Aktuelle Prognose Rapserdfloh, Schwarzer Kohltriebrüssler, Phoma und WR-Einsatz (KW 44)

Rapserdfloh und Schwarzer Kohltriebrüssler

Die Kontrolle der Blattstiele auf Befall mit Rapserdflohlarven sollte im Spätherbst auf jeden Fall durchgeführt werden, wenn nicht bereits erfolgt (an mehreren Stellen im Schlag schauen!).

Phomarisiko Deutschland (Abb. 1/2)
 Phomarisiko Deutschland (Abb. 1/2)

Das gilt auch, wenn bereits gegen den Käfer vorgegangen wurde oder bei kritischen Zahlen des Schwarzen Kohltriebrüsslers (z.B. in Teilen von NRW, in Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg und Bayern). Der Rüsselkäfer flog in diesem Herbst regional bereits seit Ende September zu. Hauptzuflug war häufig ab 10. Oktober festzustellen. Bei mehr als 5 Rüsslern pro Gelbschale musste innerhalb von 5-7 Tagen eine Maßnahme erfolgen, um die Eiablage zu verhindern. Denn anders als beim Rapserdfloh sind die Larven des Schwarzen Kohltriebrüsslers nicht mehr bekämpfbar. Auch wenn zum Zeitpunkt dieser Behandlung bereits ein Großteil der Rapserdflöhe zugeflogen war und erste Larven von früh (bis Mitte September) zugewanderten Erdflöhen miterfasst wurden:

Führen Sie trotzdem die Blattstiel-Kontrolle auf Erdflohlarven durch. Typisch für Befall sind Verbräunungen, Pusteln und Bohrlöcher an den Innenseiten der Blattstiele. Schneidet oder bricht man die Blattstiele an diesen Stellen auf, kann man die Larven des Rapserdflohs finden. Gerade bei spät gesätem Raps und entsprechend spätem Zuflug des Rapserdflohs sind die Larven noch sehr klein (Lupe zur Hand nehmen!). Die Blattstiel-Kontrollen sollten bis Mitte November fortgeführt werden, bei mildem Witterungsverlauf auch noch länger. Handlungsbedarf besteht, wenn 3 (schwacher Raps) bzw. 5 (wüchsiger Raps) der Stiele Larven-Symptome aufweisen. Anders als beim Schwarzen Kohltriebrüssler, dessen Behandlung keinen Aufschub duldet, müssen die Rapserdflohlarven nicht sofort behandelt werden. Das Ziel ist eine möglichst lange Wirkungsdauer des Pyrethroids, um die sukzessive aus den Eiern schlüpfenden Larven zu erfassen. Und das erreicht man nur bei kühlen Temperaturen. Die Larven kommen mit dem Wirkstoff in Kontakt, wenn sie sich aus- und wieder einbohren. Eine Behandlung im Spätherbst ist einer Frühjahrsbehandlung vorzuziehen. Wird der Winter mild, kann im Frühjahr bereits ein großer Anteil schlecht bekämpfbare größere Larvenstadien vorhanden sein, die sich womöglich schon in den Stängel und bis zum Vegetationskegel vorgearbeitet haben.

Kritisch sind beim Rapserdfloh Jahre mit vielen warmen und sonnigen Tage im Oktober. Sie fördern eine lange und intensive Eiablage mit der Gefahr, dass viele Larven schon im Herbst schlüpfen. Insgesamt war der Oktober 2021 leicht überdurchschnittlich mild und überdurchschnittlich sonnig, im Schnitt für Deutschland aber nicht ganz so warm wie 2020. Insgesamt also kein Oktober, um einer hohen Erdflohpopulation ein „P“ vorzusetzen. In Schleswig-Holstein war der Oktober sogar etwas wärmer als im Vorjahr... Die Pyrethroid-Resistenz und inzwischen mehrere Jahre mit günstigen Witterungsbedingungen für den Populationsaufbau in Folge haben in vielen Regionen Deutschlands zu hohen Erdflohdichten geführt (v.a. im Norden und im Osten Deutschlands).

Phoma-Infektionen Deutschland (Abb. 2/2)
 Phoma-Infektionen Deutschland (Abb. 2/2)

Phoma und Wachstumsregler

In den meisten Fällen sollten die Wachstumsregler-Einsätze abgeschlossen sein. Phomabefall tritt in diesem Jahr nur selten kritisch auf. Kontrollieren Sie Ihre Bestände! Sollte die Krankheit noch eine Rolle spielen: Bei bereits sichtbarem Befall sollte Phoma nah an Infektionen (kurz nach oder vor Niederschlägen) behandelt werden. Mittelwahl und -aufwandmenge sind auf Phoma auszurichten. Tage mit Nachtfrostgefahr oder niedrigen Temperaturen für die Maßnahme meiden. Typisch für Phoma sind gelblich-braune bis graue Blattflecken (v.a. auf den unteren (älteren) Blättern) mit einem weißgrauen Zentrum mit kleinen schwarzen Sporenlagern (Pyknidien). Kritischer Befall ist in diesem Jahr eher selten. Dafür braucht der Pilz überdurchschnittliche Niederschläge im August und im September. Auch wenn der August auf ganz Deutschland gesehen 30 % zu nass war. Der September war dann der trockenste seit 15 Jahren. Ein großer Befallsdruck konnte sich witterungsbedingt also nicht frühzeitig aufbauen. Und auch der Oktober war bis auf das Nordseeumfeld niederschlagsarm.

 

Hierbei handelt es sich um den letzten Text für dieses Jahr. Der Service wird in 2022 für die Frühjahrsschädlinge wieder fortgeführt.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster