Aktuelle Prognose Schwarzer Kohltriebrüssler, Rapserdfloh, WR-Einsatz und Phoma (KW 41)

Schwarzer Kohltriebrüssler und Rapserdfloh

Um diese Jahreszeit ist der Raps immer unterschiedlich weit entwickelt. 

Diesen Herbst sind die Unterschiede allerdings extrem: Von üppigem Raps im 6-8-Blattstadium, über viele spät gesäte Bestände bis hin zu extrem ungleichmäßigen Beständen (verzettelter Auflauf bei schwierigen Bodenverhältnissen) ist auch innerhalb einer Region alles dabei. Dazu kommen die „Kümmerer“, die nach schlechtem Aufgang (z.B. Verschlämmung) und/oder durch Rapserdfloh-Fraß gar nicht weiterkommen wollen. In „schweren Fällen“ musste über den Umbruch entschieden werden.

Besonders in Schleswig-Holstein und in den östlichen Bundesländern macht der Rapserdfloh (wieder) Probleme. So sollen z.B. in Sachsen-Anhalt im Schnitt zwei Drittel der Rapsfläche bereits zwei Mal behandelt worden sein, in Einzelfällen sogar bis zu vier Mal. Natürlich gibt es auch dort Schläge, auf denen der Rapserdfloh bislang keinen Schaden angerichtet hat. Und genauso kommen in Regionen mit insgesamt niedrigem Erdfloh-Druck (z.B. Bayern) Einzelschläge mit behandlungswürdigen Käferzahlen vor, z.B. angrenzend zu Altraps. Aufschluss über den Befall im Bestand geben nur eigene Gelbschalen. Das zeigt der Herbst 2021 besonders eindrucksvoll! Die zuletzt kühleren Temperaturen und das aktuell nasskalte Intermezzo bis Mitte dieser Woche sind nicht förderlich für Neuzuflug des Rapserdflohs. Gerade in den nördlichsten Anbaugebieten und in höheren Lagen in der Mitte Deutschlands muss in spät gesätem Raps noch mit einem Befallsanstieg gerechnet werden, sollte es wieder milder werden. Die Gelbschalen müssen also stehen bleiben! Für die Eiablage jedoch sind die Temperaturansprüche geringer, so dass dieses „Geschäft“ in den letzten Tagen weitergehen konnte, wenngleich nicht mit höchster Intensität.

Auch den Schwarzen Kohltriebrüssler entdeckt man nur mit Gelbschalen: In den Befallsgebieten (z.B. NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern) fliegt er seit Ende September zu. Wer schon 5-10 Käfer pro Gelbschale gefangen hatte, sollte innerhalb von 5 Tagen behandelt haben, um die Eiablage des Schwarzen Triebrüsslers zu verhindern. Mit dieser Maßnahme wurden auch die Erdflöhe im Bestand und dessen erste Larven (von frühen, bis Mitte September zugeflogenen Käfern) erfasst.

Für die Larven eines Teils der erst nach Mitte September zugeflogenen Erdflöhe (spät gesäter Raps oder „spätere Zuflugwelle“) wird die Dauerwirkung dieser Behandlung aber nicht reichen! Denn es dauert noch, bis diese Larven schlüpfen. Wer also letzte Woche behandelt hat oder diese Woche fahren will: Um auf Nummer sicher zu gehen, müssen die Bestände ab Ende Oktober auf Befall mit Erdflohlarven kontrolliert werden! Dazu schaut man sich die Blattstiele an: An den Innenseiten weisen Verbräunungen, Pustel/“Huckel“ und Bohrlöcher auf Befall hin. Wer in schwachem Raps 3 bzw. in wüchsigem Raps 5 Blattstiele mit solchen Symptomen pro Pflanze findet, sollte eine gezielte Larven-Behandlung vorsehen. In eine kühle Phase hinein behandeln: Nur dann erreicht man die erforderliche Dauerwirkung, um auch die später aus den Eiern schlüpfenden Larven zu erfassen. Wenn sich die Larven aus- und wieder einbohren, nehmen sie den Wirkstoff auf.

Phomarisiko Deutschland
 Phomarisiko Deutschland

Wachstumsregler und Phoma

Holen Sie den Einsatz eines Wachstumsreglers in wüchsigem, gleichmäßigem Raps mit mehr als 4 Blättern nach, wenn er z.B. wegen sehr kalter Nächte geschoben wurde und sofern es die Bedingungen erlauben (Wind). Die vielen Spätsaaten werden nicht mehr überwachsen, wenn sie jetzt erst 4 oder weniger Blätter haben. Erster, vereinzelter Phoma-Befall ist bislang wie erwartet nur in wenigen Regionen Deutschlands zu finden (z.B. Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg). Von kritischem Befall wird nicht berichtet: Zwar war der überdurchschnittlich nasse August für den Pilz förderlich, nicht aber der extrem trockene September. Bislang ist das witterungsbedingte Risiko für Phoma-Befall nur im südlichsten Teil von Bayern hoch. Auch wenn dies keine typische Befallsregion ist, sollten dort die Bestände auf Phoma kontrolliert werden. Man erkennt Phoma an den gelblich-braunen bis grauen Blattflecken auf den unteren, älteren Blättern. Sie haben ein weißgraues Zentrum. Darin sieht man die typischen kleinen schwarzen Sporenlager (Pyknidien). Auch in den bekannten Befallslagen in der Nordhälfte Deutschlands (z.B. Schleswig-Holstein) sollte jetzt auf Phoma geachtet werden, weil Infektionen von Ende September/Anfang Oktober als Blattflecken sichtbar werden können. Grundsätzlich gilt: Bei vorhandenem Befall muss die Maßnahme kurz nach Infektionen (Regenfällen) platziert werden. Wenn ein Wachstumsregler-Einsatz noch notwendig ist, kann dieser entsprechend terminiert mit Phoma-Wirkung erfolgen. In den letzten Tagen reichten die Niederschläge allerdings vielerorts nicht für Phoma-Infektionen aus (Ausnahme: westliches Schleswig-Holstein). Die bis Donnerstag dieser Woche angekündigten Regenfälle werden Infektionen nur regional in der Westhälfte Deutschlands ermöglichen.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster