Aktuelle Prognose Rapserdfloh, WR-Einsatz und Phoma (KW 38)

Rapserdfloh und Schwarzer Kohltriebrüssler

Der Raps ist sehr unterschiedlich weit entwickelt: Von frühen Beständen mit 4-5 Blättern bis zu Raps, der gerade erst aufläuft, ist alles zu finden.

Durch den nassen August wurde dieses Jahr besonders viel Raps deutlich später gesät als sonst. Wo es nach der Saat stark geregnet hat, tun sich die Bestände schwer (zuerst verschlämmt, dann verkrustet).

Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen Detuschland
 Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen Detuschland

Die Rapserdflohzahlen sind auch in diesem Herbst regional wieder hoch. An den spätsommerlich warmen Tagen der letzten Woche kam es regional weiter zu stärkerem Zuflug, teilweise sogar massiv mit mehreren hundert Käfern je Gelbschale (z.B. in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg). Nicht weit von hohen Fangzahlen entfernt wurden bislang nur wenige Rapserdflöhe gefangen. Wiederum zeigt sich daran, wie unterschiedlich der Befall ist – von Region zu Region und kleinräumig von Schlag zu Schlag! An eigenen Gelbschalen führt also kein Weg vorbei. Deren Kontrolle muss jetzt kontinuierlich weitergeführt werden!

Bestände mit maximal drei Blättern sind sorgfältig auf Lochfraß zu kontrollieren (das gilt auch für insektizid-gebeizten Raps). Ein Insektizideinsatz ist zum jetzigen Zeitpunkt nur sinnvoll, wenn mehr als 10% der Blattfläche durch den Rapserdfloh zerstört ist (Verwechslungsgefahr mit dem Fraß durch Schnecken!) und wenn es um das Überleben der Rapspflanzen geht. Diese Situation kommt diesen Herbst lokal häufiger vor (z.B. in Sachsen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein). Besonders riskant ist der starke Blattfraß für kleine Bestände (durch die späteren Saattermine ebenfalls häufiger) und solche, die nicht richtig wüchsig sind (z.B. verschlämmter/verkrusteter Boden, Herbizidstress). Berichtet wird von einer teils schlechten Wirkung bereits eingesetzter Pyrethroide gegen Käferfraß. Ein Grund wird die sehr kurze Dauerwirkung von höchstens 2-3 Tagen bei den spätsommerlichen Temperaturen von über 20 Grad sein. Immer weiter neu zufliegende Käfer werden dann nicht getroffen und gehen unbeirrt an die Fraßtätigkeit.

Bis Donnerstag dieser Woche sind die Zuflugbedingungen für den Erdfloh zweigeteilt: Im wärmeren und sonnigen Westen und Süden Deutschlands bleiben sie günstig, weiter nordöstlich bei eher herbstlichen Bedingungen ist allenfalls mäßiger Zuflug zu erwarten. Das ändert sich dort zum Wochenende hin, wenn sich die Temperaturen wieder der 20-Grad-Marke nähern (Gelbschalen wieder kontrollieren).

Kommt der Schwarze Kohltriebrüssler in der Region vor: Mit dem Insektizideinsatz auf dessen Erstzuflug warten, sofern es nicht um die oben erwähnten starken Fraßschäden des Rapserdflohs geht. Bislang hat der Erstzuflug noch nicht stattgefunden. Im Idealfall können mit 1 Maßnahme sowohl der Schwarze Kohltriebrüssler vor dessen Eiablage und gleichzeitig die ersten Rapserdflohlarven bekämpft werden.

Spielt der Schwarze Kohltriebrüssler keine Rolle und wurden bereits sehr viele Käfer/Gelbschale gefangen: Im Westen und Süden bleibt es auch diese Woche sehr warm für die Jahreszeit. Die Dauerwirkung eines jetzt eingesetzten Pyrethroids wäre zu kurz, um alle noch einwandernden Käfer zu treffen. Daher abwarten! Man kann noch im Spätherbst bei Larvenbefall gezielt gegen die jungen Larven vorgehen (bei dann kühleren Temperaturen und längerer Wirkungsdauer der Pyrethroide).

Im aktuell deutlich kühleren Norden und Nordosten könnte man nach dem angekündigten wärmeren Wochenende behandeln, damit die erwartete weitere Zuflugwelle treffen und die bereits eiablagereifen Käfer an stärkerer Eiablage hindern. Dann muss im Spätherbst aber trotzdem auf Larvenbefall kontrolliert werden. Also auch dort vorzugsweise zunächst die weitere Entwicklung abwarten: Falls sich im Oktober am Larvenbefall zeigen sollte, dass die Bedingungen für Eiablage und Larvenentwicklung günstig waren, gezielt die Larven als „Hauptschadensverursacher“ behandeln.

Wachstumsregler und Phoma

Früher Raps, der dicht und wüchsig ist (4 oder mehr Blätter) kann nun einkürzt werden. Gewartet werden sollte dann, wenn der Raps im Wuchs stagniert, weil es zu trocken ist. Beachten Sie für das Nachauflaufherbizid Belkar die Einschränkungen beim Einsatz von Wachstumsreglern. Das witterungsbedingte Phoma-Risiko bleibt in den meisten Regionen gering. In dieser Woche sind nennenswerte Regenmengen nicht in Sicht. Mit erstem Phoma-Befall ist von den in den letzten Wochen gefallenen Niederschlägen her bislang am ehesten im südlichen Teil von Bayern und regional in Sachsen und Brandenburg zu rechnen.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster