Rapsdüngung im Frühjahr 2019

Bundesweit findet man in diesem Frühjahr sehr unterschiedlich entwickelte Rapsbestände, aber auch Nmin.-Werte. Höhere N-Salden können und müssen bei der vorgeschriebenen Dünge-Bedarfsermittlung berücksichtigt werden.

Schriftliche Bedarfsermittlung nach Düngeverordnung

Vor der Ausbringung von stickstoff- oder phosphathaltigen Düngemitteln muss eine schriftliche Düngebedarfsermittlung erfolgen. Die 3-jährigen Durchschnittserträge bestimmen dabei den maximalen N-Bedarf im Frühjahr. Gerade 2018 haben leider oft schlechte Erträge zu hohen N-Salden geführt. Je nach Bundesland (z.B. Sachsen) gibt es allerdings Möglichkeiten, wesentliche nicht zu vertretende Ernteausfälle durch die Dürre 2018 beim Nährstoffvergleich entsprechend zu berücksichtigen. Wenn möglich, unbedingt nutzen!

Hohe N-Reste aus dem Herbst wurden nur von kräftigen Rapsen gut verwertet

Trockenheit und schwache Erträge sorgten im Herbst 2018 häufig für hohe verfügbare N-Mengen im Boden. Dies führte dazu, dass sich die noch bis ca. Mitte September aufgelaufenen Rapsbestände im warmen Herbst sehr gut bis üppig entwickeln konnten. Oberirdische Frischmassen von 2-3 kg/m² und sogar darüber hinaus mit den entsprechend hohen N-Aufnahmen bis über 100 kg N/ha sind häufig zu finden. Entsprechend ist die Höhe der Nmin.-Gehalte umgekehrt zur Bestandsentwicklung zu erwarten. Unter solchen kräftigen Rapsen werden auf Grund der hohen Herbst – Aufnahmen in der Regel „normale“ Nmin.-Werte zwischen 15 und 45 kg N/ha vorliegen. Dies führt je nach Ertragsmittel usw. zu „normalen“ zulässigen N-Düngungsniveaus im Frühjahr. Anmerkung: Ist der betriebliche N-Saldo hoch, bieten Bestände mit hoher N-Aufnahmen im Herbst Freiraum für mögliche N-Einsparungen.

Die Bodenstruktur und Wurzeln sind meist gut bis sehr gut und die Bodenfeuchte aktuell knapp ausreichend oder teilweise auch zu hoch. Eine Nährstoffverlagerung hat aufgrund der Trockenheit meist nicht bzw. kaum stattgefunden. Insbesondere wenn Bestände im Herbst trotz guter Entwicklung keine gelben Blätter als Zeichen für N-Mangel gezeigt haben, spricht dies für noch vorhandene Bodenreserven. Liegen gemessene Nmin.-Werte aber unter 30 kg oder haben Rapse bereits im Herbst gehungert, muss die erste N-Düngung  zeitig erfolgen. Denn Bestände mit 10 oder mehr Laubblättern aus dem Herbst stehen in den Startlöchern und möchten bei Vegetationsbeginn voll loslegen.

Besonderheit: was tun bei hohen Nmin.-Werten im Frühjahr?

Die anhaltende Trockenheit sorgte vor allem in der am stärksten betroffenen Kernzone Sachsen-Anhalt und Brandenburg für sehr späte Feldaufgänge. Solche Bestände konnten, falls nicht umgebrochen, nur noch geringe N-Mengen vor Winter aufnehmen.

In diesem Frühjahr können unter schwachen Rapsen aber auch hohe, teilweise sogar 3-stellige Nmin.-Werte vorhanden sein. Eine außergewöhnliche Situation, die aufgrund der neuen Düngeverordnung auch eine außergewöhnliche Düngung erfordert.

