Ein großer Teil der Rapsbestände ist inzwischen über die empfindliche Jugendphase hinausgewachsen. Nach den sehr milden Tagen die Gelbschalen kontrollieren, sofern noch nicht geschehen. Der Zuflug hielt bis zuletzt an und bleibt extrem schlagspezifisch. Das ab Donnerstag dieser Woche vorhergesagte deutlich kühlere Wetter bremst den weiteren Zuflug zunächst aus. Auch Eiablage und Larvenentwicklung werden langsamer als bei dem sehr milden Herbstwetter.
Für die weitere Strategie ist entscheidend: Wann gab es auf dem Schlag starken Zuflug? Gab es eine oder mehrere ausgeprägte Zuflugwellen? Daraus lässt sich grob abschätzen, wie weit Eiablage und Larvenentwicklung inzwischen fortgeschritten sind.
Der ungewöhnlich warme September hat die Entwicklung beschleunigt. Als Orientierung gilt aktuell:
Bei mehreren Zuflugwellen können auf dem Schlag gleichzeitig adulte Käfer, Eier und erste kleine Larven vorkommen. Erste Larven sind winzig und kaum zu entdecken.
► Regionen ohne Schwarzen Kohltriebrüssler
Behandlungen in dieser oder in der nächsten Woche ersetzen nicht eine ggf. später notwendige Maßnahme zum ansteigenden Larvenschlupf, z.B. mit Minecto Gold bzw. Exirel. Entscheidend für eine späte Maßnahme ist der Larvenbefall in den Blattstielen, der ab Mitte/Ende Oktober kontrolliert werden sollte.
► Regionen mit Schwarzem Kohltriebrüssler
Steht jetzt eine Herbizid- oder Wachstumsreglermaßnahme an, ein Pyrethroid gegen Rapserdfloh oder Schwarzen Kohltriebrüssler nicht vorsorglich mitnehmen. Beim Rapserdfloh fördert eine unnötige oder zum falschen Zeitpunkt gesetzte Behandlung die Resistenzselektion. Beim Schwarzen Kohltriebrüssler muss dagegen der Termin nach deutlichem Zuflug sitzen, bevor die Eiablage beginnt.
Wachstumsregler und Phoma
Wo Ende letzter Woche Niederschläge gefallen sind, haben sie zuvor trockengestressten Beständen Entlastung gebracht. In dichten und wüchsigen Beständen kann eine wegen der Trockenheit aufgeschobene Wachstumsreglermaßnahme jetzt nachgeholt werden. Kleine, lückige oder weiterhin schwache Bestände dagegen nicht unnötig bremsen.
Blattflecken, beispielsweise durch Falschen Mehltau, nicht mit Phoma verwechseln. Die ersten Phoma-Flecken findet man meist auf den unteren, älteren Blättern. Zunächst sind sie klein und gelblich, später verfärbt sich das Zentrum weißgrau. Darin werden die typischen schwarzen Sporenlager (Pyknidien) sichtbar. Beim Falschen Mehltau fehlen diese schwarzen Punkte. Falscher Mehltau ist im Herbst in der Regel nicht bekämpfungswürdig. Von kritischem Phoma-Befall wird bislang wie erwartet noch nicht berichtet. Sollte sich ab Mitte Oktober in niederschlagsreicheren Regionen – insbesondere Schleswig-Holstein und im nördlichen Niedersachsen – stärker Phoma-Befall zeigen, gilt: Phoma-wirksam behandeln heißt infektionsnah behandeln, also möglichst zeitnah nach Niederschlägen.
Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster
Rapooli der Rapsprofi