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Aktuelle Prognose zum Rapserdfloh (KW 37)

  Deutschlandweit gesehen ist der Winterraps durch die Trockenheit etwas später in die Erde gekommen als in den vergangenen Jahren. Nach den Niederschlägen sind viele Bestände aber schnell aufgelaufen. Wie jedes Jahr um diese Zeit sind die Bestände unterschiedlich weit entwickelt – von gerade erst gesät bis zum 5-Blattstadium in Frühsaaten.    

 

 
Inzwischen zeigen sich im jungen Raps zunehmend die Aktivitäten des Erdfloh-Käfers. In den meisten Regionen hält sich der Blattfraß aktuell noch in Grenzen, selbst in bekannten „Erdflohregionen“ (z.B. Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern). Erste Ausnahmen gibt es: Aus Thüringen werden Anfang dieser Woche einzelne Schläge mit 10 % oder mehr Blattfraß gemeldet.

 

Raps, der dem Erdfloh davonwächst, braucht jetzt kein Pyrethroid

Früh gedrillter Raps, der inzwischen vier oder mehr Laubblätter entwickelt hat und wüchsig ist, hat sich gegenüber dem Erdfloh-Fraß einen Vorsprung erarbeitet. Raps, der noch kleiner ist oder jetzt erst aufläuft, muss engmaschig auf Schabe- und Lochfraß kontrolliert werden – auch bei insektizidgebeiztem Saatgut. Besonders sorgfältig schauen nahe Altrapsflächen, Hecken und Wald. 

 

Die Witterungsbedingungen für weiteren Zuflug sind in dieser Woche vielerorts günstig und verbessern sich in der zweiten Wochenhälfte. Der Rapserdfloh kann innerhalb weniger Tage erheblichen Blattfraß verursachen. Häufig sieht der Schaden schlimmer aus, als er ist: Bei wüchsigem Raps wachsen die Fraßlöcher mit. Entscheidend ist, ob der Raps weiterwächst.

 

Bleibt der Blattfraß unkritisch, kein Pyrethroid einsetzen – auch nicht, wenn viele Erdflöhe in den Gelbschalen sind. Eine Behandlung bringt dem wüchsigen Raps jetzt keinen Vorteil, erhöht aber unnötig den Selektionsdruck auf die Pyrethroide und trifft natürliche Gegenspieler.

 

Jetzt nur handeln, wenn der Erdfloh den Raps gefährdet

Muss bei mehr als 10 % zerstörter Blattfläche und gleichzeitig stagnierendem Raps eine Rettungsmaßnahme erfolgen, sollte die Pyrethroidwirkung bestmöglich ausgenutzt werden: Für eine gute Benetzung der kleinen Pflanzen sorgen, ggf. ein genehmigtes Netzmittel zusetzen und bei warmer Witterung ab den Abendstunden behandeln, wenn die Käfer aktiv sind. Bei spätsommerlichen Temperaturen bleibt die Dauerwirkung kurz, und Neuzuflug wird nicht erfasst.

 

Die Notfallprodukte Minecto Gold und Exirel jetzt nicht vorschnell einsetzen. Der teilsystemische Wirkstoff Cyantraniliprole sollte möglichst für die spätere gezielte Larvenbekämpfung aufgespart werden. Nur wenn bei akut bestandesgefährdendem Fraß eine Pyrethroidbehandlung wegen Super-kdr-Resistenz versagt, kann in Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen eine frühe Anwendung ab EC 16 in Erwägung gezogen werden. Die Sofortwirkung auf die Käfer ist allerdings begrenzt. Carnadine (Acetamiprid) ist für eine solche Maßnahme ebenfalls keine überzeugende Alternative.

 

Gelbschalen weiter regelmäßig kontrollieren und die Fangzahlen notieren. Starker Fang allein ist bei einem gut entwickelten, wüchsigen Bestand noch kein Grund für eine Behandlung.

 

Schon 4 oder mehr Blätter?

Ist früh gesäter Raps wüchsig und hat bereits vier oder mehr Laubblätter, steht die Entscheidung über die erste Wachstumsreglermaßnahme an. Gestresste oder sehr ungleichmäßig entwickelte Bestände noch nicht bremsen. Wo es seit Mitte August ausreichend geregnet hat, rechtzeitig auch auf erste Phoma-Blattflecken achten. Das betrifft aktuell vor allem den Westen und die Mitte Schleswig-Holsteins sowie den Elbe-Weser-Raum.

 

Beim Einsatz der Herbizide LaDiva oder Belkar sind Beschränkungen zu beachten. So dürfen z.B. im Herbst keine Produkte mit dem Wirkstoff Metconazol (z.B. Carax, Efilor, Caramba, Plexeo, Ambarac) angewendet werden. Auch bei den zahlreichen Tebuconazol-Produkten unterscheiden sich die Zulassungen: Folicur und entsprechende Parallelprodukte sind zur Wuchsregulierung ab EC 14 zugelassen, Orius erst ab EC 16.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster

 

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