Noch längst nicht überall ist der Raps in der Erde. Vor allem im Norden und Osten Deutschlands sind frühe Saaten bereits aufgelaufen. In anderen Regionen hat die Trockenheit die Aussaat verzögert. Die Niederschläge der vergangenen Tage haben die Bedingungen regional verbessert – allerdings mit kleinräumig sehr unterschiedlichen Mengen.
Der Rapserdfloh wartet startklar auf den jungen Raps: In den Regionen mit frühen Saaten sind die Witterungsbedingungen für seine Zuwanderung in dieser Woche günstig, wobei sich der Käfer an sommerlich heißen Tagen zurückhält. Auflaufende Bestände deshalb jetzt engmaschig kontrollieren. Gelbschalen aufstellen, sofern noch nicht erfolgt. Die Zuwanderung ist von Schlag zu Schlag unterschiedlich. Schläge in der Nähe von Altraps besonders im Auge behalten. Wenn man während der Ernte viele Käfer beobachtet hat (auf den Erntewagen, im Lager), kann das ein Hinweis auf einen hohen Erdflohdruck sein. Ob der Erdfloh Hitze und Trockenheit in seinem Sommerlager verkraftet hat, wird sich zeigen.
Blattfraß kontrollieren (auch, wenn mit Insektizid gebeizt wurde): Bis etwa zum 4-Blattstadium sind die jungen Pflanzen besonders empfindlich gegenüber dem Fraß des Rapserdflohs. Typisch ist der Lochfraß an Keim- und ersten Laubblättern. Bei wüchsigem Raps sieht dieser häufig schlimmer aus, als er tatsächlich ist. Kritischer wird es, wenn der Raps durch Trockenheit, Verschlämmung oder andere Stressfaktoren (z.B. Herbizide) nur zögerlich wächst. Dann kann der Käferfraß für den jungen Raps schnell existenziell werden. Als Richtwert gelten mehr als 10 % zerstörte Blattfläche. Besonders kritisch ist dies, wenn der Raps gleichzeitig kaum wächst. Erdflohfraß nicht mit Schneckenfraß verwechseln. Schnecken werden mit zunehmender Bodenfeuchte wieder aktiver. Man sollte zweimal wöchentlich schauen.
Gelbschalen aufstellen: Gelbschalen spätestens zum Auflaufen aufstellen. Geeignete Standorte liegen in Richtung Altrapsflächen, Hecken oder Waldränder (mindestens 20 m vom Feldrand entfernt). Bei größeren Schlägen mehrere Gelbschalen aufstellen. Die Schalen fangen innerhalb eines Schlages unterschiedlich. Schalen etwas eingraben, mit Wasser und etwas Spülmittel füllen und mit einem Gitter abdecken. Regelmäßig kontrollieren und sauber halten. Digitale Gelbschalen erleichtern die Überwachung entfernter Schläge und zeigen, wann sich etwas tut. Sie ersetzen aber weder eine herkömmliche Gelbschale zur Ermittlung der Fangzahlen noch den Gang in den Bestand zur Kontrolle des Blattfraßes. Gelbschalen morgens kontrollieren: An warmen Tagen verkriechen sich die Erdflöhe und werden zum Abend hin wieder aktiv.
Viele Rapserdflöhe in der Gelbschale sind jetzt noch kein Grund für eine Behandlung. In dieser frühen Phase zeigt die Gelbschale, wann und wie stark Käfer in den Schlag einwandern. Die Fangzahlen und besonders die Tage mit starkem Zuflug aufschreiben – sie sind später ein Baustein zur Abschätzung des Larvenrisikos.
Behandelt werden sollte in der frühen Phase nur, wenn der Blattfraß die jungen Pflanzen ernsthaft gefährdet. Andernfalls nicht behandeln, selbst wenn sehr früh schon viele Käfer in den Gelbschalen gefangen werden. Unnötige Pyrethroid-Anwendungen unbedingt vermeiden. Kdr- und zunehmend auch Super-kdr-Resistenzen schränken die Wirkung der Pyrethroide regional erheblich ein, auch außerhalb der bisherigen Schwerpunktregionen. Für spätere Behandlungen mit dem Schwerpunkt auf den Larven stehen in diesem Herbst über Notfallzulassungen wieder die Produkte Minecto Gold und Exirel mit dem Wirkstoff Cyantraniliprole zur Verfügung – dazu mehr in den nächsten Wochen.
Raps noch nicht gesät? Ziel ist ein schneller und gleichmäßiger Feldaufgang mit zügiger Weiterentwicklung. Besonders ungünstig sind Bestände, die verzettelt auflaufen: Kleine, schwache Pflanzen sind durch den Erdfloh besonders gefährdet. Ruhe bewahren und den Saattermin an die Bodenfeuchte und die weiteren Niederschlagsaussichten anpassen. Ein feinkrümeliges, gut abgesetztes Saatbett schafft die Voraussetzung für einen schnellen, gleichmäßigen Feldaufgang. Kluten möglichst vermeiden – sie bieten dem Rapserdfloh zusätzlich Versteckmöglichkeiten.
Rapooli der Rapsprofi