen würden Landwirte an der Küste nur Raps und Weizen anbauen. Da dies nicht möglich ist, ist es das Ziel die beiden Hauptkulturen in der Fruchtfolge so zu fördern, dass sie ihr Ertragspotenzial voll ausschöpfen können. Dies bedeutet für den Raps, dass durch die Vorfrucht Wintergerste oder einen frühen Weizen der Rapsanbau gestärkt wird, und beim Weizenanbau als Vorfrucht eine Blattfrucht oder der Hafer gewählt wird. Hafer, Ackerbohne und Wintergerste haben zwar eine schwächere Eigenrentabilität aber durch ihren Vorfruchtwert verbessern sie das Ergebnis der Fruchtfolge insgesamt.

Aufgrund der guten Stickstoffverwertung im Herbst testen einige Landwirte bereits Ackerbohne als Vorfrucht für Raps. Dies ist aufgrund des späten Drusches allerdings nicht in jedem Jahr möglich. Neben der Wahl der Vorfrucht zeigen Beobachtungen in der Beratungspraxis, dass in Betrieben mit einer weiten Fruchtfolge die Rapserträge ansteigen. Ein Rapsanteil von 20 bis 25 % statt dem langjährigen Anteil von 33 % führt zu Ertragssteigerungen von 2 bis 4 dt/ha. In weiten Fruchtfolgen erhöht Raps durch den höheren Ertrag und die attraktiven Marktpreise mit seiner überdurchschnittlichen Eigenrentabilität die durchschnittliche Rentabilität der Fruchtfolge und ist damit ein tragendes Element im Ackerbau.

Fazit

Jede Tonne Raps, die in der EU produziert wird, muss nicht vom Weltmarkt importiert werden. Trotz einer Zunahme des Rapsanbaus wird die EU auf lange Sicht Importeur bleiben und damit sind auch in den kommenden Jahren Rapspreise oberhalb des Weltmarktniveaus zu erwarten. Bei Einhaltung der Anbaupausen und damit der guten fachlichen Praxis im Ackerbau wird Raps wieder zu höheren Erträgen zurückkehren. Unter dieser Voraussetzung kann Raps in den kommenden Jahren in vier- bis fünffeldrigen Fruchtfolgen aus pflanzenbaulicher und betriebswirtschaftlicher Sicht wieder eine tragende Säule der Fruchtfolge werden.

Prof. Dr. Reimer Mohr, Hanse Agro Unternehmensberatung GmbH