Aktuelle Prognose Rapserdfloh, WR-Einsatz und Phoma (KW 37)

Die Entwicklung der Rapsbestände ist sehr unterschiedlich, von noch nicht aufgelaufen bis zum 4-Blattstadium in früh gesätem und wüchsigem Raps. 

Im Schnitt ist die Entwicklung weiter zurück als letztes Jahr um diese Zeit. Stärkere Niederschläge nach der Saat führten lokal zu verschlämmten Böden, und diese Bestände laufen nun schlecht auf.

Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen
 Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen

Bei den spätsommerlichen Temperaturen läuft die Zuwanderung des Rapserdflohs in die Rapsbestände. Kontrollieren Sie Ihre Bestände und die Gelbschalen in dieser für den sehr jungen Raps kritischen Phase am besten alle zwei Tage, auch insektizidgebeizte Bestände (Lumiposa, Buteo Start)!

Überwachen Sie besonders die später gesäten, noch kleinen Bestände und solche, die schlecht auflaufen. Der Befall ist von Region zu Region und auch von Schlag zu Schlag sehr unterschiedlich: Teilweise wird von starkem Blattfraß berichtet, der bereits eine Behandlung notwendig machte (die Schwelle liegt bei 10% zerstörter Blattfläche). In anderen Beständen (auch in der Nachbarschaft zu stärker betroffenen Flächen) finden bislang kaum Fraßaktivitäten statt. Als Verursacher kommen neben dem Erdfloh natürlich auch Schnecken und die Larven der Rübsenblattwespe in Frage. Wichtig: Handeln Sie nicht voreilig! Der Fraßschaden sieht oft schlimmer aus als er ist, weil die Löcher „mitwachsen“. Vitaler Raps wächst dem Erdfloh davon. Also auch bei der anstehenden Gräserbehandlung (Ausfallgetreide) kein Insektizid zumischen! Handeln müssen Sie in dieser frühen Phase nur, wenn starker Fraß einen ohnehin schwachen Raps an der Weiterentwicklung hindert.

Auch die Anzahl der Käfer in den Gelbschalen variiert stark – von bislang keinem bis bereits weit über hundert Rapserdflöhen (z.B. in Brandenburg oder Sachsen). Die Zuwanderung des Rapserdflohs ist noch nicht zu Ende. Bis Donnerstag dieser Woche bleiben die Zuflugbedingungen deutschlandweit sehr günstig (Gelbschalen kontrollieren). Wenn besonders im Norden die Temperaturen Ende der Woche nur noch unter 20 Grad liegen, ist nicht mit stärkerem Neuzuflug zu rechnen. Bleibt der Lochfraß unter 10% und waren schon sehr viele Käfer in den Gelbschalen, sind folgende Strategien denkbar:

1.) Kommt in der Region der Schwarze Kohltriebrüssler vor, sollte der Insektizideinsatz bis zum Erstzuflug dieses Käfers hinauszögert werden. Dieser hat noch nicht stattgefunden. Im Idealfall kann dann mit 1 Maßnahme sowohl der Schwarze Kohltriebrüssler vor dessen Eiablage und gleichzeitig der vollständig zugeflogene Rapserdfloh und dessen erste Larven bekämpft werden.

2.) Spielt der Schwarze Kohltriebrüssler keine Rolle, und es wurden bereits sehr viele Käfer/Gelbschale gefangen:

a) Das Ende der aktuellen Schönwetterperiode abwarten und die bislang zugeflogenen Käfer vor stärkerer Eiablage behandeln (bei dann gleichzeitig kaum Neuzuflug und längerer Dauerwirkung des Pyrethroids). Mit einem hohen Anteil eiablagereifer Käfer ist bei hohen Fangzahlen bereits ab 5.9. schon diese Woche zu rechnen, bei hohen Fangzahlen erst ab 10.9. voraussichtlich gegen Ende September. Im Spätherbst bleibt einem aber eine Kontrolle auf Larvenbefall nicht erspart. Dies vor allem, wenn bei freundlichem und warmem Wetter noch eine weitere Zuflugwelle kommen sollte, die von der Dauerwirkung der Behandlung nicht erfasst wird…

b) Erst im Spätherbst bei Larvenbefall gezielt gegen die jungen Larven vorgehen. Denn schließlich sind die Larven die Hauptverursacher des Schadens!

Nur bei früh gesätem, sehr wüchsigem und gleichmäßigem Raps (4 oder mehr Blätter) rückt jetzt der Wachstumsregler-Einsatz in den Fokus. Er sollte aber erst nach den sehr warmen Tagen erfolgen. Wo es in den vergangenen Tagen stärker geregnet hat (z.B. im Norden und Nordwesten Deutschlands, regional in Sachsen und Bayern) und wo es auch im Verlauf dieser Woche kräftiger regnet, wird das bislang niedrige Phoma-Infektionsrisiko ansteigen. In dem weit entwickelten Raps sollte in den Regionen auf frühen Blattbefall geachtet werden.

Wenn Sie das Herbizid Belkar einsetzen, beachten Sie die Beschränkungen: Carax, Caramba und Efilor (Metconazol-Produkte) dürfen weder in Mischungen mit Belkar noch in Spritzfolgen damit angewendet werden. Alle anderen Fungizide/Wachstumsregler (z.B. Folicur) erfordern einen Spritzabstand von mind. 7 Tagen.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster