Aktuelle Marktentwicklung im Raps

Mai 2022

Auf dem derzeitigen Allzeithoch sind die Weltmarktpreise von Raps anfällig für Rückschläge geworden.

 

 

Große Ernten, die sich für die nächste Saison in den wichtigsten Produktionsregionen abzeichnen, dürften die Weltproduktion 2022/23 um schätzungsweise 7-8 Mio. t auf einen Rekordwert von 72-73 Mio. t steigern und damit den gravierenden Angebotsengpass in der laufenden Saison lindern. Derzeit gibt es jedoch noch eine große Spanne von Schätzungen für die ukrainische Rapsernte von weniger als 2,0 Mio. t bis mehr als 3,0 Mio. t, wobei das Ausmaß der Flächenverluste in den östlichen Produktionsregionen der größte Unsicherheitsfaktor ist.

 

Marktteilnehmer, insbesondere europäische Mühlen, sorgen sich zusätzlich auch um die ukrainische Exportlogistik im Juli und August. Seit Beginn des Krieges mit Russland Ende Februar sind die Exporte von Ölsaaten und Getreide aus ukrainischen Häfen praktisch zum Erliegen gekommen.

 

Die Ukraine deckt in der Regel etwa 60-70% der europäischen Rapsimporte im Juli/September ab, wobei das Gesamtvolumen aus Drittländern in den letzten vier Jahren zwischen 1,0 und 1,7 Mio. t schwankte. Die aktuell knappe Versorgungslage wird das kanadische Exportangebot bis zum Beginn der Ernte 2022 Ende August erheblich reduzieren und die kommerziell verfügbaren Mengen für Mühlen in den wichtigsten Importländern weiter einschränken.

 

Diese Unsicherheit stützt derzeit noch die Rapspreise in Kanada und der EU für die neue Ernte. Aktuelle OIL WORLD Schätzungen erwarten allerdings eine deutliche Korrektur vom derzeitigen Niveau in den nächsten Wochen, es sei denn, wetterbedingte Verluste in Kanada und Australien senken die durchschnittlichen Rapserträge unter die aktuellen Schätzungen.

 

Die europäischen Rapspreise wurden auch durch den Anstieg der Pflanzenölpreise gestützt, nachdem die indonesische Regierung mit Wirkung vom 28. April ein vorübergehendes Exportverbot für Palmöl und Raffinate verhängt hatte. Der indonesische Handelsprotektionismus bedeutet eine weitere Eskalation, nachdem Russlands Invasion in der Ukraine in den letzten Wochen die Verfügbarkeit vor allem von Sonnenblumenöl auf dem Weltmarkt stark eingeschränkt hat. In den letzten Jahren waren Indonesien und die Ukraine der größte und drittgrößte Pflanzenölexporteur und machten zusammen fast 40% der weltweiten Exporte aus.

 

Gravierende Auswirkungen sind auch in den Industrieländern sowohl im Nahrungsmittel- als auch im Energiesektor zu spüren. Die europäische Biokraftstoffindustrie ist stark auf UCO (Altspeiseöl) und POME (Reste aus der Palmölgewinnung) als Rohstoff angewiesen, die vermutlich auch vom indonesischen Exportverbot betroffen sind. Alternativen, um einen vorübergehenden Rückgang der Importmengen dieser Rohstoffe auszugleichen, sind kaum verfügbar.

 

 

 

ISTA Mielke GmbH –Weltmarktforschungsinstitut, Hamburg 18.03.2022