Die Nmin.-Gehalte sind gemäß DüV voll auf die Bemessung der Frühjahrsdüngung anzurechnen. Die Werte können dabei entweder aus regionalen Richtwerten der zuständigen Ämter und Kammern übernommen oder selbst ermittelt werden. Während niedrige Nmin.-Ergebnisse rechnerisch nicht allzu stark ins Gewicht fallen, werden hohe Werte meist mit Skepsis betrachtet, auch wenn sie sich plausibel erklären lassen. Sie können aber durchaus positiv betrachtet werden. Denn was im Boden bereits pflanzenverfügbar vorliegt, muss nicht mehr gedüngt werden. Wer sich absichern möchte, könnte z.B. eine zweite „B-Probe“ nehmen.

Beispiel: Kalkulierter N-Bedarf Frühjahr 160 kg N abzüglich 100 kg Nmin. = max. zulässige N-Frühjahrsdüngung 60 kg N/ha. Gewohnte Düngestrategien werden auf den Kopf gestellt. Und nun?

Wichtige Frage: In welchen Zonen befindet sich der Stickstoff? Die obersten 0-30 cm stehen selbst schwachen Beständen voll zur Verfügung, und auch der Horizont 30-60 kann schnell erwachsen werden, wenn Bodenstruktur und Wurzel intakt sind. N-Mengen in dieser Zone sind daher bei ausreichender Bodenfeuchte (60-80% nFK) voll verfügbar. Auch wenn es im ersten Moment schwerfällt, aber in einer solchen Situation steht bereits bei Vegetationsbeginn genügend N zur Verfügung. Die zulässigen 60 kg sollten also keineswegs zu früh fallen. Wahrscheinlich ist ein Termin zwischen der gewohnten ersten und zweiten Gabe ein guter Kompromiss, allerspätestens jedoch bis ca. 10./15. März. Oder es wird ein stabilisierter N-Dünger eingesetzt.

Achtung: Schwefelversorgung sicherstellen.

In der Regel erfolgt zeitgleich mit der ersten N-Düngung auch die Schwefelversorgung der Bestände. Bei geringer und/oder später N-Düngung muss allerdings sichergestellt sein, dass die Schwefelversorgung nicht leidet. Ohne S kann auch N nur schlecht von der Pflanze verwertet werden. Sind Smin.-Werte bekannt und ebenfalls ausreichend hoch, besteht kein Problem. Alternativ gibt es viele Optionen, z.B. durch 40er Kali, Kalimagnesia, Kieserit oder andere S-haltige Dünger den frühen Bedarf sicherzustellen. Schwefel aus organischen Düngern kommt aber selbst bei früher Düngung zu spät, da er erst umgesetzt werden muss.

Fazit:

Hohe betriebliche N-Salden und hohe Nmin.-Werte zwingen viele Betriebe, ihre gewohnten Düngestrategien zu überprüfen. Insbesondere der Raps bietet hier Chancen. Sofern aufgelaufen, konnten viele Rapse trotz Trockenheit von den hohen im Herbst verfügbaren N-Mengen profitieren und kräftige Bestände aufbauen. Solche Bestände besitzen auch bei reduzierter N-Frühjahrsdüngung ein hohes Ertragspotenzial. Mit dem Bonus eines höheren Ölgehaltes.

Sorge bereiten schwache Bestände mit spätem Feldaufgang und trockenheitsbedingt schwacher Herbstentwicklung. Sie dürfen nach Düngeverordnung nur relativ sparsam gedüngt werden, falls sie wie zu erwarten hohe Nmin.-Werte aufweisen. Aber auch hier zeigen Erfahrungen vergangener Jahre, dass bei ausreichender Pflanzenanzahl und einem harmonischen Witterungsverlauf selbst bei sparsamer Düngung noch gute bis sehr Erträge möglich sind. Dann passen auch die Salden wieder.

Gute Bodenstrukturen und Nährstoffreserven im Boden bieten sowohl kräftigen als auch schwachen Rapsbeständen zumindest gute Startvoraussetzungen. Völlig anders als im Vorjahr.

08.02.2019 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH