Zu kalt und immer wieder nass - Vollblütenbehandlung 2021 Teil II

Wie ist die Ausgangslage?

April und Mai sind bisher ungewöhnlich kühl – jedenfalls im Vergleich mit den letzten Jahren. Die Rapsblüte hat daher deutlich später eingesetzt. 

Rapsblüte (Abb. 1/2)
 Rapsblüte (Abb. 1/2)

Aktuell sollten sich alle Bestände, auch in den Höhenlagen, mindestens in der Vollblüte befinden. In warmen Lagen nähern wir uns dem Blühende.

Zwar ist der Mai verbreitet noch zu trocken, in den letzten ca. 10 Tagen hat es während der Blüte allerdings immer wieder geregnet. Die Infektionsbedingungen für Sclerotinia sind hinsichtlich Boden- und Bestandesfeuchte spätestens seit letzter Woche in ganz Deutschland erfüllt (siehe Prognosekarte ISIP). Vielleicht ist es nachts noch etwas zu kalt. Die Tagestemperaturen passen aber.

 

ISIP Sclerotinia Prognose 2021 (Abb. 2/2)
 ISIP Sclerotinia Prognose 2021 (Abb. 2/2)

Ausdauernde Fungizidmaßnahmen sind angesagt

Im Wettertrend bestimmen immer wieder Tiefdruckgebiete mit weiteren Niederschlägen das Wetter. Die Infektionsbedingungen werden also auch im weiteren Blühverlauf mittel bis günstig bleiben.

Beim Fortschritt der Fungizidbehandlungen gibt es große Unterschiede. Während je nach Region erste Maßnahmen bei frühem Blühbeginn schon vor 10-14 Tagen gesetzt wurden, erfolgte das Gros der Behandlungen letzte Woche bzw. soll aktuell noch durchgeführt werden, sobald die Befahrbarkeit es erlaubt.

Wie lange bleibt der Raps geschützt? – Diese Frage ist schwer zu beantworten, denn neben Produktleistung und Aufwandmenge spielen die Witterung und auch das Pflanzenwachstum eine entscheidende Rolle. Leistungsfähige Fungizide werden wahrscheinlich eine maximale Wirkungsdauer von ca. 10-14 Tagen aufweisen. Gerade in der Blüte legen die Rapsbestände in so einem Zeitraum aber auch stark an Länge und Substanz zu. Aufgenommener Wirkstoff verdünnt sich schnell in der Pflanze, Neuzuwachs ist nicht mehr sicher geschützt.

Für Bestände, die bereits vor mehr als 10 Tage behandelt wurden und sich immer noch intensiv in der Blüte befinden, steigt mit nachlassendem Schutz das Infektionsrisiko wieder an, bei hohem Risikopotenzial kann eine fungizide Anschlussbehandlung den Schutz verlängern. Gleiches gilt dieses Jahr in 1-2 Wochen für Bestände, die in der Vorwoche behandelt wurden. Gerade dünne Bestände werden lange blühen, wenn sie genügend Wasser und Kraft für ihre unteren Seitentriebe haben. Die längste Blüte werden vom Erdfloh beschädigte Bestände aufweisen. Für solche Bestände ist, falls bisher noch nicht behandelt wurde, ein Splitting des Fungizideinsatzes zu empfehlen.

 

17.05.2021     Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH