Trockenheit pünktlich zur Rapsblüte - was bedeutet das für die weitere Bestandesführung?

Die Dürre des letzten Jahres hatte sich in vielen Regionen bis Mitte März deutlich entspannt. Viele Rapsbestände konnten sich dank eines milden Winters und günstigen Wachstumsbedingungen im Frühjahr bisher sehr gut entwickeln.

Bild 1 von 3: Eine gut ausgebildete Pfahlwurzel kann Trockenstress abmildern.
 Bild 1 von 3: Eine gut ausgebildete Pfahlwurzel kann Trockenstress abmildern.
Im Gegensatz zum Vorjahr ist die Pfahlwurzel meist gut ausgebildet (Bild 1), die Bestände konnten bereits viele Nährstoffe aufnehmen und Biomasse aufbauen. Doch nun droht zur Rapsblüte 2019 erneut der Stresstest. Denn die Wetterprognosen sehen mindestens bis Ende April keine nennenswerten Niederschläge, dafür aber sommerliche Temperaturen (Bild 2). Dies wird die Wasserversorgung in einer Phase des höchsten Bedarfs stark einschränken.

Standorte im Norden, Westen und Süden sind klar im Vorteil, denn hier konnte sich die Bodenfeuchte bis ca. Mitte März spürbar erholen. Auch wenn die nutzbare Feldkapazität nicht aufgefüllt wurde, sind zumindest ein paar Wasserreserven im Boden gespeichert, von denen die Bestände in den nächsten 14 Tagen zehren müssen. Im Osten ist es seit über einem Jahr trocken, auch der Unterboden ist immer noch ausgetrocknet. Die Dramatik der Situation wird bei Betrachtung der nutzbaren Feldkapazität (Bild 3) deutlich.

Bild 2. Wetterprognose für den April 2019
 Bild 2. Wetterprognose für den April 2019
Empfehlungen zur Bestandesführung

Die Trockenheit bestimmt auch aller weiteren Maßnahmen zur Bestandesführung, zumindest für alle Betriebe, die nicht beregnen können. Eine Unterstützung der Bestände durch eine Blattdüngung macht nur dann Sinn, wenn die Nährstoffe auch aufgenommen und umgesetzt werden können. Bei anhaltender Trockenheit wird der Wassermangel den Ertrag begrenzen.

Bei der Schädlingsbekämpfung ist das Gros der Rapsglanzkäfer fast überall zugeflogen, zudem blühen die Bestände auf. Gezielte Maßnahmen gegen Rapsglanzkäfer sind daher nur noch bei extremem Zuflug sinnvoll. Dafür muss ab jetzt auf Zuflug des Kohlschotenrüsslers geachtet werden, der als erwachsener Käfer in altem Laub an Waldrändern überwintert. Angrenzende Lagen sind daher stärker zu kontrollieren.  Der direkte Schaden ist in der Regel meist gering, aber die Einstichlöcher in den Schoten dienen als Wegbereiter für die Kohlschotenmücke, deren Schadwirkung bei Vorbefall durch Kohlschotenrüssler deutlich erhöht wird. Als Bekämpfungsrichtwert gelten 1 Kohlschotenrüssler je Pflanze bei geringem Mückenrisiko bzw. 1 Käfer je 2 Pflanzen bei höherem Mückenrisiko. Schlupf und Zuflug der Kohlschotenmücke hängen wiederum vom Wetter ab und sind bei Trockenheit reduziert. Der Zuflug ist sehr schwierig zu erfassen und erfolgt meist später als der Rüsslerzuflug oder eine Sclerotiniamaßnahme, eine gezielte Behandlung ist daher kaum möglich. Erhöhtes Risiko besteht in kleinstrukturierten Gebieten, wenn bereits aus den Vorjahren stärkerer Befall bekannt ist. Auf größeren Schlägen reicht meist eine Randbehandlung aus. Für eine notwendige Insektizidbehandlung können z.B. BISCAYA oder MOSPILAN eingesetzt werden.

Bild 3. Bodenfeuchte Mitte April 2019
 Bild 3. Bodenfeuchte Mitte April 2019
Lohnt sich eine Vollblütenbehandlung bei Trockenheit?

Der Sclerotinia-Befallsdruck war in den vergangenen Jahren meist gering. Auf den meisten Rapsschlägen ist nur dann mit einem höheren Risiko zu rechnen, wenn dort aus der Schlaghistorie ein stärkerer Befall bekannt ist. Dabei gilt es zu bedenken, dass die Weißstängeligkeit ein breites Wirtspflanzenspektrum besitzt. Dazu gehören z.B. kruzifere Unkräuter und auch Kulturarten wie Leguminosen, Gemüse, Sonnenblumen und Kartoffeln. 

Der wichtigste Infektionsfaktor fehlt leider – Wasser! Denn nur bei genügend Bodenfeuchte keimen die Sclerotien aus und der Pilz kann Fruchtkörper bilden. Für eine Infektion muss zudem der Witterungsverlauf (Niederschläge, Temperatur, hohe Luft- u. Bodenfeuchte im Bestand) passen. Daher kann das Infektionsrisiko bei trockenem Oberboden und fehlenden Niederschlägen zu Blühbeginn als gering eingestuft werden. Bleibt es während der gesamten Blüte trocken, sollte – nicht nur aus ökonomischen Gründen – auf eine Behandlung verzichtet werden. Diese Entscheidung kann nur individuell und schlagspezifisch unter Berücksichtigung der aktuellen Witterungsprognosen getroffen werden.

Bei ausreichender Boden- und Luftfeuchte sowie Befallsrisiko sollte eine Behandlung zum üblichen Termin (ca. 50 bis 60 % der Blüten am Haupttrieb geöffnet, erste Blütenblätter fallen bereits zu Boden) erfolgen. Startet die Blüte trocken, sollte eine geplante Blütenbehandlung bis kurz vor oder am besten nach Niederschlägen hinausgezögert werden. Beim Einsatz beachten:

  • Hohe Wasseraufwandmengen (mind. 300 l/ha)
  • Niedrige Durchfahrtsgeschwindigkeiten (4 - 5 km/h)
  • Bienengefährlichkeit bei Tankmischungen beachten
  • Applikation bevorzugt in den Abendstunden vornehmen

Ein Sclerotinia - Prognosemodell ist unter www.isip.de verfügbar, allerdings ist eine Registrierung erforderlich. Informationen zum Befallsrisiko sowie zur Behandlung liefern die aktuellen Warnhinweise des amtlichen Pflanzenschutzdienstes.

Fazit: Der April 2019 geht voraussichtlich trocken zu Ende und wird das Niederschlagsdefizit vor allem im Osten weiter verschärfen. Dies trifft den Raps ebenso wie das Wintergetreide und Grünland. Wenn nicht zeitig im Mai Niederschläge folgen, droht im schlimmsten Fall eine ähnliche Entwicklung wie im Vorjahr. Immerhin konnten sich viele Rapsbestände zumindest bis April noch gut entwickeln und stehen mit gutem Wurzelwerk sehr viel kräftiger da als 2018. Nun sind Wurzelleistung und Aushaltevermögen gefordert, um diese kritische Phase bestmöglich durchzustehen.

16.04.2019  Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH