Der Frühling kommt, das Streckungswachstum beginnt

Zwar ist es bis zum kalendarischen Frühlingsbeginn am 20. März noch kalt, doch danach soll sich bis zum Monatsende die zweite Wärmewelle durchsetzen. Anders als in den Vorjahren starten die Rapsbestände unter überwiegend guten Voraussetzungen in den Langtag und werden zügig ins Streckungswachstum übergehen.

Rapswurzel
 Rapswurzel

Stickstoffdüngung jetzt abschließen

Falls nicht bereits erledigt, sollte die N-Düngung jetzt abgeschlossen werden. Denn in den nächsten Wochen bis zur Blüte wird die wesentliche Nährstoffaufnahme der Rapsbestände stattfinden. Vorteilhaft ist die aktuell meist gute Wurzelentwicklung. Und da die Andüngung bereits vor 3 - 4 Wochen erfolgte, sollte zumindest die Ackerkrume gut mit Nährstoffen versorgt sein. Auch die Bodenfeuchte im Oberboden ist in vielen Regionen (aber leider nicht überall) besser als in den Vorjahren. Insgesamt günstige Wachstumsvoraussetzungen.

Mikronährstoff-Versorgung absichern

  • Bor und andere Mikronährstoffe mit Insektizid und/oder Wachstumsregler kombinieren (Achtung pH Wert Anstieg puffern/vermeiden)
  • Borbedarf über die gesamte Vegetationsperiode (Herbst bis Blüte) 400 600 g = 1/3 Herbst, 2/3 Frühjahr
  • Bor wird wie Nitrat über den Massenfluss mit Wasser über die Wurzel aufgenommen, Applikation aber am besten rechtzeitig über Blattdüngung. Bor wird bei Niederschlägen abgespült und gelangt so pflanzenverfügbar in den Boden.

Wachstumsreglereinsatz?

Stand vor 20 Jahre noch die Vermeidung von Lager im Vordergrund, so hat sich die Funktion der Wachstumsregulierung im Frühjahr gewandelt. Wir haben heute

  • Standfestere, gesündere Sorten
  • Deutlich geringere Bestandesdichten
  • Neuerdings deutlich verminderte N-Düngung

Zusammen führt dies zu einem deutlich geringeren Lagerrisiko. Dafür hat die Homogenisierung des Bestandes und die Förderung der Seitentriebsentwicklung an Bedeutung gewonnen. Und natürlich die fungizide Wirkung der eingesetzten Produkte.

Auf der anderen Seite ist, zumindest gefühlt, die Witterung launischer geworden. Ausgefallene Winter, Trockenheit, Frost in der Blüte, harte UV-Strahlung, Hitze oder auch Schädlingsdruck können die Bestände stressen. Hierin sind meist die Gründe zu finden, wenn es durch eine Wachstumsregulierung in Versuchen sogar zu Mindererträgen kommen kann.

Eine Einkürzung wird empfohlen bei/für

  • hohe Bestandesdichten
  • hohes N-Nachlieferungspotenzial des Standorts (Bsp. Langjährige organische Düngung; humoser Standort)
  • bereits im Herbst üppige/aufgestängelte Bestände

Eine fungizide Absicherung kann sinnvoll sein

  • bei bereits im Herbst sichtbaren, stärkeren Phoma-Blattflecken
  • bei mittleren Blattverlusten = vielen halb abgestorbenen Blättern (prima Nährboden für Pilzkrankheiten)
  • bei starkem Schädlingsdruck. Erdfloh-Larven sowie Eiablage und Larven der Frühjahrsschädlinge verursachen Verletzungen, die dann wieder Eintrittspforten für z.B. Phoma darstellen.

Eine Wachstumsregulierung kann bei Bedarf daher variabel ab Gummistiefelhöhe bis hin zur bereits deutlichen Seitentriebstreckung erfolgen. Dies erleichtert terminlich die Kombination mit einer anstehenden Insektizidmaßnahme oder einer Blattdüngung. Grundsätzlich Behandlungen nur bei wüchsigem Wetter und nicht bei der Gefahr von Nachtfrösten oder in Stressphasen / gestressten Beständen durchführen! Dies gilt besonders für trockene Böden. Lieber den Behandlungstermin nach hinten schieben und wüchsigeres Wetter abwarten. Online hilft hier unser

Wachstumsregler- und Fungizidkalkulator

Aber längst nicht immer ist eine (zu starke) Einkürzung sinnvoll bzw. wirtschaftlich.

Schädlingskontrolle

In den wärmeren Regionen ist bereits bis Ende Februar die Masse der Stängelrüssler und Triebrüssler zugeflogen und wurde in der Regel bei Überschreiten des Bekämpfungsrichtwertes auch behandelt. Im Nordosten sowie in Höhenlagen ist der Rüsslerzuflug evtl. noch nicht beendet. Hier müssen die Gelbschalen unbedingt rechtzeitig wieder startklar gemacht werden. Auch Betriebe, die in der ersten Zuflugphase Ende Februar an oder über dem Bekämpfungswert lagen aber nicht behandelt haben, müssen unbedingt die Rüssleraktivität im Auge behalten.

Mit der Rückkehr der Wärme liegt dann der Schwerpunkt in der Schädlingsüberwachung auf dem Rapsglanzkäfer, der ab +15°C verstärkt zufliegen wird. Gelbschalen helfen bei der Erkennung des Zuflugs, die Befallsstärke wird jedoch durch Auszählen der Käfer an den Pflanzenknospen ermittelt, am besten durch Abklopfen der Käfer an je 5 x 5 Pflanzen über einer Schale. Bei kühlen Temperaturen, Regen und Wind verkriechen sich die Rapsglanzkäfer auch gern zwischen den Knospen tiefer liegender, geschützter Seitentriebe.

Die aktuellsten Hinweise und Empfehlungen zur regionalen Schädlingslage erhalten Sie wie gewohnt hier von den Experten Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster.

Kräftige Bestände und gute Wachstumsbedingungen versetzen den Raps in die Lage, mit möglichem abiotischem und biotischem Stress sehr viel besser klarzukommen als im Vorjahr. Stimmt die Wasserversorgung, bleiben die Erwartungen für viele Bestände vorsichtig optimistisch – auch wenn natürlich erst zum Schluss abgerechnet wird.

 

19.03.2021     Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH