Hitzewelle hat Spuren hinterlassen – physiologische Knospenwelke in vielen Rapsbeständen zu finden

Mit dem Einsetzen der Rapsblüte mehren sich aus vielen Regionen Deutschlands Meldungen über Bestände, die nicht richtig blühen wollen. Typisch für diese Bestände sind abfallende bzw. eintrocknende Blütenknospen am Haupttrieb.

Bild 1: Eintrocknende Blütenknospen am Haupttrieb
 Bild 1: Eintrocknende Blütenknospen am Haupttrieb
Mit dem Einsetzen der Rapsblüte mehren sich aus vielen Regionen Deutschlands Meldungen über Bestände, die nicht richtig blühen wollen. Typisch für diese Bestände sind abfallende bzw. eintrocknende Blütenknospen am Haupttrieb. Es handelt sich hierbei um keine Krankheit, auch nicht um ein neues Phänomen. Berichte über die sogenannte physiologische Knospenwelke gibt es schon seit mehr als 20 Jahren. Sie kann immer dann auftreten, wenn es im Frühjahr „Wetterstress“ gibt. Hierunter fallen insbesondere anhaltende starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht in Kombination mit einem oder mehreren weiteren Faktoren, wie starker Einstrahlung, Trockenheit, eine schwache Wurzelentwicklung, leichter Boden usw. So konnten solche Symptome z.B. 2009 in größerem Umfang beobachtet werden, aber auch im vergangenen Jahr gab es regional Problemfälle.

Das Frühjahr 2018 startete überall zu feucht, mit guten aber auch vielen schwachen Beständen. Prägend war ein sehr verhaltener, später Wachstumsbeginn und dann mit dem Einsetzen der Schönwetterperiode eine geradezu explosionsartige Entwicklung vom Schossbeginn bis zur Blüte in nur 14 Tagen. Getrieben wurde diese Entwicklung von der Tageslänge und Temperaturen bis 30°C. Die Nächte waren zwar warm, aber Temperaturdifferenzen zwischen Tag und Nacht betrugen häufig 20°C. Die Böden waren noch nass, das Wurzelwachstum konnte dem oberirdischen Wachstum nicht in gleicher Geschwindigkeit folgen.

Die Einzelmeldungen ergeben folgendes Bild:

  • Knospenreduktionen sind nicht an allen Rapsschlägen zu finden.
  • Felder mit gleicher Bestandesführung können trotzdem unterschiedlich reagieren. Das heißt, es war keine Ursache einer Pflanzenschutzmaßnahme oder Spritzenverunreinigung (das kann dennoch vorkommen!).
  • Zwar sind in diesem Jahr schlagspezifisch sehr viele Rapsglanzkäfer aufgetreten, Knospenabwürfe wurden aber mehrfach sowohl in der insektizidbehandelten als auch in der Nullparzelle in gleichem Ausmaß festgestellt. Rapsglanzkäferschäden sehen allerdings ähnlich aus, es kann sich auch um eine Kombination beider Faktoren handeln.
  • Es gibt keine Sortenabhängigkeit.
  • Es trifft fast immer die leichteren Standorte stärker. Gibt es auf dem Feld leichtere und schwerere Bereiche, so sind die leichteren Stellen stärker betroffen.

Aus diesen Einzelbeobachtungen lassen sich einige Schlussfolgerungen ziehen:

 
Das oberirdische Wachstum erfolgte für den Raps zu schnell, um mit der Nährstoffaufnahme hinterherzukommen. Oft haben die stärker betroffenen Bestände schwächere Wurzeln, eine schlechtere Bodenstruktur oder andere belastende Faktoren (z.B. Herbizidstress aus dem Vorjahr, Staunässe). Auf leichten Böden bzw. den leichten Stellen eines Feldes kommen gleich mehrere Faktoren zusammen: schnelle Austrocknung des Oberbodens, höhere Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und in diesem Jahr nicht zu vergessen die Nährstoffknappheit durch Auswaschungen und Verlagerung. Auch wenn hier im Frühjahr dieselbe Stickstoffmenge gefallen ist, so sind höchstwahrscheinlich Nährstoffe wie K, Mg, Ca usw. schlechter verfügbar. Und Mikronährstoffe sind, wenn diese per Spritzung verabreicht wurden, noch gar nicht in der Pflanze angekommen. So kann es durch „einseitige“ N-Düngung sogar zur verschärften Konkurrenz in der Nährstoffaufnahme kommen, da die N-Aufnahme-Kapazität für die anderen Nährstoffe blockiert sein kann. Folge ist eine temporäre Unterversorgung der Pflanzen bzw. ein Ungleichgewicht zwischen den benötigten Nährstoffen. Die Pflanze reagiert mit einem Knospenabwurf der unterversorgten Knospen. Das ist nicht zu verhindern. Felder mit langjähriger organischer Düngung, höheren pH-Werten und stärkerer Durchwurzelung zeigen in der Regel deutlich weniger oder gar keine Symptome.

Wie geht es mit betroffenen Schlägen weiter?

Zum Glück ist die Hitzewelle erst einmal vorbei. Mit den angekündigten Niederschlägen und den deutlich moderateren Temperaturen sollten die Bestände in eine Erholungsphase kommen. Dann besteht die Chance, dass Nährstoffaufnahme und Wachstum wieder besser ins Lot kommen. Die Pflanzen an sich sind grün und vital und die Bodenfeuchte ist wesentlich besser als im Vorjahr. Gute Chancen, um jetzt die Seitentriebe mit ihren Achselknospen herauszuschieben. Blütenknospen besitzen die Pflanzen noch mehr als genug, bei passenden Bedingungen (15 mm Regen + 15°C) werden diese ihre Chancen nutzen, aufblühen und ansetzen. Wer es gut meint, kann versuchen die „Regeneration“ mit ein paar kg Bittersalz und Mikronährstoffen zu unterstützen. 

Weitere Infos zum Thema Knospenwelke finden Sie hier:

Raps nicht vorschnell abschreiben und umbrechen
Knospen- und Blütenverluste – was können gute Bestände noch kompensieren?

 

24.04.2018 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH