Bei der anhaltenden ungewöhnlich warmen Witterung ist der Hauptzuflug der Stängelrüssler vielerorts erfolgt. Sofern nicht schon geschehen: Gelbschalen (wieder) kontrollieren!
Gab es kritischen Rüssler-Zuflug erstmals seit Ende letzter Woche bzw. über das vergangene Wochenende (z.B. in Schleswig-Holstein oder Mecklenburg-Vorpommern): Der Rapsstängelrüssler beginnt 2-3 Tage nach Zuflug mit der Eiablage. Der Gefleckte Kohltriebrüssler ist nach 4-5 Tagen eiablagereif; an den kühleren Küsten braucht er 2-3 Tage länger. Falls noch nicht erfolgt, sollte die Behandlung umgehend durchgeführt werden – bevor bei wechselhaftem und windigem Wetter nicht mehr gefahren werden kann und die Rüssler ihre Entwicklung ungehindert fortsetzen.
Über eine Nachbehandlung entscheiden, wenn in diesen Tagen erneut kritische Rüssler-Zahlen in den Gelbschalen festgestellt wurden: Bei den für die Jahreszeit hohen Temperaturen kann man nur von maximal 5 Tagen Dauerwirkung der ersten Rüssler-Maßnahme ausgehen. Für die zweite Rüssler-Behandlung – und auch für den Fall, dass bereits vermehrt Glanzkäfer in den Bestand eingewandert sind – steht das Mittel Trebon zur Verfügung. Trebon hat B2-Auflage (Anwendung nach dem täglichen Bienenflug bis 23:00 Uhr).
In den meisten Regionen wird ein Großteil der Rüssler bereits zugeflogen sein, mit Ausnahme der kühleren Regionen (insbesondere in Küstennähe). Allenfalls geringer weiterer Neuzuflug ist noch zu erwarten. Waren bei sehr kalten Nächten die Tagestemperaturen grenzwertig für Käferaktivitäten, kann Spätzuflug allerdings noch ein Thema werden. Mit den vorhergesagten zurückgehenden Temperaturen und zeitweise windigen Bedingungen wird Neuzuflug vorerst gestoppt. Die Gelbschalen noch stehen lassen.
Früher Raps, der bereits die Knospen hochschiebt (im Westen und Südwesten Deutschlands): Vor der wieder kühleren Phase den Raps sicherheitshalber auf Befall mit Glanzkäfern kontrollieren (mehrere Knospen ausklopfen). Die Witterungsbedingungen in der vergangenen Woche waren günstig bis optimal für Zuflug. Das angekündigte kühle und wechselhafte Wetter wird keinen nennenswerten Neuzuflug zulassen. Sitzen die Käfer jedoch bereits in der Knospe, lassen sie sich auch von etwas niedrigeren Temperaturen nicht an Fraßaktivitäten hindern. Bislang wird noch nicht von kritischem Befall berichtet (>10 Käfer/Haupttrieb, bei geschwächten Beständen, z.B. durch Frost oder Rapserdfloh, >5 Käfer/Haupttrieb).
Deutlich kühler und weiterhin Nachtfrostgefahr: Bei diesen Aussichten wäre ein Wachstumsreglereinsatz in dichten, vitalen Beständen einer weniger standfesten Sorte eher zu verschieben.
Wo es sehr trocken ist: Abwarten, was die vorhergesagten Niederschläge bringen, und die Wachstumsregler-Aufwandmengen entsprechend anpassen. Die stabile Hochdruck-Wetterlage seit Ende Februar war nicht förderlich für Phoma-Blattflecken. Die meisten der angebauten Rapssorten sind nicht nur standfest, sondern auch weniger anfällig für Phoma.
Rapooli der Rapsprofi