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Aktuelle Prognose zum Rapserdfloh (KW 36)

  Während frühe Saaten im Norden und Osten Deutschlands bereits mehrere Laubblätter gebildet haben, ist andernorts der Raps gerade erst aufgelaufen oder noch gar nicht in der Erde. Vor allem im Westen und Südwesten von Deutschland hat die Trockenheit die Aussaat und den Feldaufgang verzögert. Wo Niederschläge gefallen sind, geht die Entwicklung jetzt zügig voran. Auf anderen Flächen bleibt die Wasserversorgung angespannt oder sie hat sich durch die trocken-windige Witterung in den vergangenen Tagen wieder verschärft.  

 

Beim Rapserdfloh war die Lage bis Anfang dieser Woche noch überwiegend ruhig. Erster Lochfraß und erste Käfer in den Gelbschalen werden aus verschiedenen Regionen gemeldet, kritische Fraßschäden aber bislang kaum. Das kann sich schnell ändern: In den bereits aufgelaufenen Beständen sind die Bedingungen für die Zuwanderung in der Nordhälfte Deutschlands in dieser Woche günstig. Wenn sich in der Südhälfte zum Wochenende der Hochsommer zurückmeldet, wird der Rapserdfloh jedoch sein geschütztes Quartier bevorzugen.

 

Aktuell zählt weiterhin der Blattfraß: Aufgelaufene Bestände möglichst zweimal wöchentlich kontrollieren – auch bei insektizidgebeiztem Saatgut. Bis etwa zum 4-Blattstadium gilt als Richtwert mehr als 10 % zerstörte Blattfläche. Besonders kritisch wird der Fraß, wenn die jungen Pflanzen gleichzeitig kaum wachsen. Erdflohfraß nicht mit Schneckenfraß verwechseln: Schnecken fressen die Blätter vom Rand her an; Rapserdflöhe verursachen den typischen Lochfraß. Ausfallgetreide kann dem jungen Raps empfindlich Konkurrenz machen.

 

Was tun bei kritischem Blattfraß? Eine „Rettungsmaßnahme“ ist technisch und biologisch herausfordernd: Die kleinen Rapspflanzen bieten noch wenig Blattfläche, bei spätsommerlichen Temperaturen verstecken sich die Käfer tagsüber, und Pyrethroide wirken nur kurz. Deshalb bei warmer Witterung ab den Abendstunden behandeln, wenn die Käfer wieder aktiv werden. Hinzu kommt die regional eingeschränkte Pyrethroidwirkung durch Resistenzen. Es gilt umso mehr: Nur behandeln, wenn der Fraß den jungen Raps existenziell gefährdet. Vorsorgliche Spritzungen – beispielsweise zusammen mit einem Herbizid – vermeiden, um den Selektionsdruck auf die Pyrethroide nicht weiter zu erhöhen.

 

Kein kritischer Blattfraß? Dann gibt es auch keinen Grund für eine Behandlung, selbst bei steigenden Käferzahlen in den Gelbschalen! Gelbschalen trotzdem regelmäßig kontrollieren und Datum und Fangzahlen notieren. Ausgehend von Phasen mit starkem Zuflug lässt sich später der Beginn des Larvenschlupfes abschätzen. Damit liefert die Gelbschale nicht nur Informationen zur aktuellen Käferaktivität, sondern auch Anhaltspunkte für die spätere Larvenstrategie.

 

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster

 

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