Aktuelle Prognose Rapserdfloh, Schwarzer Kohltriebrüssler, WR-Einsatz und Phoma (KW 39)

Rapserdfloh und Schwarzer Kohltriebrüssler

Nach wie vor sehr unterschiedlich sind die Rapsbestände entwickelt –  wegen der unterschiedlichen Aussaattermine und den unterschiedlichen Niederschlagsmengen vor und nach der Saat.

Die wieder deutlich wärmere Witterung der letzten Tage hat im Norden/Nordosten den späten Beständen zu einem Wachstumsschub verholfen, zumal wenn es dazu geregnet hat. Sorgen macht Raps, der auf verschlämmten/verkrusteten Flächen, durch Herbizidstress oder anhaltende Trockenheit nicht in die Gänge kommt. Dort schlägt dann auch gerne der Rapserdfloh zu.

Rapserdfloh Neuzuflug-Bedingungen

Dieser Käfer macht wie schon im letzten Herbst in einigen Regionen Probleme durch Fraßschäden (z.B. in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Mitteldeutschland). Bei den für die Jahreszeit hohen Temperaturen konnten Behandlungen nur kurz wirken bei gleichzeitig anhaltendem Neuzuflug. Die Resistenzsituation tut ihr Übriges. In Extremfällen erfolgten sogar Umbrüche. Späte Bestände (auch insektizid-gebeizt) müssen weiter sehr sorgfältig und alle zwei Tage auf Lochfraß kontrolliert werden. Denn es überrascht immer wieder, wie schnell der Käfer dann noch „zuschlagen“ kann. Wohlbemerkt, es gibt auch Regionen, in denen der Befall insgesamt geringer ist (z.B. Bayern). Und in den stärker betroffenen Regionen finden sich viele Schläge, bei denen wüchsige Bestände bislang kaum geschädigt wurden. Der Erdflohbefall kann eben kleinräumig sehr unterschiedlich sein,  wie auch die Gelbschalenfänge zeigen – von nur wenigen bis zu mehreren hundert Erdflöhen pro Schale in ein und derselben Gemarkung. Behandlungsentscheidungen dürfen daher nur auf eigene Kontrollen stützen.

Nach den im Norden und Osten wieder wärmeren Tagen am vergangenen Wochenende und am Montag dieser Woche wurden wieder mehr Erdflöhe in den Gelbschalen gezählt. Gelbschalen unbedingt kontrollieren, falls noch nicht geschehen! Die kühlere Luft zur Mitte der Woche und Wind im Norden sind weniger förderlich für Neuzuflug. Inzwischen muss auch damit gerechnet werden, dass die meisten Rapserdflöhe schon in die neuen Rapsbestände eingewandert sind. Und die in der ersten Septemberhälfte zugeflogenen Erdflöhe sind inzwischen eiablagereif. Für die Eiablage ist die Witterung in der kühleren Nordhälfte eher ungünstig. In später gesätem Raps dagegen muss noch mit weiterem Zuflug gerechnet werden, sollte es wieder freundlicher und sonnig werden, besonders wo es zuletzt etwas länger kühler war (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern).

Wie vorgehen, wenn der Lochfraß unter der Schwelle von 10% bleibt, aber schon sehr viele Käfer in den Gelbschalen gefangen wurden?

1) Wo der Schwarze Kohltriebrüssler vorkommt: Auf den Erstzuflug dieses Rüsselkäfers warten, der später zufliegt als der Rapserdfloh und bislang nicht gesichtet wurde. Immer weiter die Gelbschalen kontrollieren! Nach dem Erstzuflug innerhalb weniger Tage behandeln. Denn anders als beim Erdfloh muss beim Schwarzen Kohltriebrüssler die Eiablage verhindert werden. Im Idealfall können sowohl der Schwarze Kohltriebrüssler vor dessen Eiablage und gleichzeitig der Erdfloh und dessen erste Larven bekämpft werden.

2) Wo der Schwarze Kohltriebrüssler nicht vorkommt: Abwarten bis zum Larvenschlupf. Man kann noch im Spätherbst bei Larvenbefall gezielt gegen die jungen Larven vorgehen (bei dann kühleren Temperaturen und längerer Wirkungsdauer der Pyrethroide). Wo bereits in der ersten Septemberhälfte viele Käfer gefangen wurden, muss ohnehin bereits mit fortgeschrittener Eiablage gerechnet werden, so dass eine Behandlung jetzt nur eine Teilwirkung hätte (die Dauerwirkung würde die aus den Eiern schlüpfenden Larven nicht mehr erfassen).

Wachstumsregler und Phoma

Früh gedrillten, wüchsigen Raps mit 4 oder mehr Blättern nun einkürzen, falls noch nicht geschehen. Möglichst nach für diese Woche vorhergesagtem Regen spritzen (z.B. Sachsen-Anhalt), das vermeidet zusätzlichen Stress bei Bodentrockenheit. Die Aufwandmenge sollte in weniger weit oder sehr ungleichmäßig entwickelten Beständen (viele kleine Pflanzen) heruntergenommen oder noch gewartet werden. Wenn erst 4 oder weniger Blätter ausgebildet wurden, neigt der Raps nicht mehr zum Überwachsen. Bei feucht-milder Witterung kann auch noch im Spätherbst mit Schwerpunkt Phoma reagiert werden. Bislang ist das witterungsbedingte Phoma-Risiko in den meisten Regionen noch gering. In Bayern, Thüringen und dem südlichen Sachsen-Anhalt ist nach teils heftigen Regenfällen das Risiko für Blattbefall schon angestiegen. Dort und regional auch in Sachsen und Brandenburg sollten die Bestände bereits auf Befall kontrolliert werden. Wo es erst im Verlauf dieser Woche ergiebiger regnen wird, steigt das Befallsrisiko für Phoma ebenfalls an, und auf die Krankheit sollte geachtet werden.

Hinweise: Beim Einsatz des Herbizids Belkar gelten Beschränkungen: Kein Einsatz von Carax, Caramba oder Efilor (Metconazol-Produkte) – weder in Mischung noch in der Spritzfolge. Alle anderen Fungizide/Wachstumsregler (z.B. Folicur) erfordern einen Spritzabstand von mindestens 7 Tagen. Das Herbizid Fox darf nicht mit Fungiziden gemischt werden, und ein Abstand von 10 – 14 Tagen zwischen einer Behandlung mit Fox zu Behandlungen mit Fungiziden ist einzuhalten.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster