
Aktuell zählt weiterhin der Blattfraß: Aufgelaufene Bestände möglichst zweimal wöchentlich kontrollieren – auch bei insektizidgebeiztem Saatgut. Bis etwa zum 4-Blattstadium gilt als Richtwert mehr als 10 % zerstörte Blattfläche. Besonders kritisch wird der Fraß, wenn die jungen Pflanzen gleichzeitig kaum wachsen. Erdflohfraß nicht mit Schneckenfraß verwechseln: Schnecken fressen die Blätter vom Rand her an; Rapserdflöhe verursachen den typischen Lochfraß. Ausfallgetreide kann dem jungen Raps empfindlich Konkurrenz machen.
Was tun bei kritischem Blattfraß? Eine „Rettungsmaßnahme“ ist technisch und biologisch herausfordernd: Die kleinen Rapspflanzen bieten noch wenig Blattfläche, bei spätsommerlichen Temperaturen verstecken sich die Käfer tagsüber, und Pyrethroide wirken nur kurz. Deshalb bei warmer Witterung ab den Abendstunden behandeln, wenn die Käfer wieder aktiv werden. Hinzu kommt die regional eingeschränkte Pyrethroidwirkung durch Resistenzen. Es gilt umso mehr: Nur behandeln, wenn der Fraß den jungen Raps existenziell gefährdet. Vorsorgliche Spritzungen – beispielsweise zusammen mit einem Herbizid – vermeiden, um den Selektionsdruck auf die Pyrethroide nicht weiter zu erhöhen.
Kein kritischer Blattfraß? Dann gibt es auch keinen Grund für eine Behandlung, selbst bei steigenden Käferzahlen in den Gelbschalen! Gelbschalen trotzdem regelmäßig kontrollieren und Datum und Fangzahlen notieren. Ausgehend von Phasen mit starkem Zuflug lässt sich später der Beginn des Larvenschlupfes abschätzen. Damit liefert die Gelbschale nicht nur Informationen zur aktuellen Käferaktivität, sondern auch Anhaltspunkte für die spätere Larvenstrategie.
Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster
Rapooli der Rapsprofi