Rapsaussaat 2021 – bis wann kann man Raps säen?

Regenwolken und kühle Luft bestimmen das Wetter Ende August. Während viele Betriebe im Norden ihre Rapsaussaat in den letzten Tagen weiter voranbringen konnten oder schon fertig sind, haben Niederschläge vor allem südlich von Berlin für anhaltenden Stillstand gesorgt. 

Auch im Süden und Westen ist es verbreitet noch sehr nass. Im Westen kamen in den vergangenen 3 Monaten in Summe Niederschlagsmengen von über 300 mm zusammen. In den kommenden Tagen entscheidet sich, wie nass die Flächen zum Monatsende sind.

Zum Start in den September deutet sich dann etwas mehr Sonne an und es wird wärmer. Mit etwas Glück kann sich daraus eine längere Schönwetterperiode entwickeln. Und die gilt es für die Spätsaat zu nutzen.

Mit robusten RAPOOL Hybridsorten sind bei durchschnittlicher Herbstwitterung Saattermine bis zum 5. September möglich. Wüchsige Sorten wie z.B. LUDGER, HEINER, DAKTARI oder im Kohlherniebereich CROOZER und CREED können bei günstigen Aussaatbedingungen und passender Wetterprognose auch noch ein paar Tage länger gesät werden. In den letzten Jahren sind die Herbste immer milder geworden, das Vegetationsende immer später. Die Chancen für eine ausreichende bis gute Vorwinterentwicklung sind also durchaus gegeben, wenn die Witterung mitspielt.

Ertragsvergleich Normalsaat vs. Spätsaat am LSV Standort Futterkamp, Schleswig-Holstein
 Ertragsvergleich Normalsaat vs. Spätsaat am LSV Standort Futterkamp, Schleswig-Holstein

Spätsaaten können auch positive Effekte mit sich bringen, z.B.:

  • in der Regel weniger Befall mit Verticillium oder Kohlhernie, da die Böden bereits kühler sind.
  • Geringerer N-Bedarf im Herbst – bei knappen Bodenvorräten verhungern die Bestände über Winter nicht.

Beleg für die Leistungsfähigkeit von Spätsaaten liefert z.B. die langjährige Spätsaat-Versuchsserie der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein am LSV Standort Futterkamp. Der Standort liegt im Östlichen Hügelland, einer Region mit langjähriger Rapstradition und hoher Anbaudichte.

Empfehlungen für die Spätsaat

Bleibt die Witterung Anfang September stabil trocken und schön, sollten die Flächen vorsichtig aufgezogen werden, z.B. mit der Federzinkenegge. Wichtig sind schmale Schare, die nicht zu viel nasses Material hocharbeiten. Wird gepflügt, sollte auch hier nur 20-25 cm gearbeitet werden, um nässebedingte Pflugsohlen im kommenden Jahr unterfahren zu können. Entstehen bei der Bearbeitung grobe Kluten, so dürfen diese nicht austrocknen und steinhart werden, sondern müssen vor oder bei der Bestellung zerfallen. Ein nasses Saatbett sollte keinesfalls zu fein bearbeitet werden, sondern lieber etwas gröber bleiben. Trotz Schneckenrisiko keine Rückverfestigung, um den Sauerstoff nicht wieder aus dem Boden zu drücken. Die Wurzeln brauchen Luft und Wärme.

  • Saatbett nicht zu früh (das heißt zu nass) und nicht zu tief (ca. 10-15 cm) bearbeiten. Wenn die Witterung stabil ist und es zulässt, gern 1- bis 2 Tage abtrocknen lassen und dann säen.
  • Ist der Boden im Bearbeitungshorizont ausreichend abgetrocknet, geht bei drohendem Niederschlag auch „rum und rein“. Immer nur so viel vorarbeiten, dass die Drille bei einsetzendem Regen Anschluss hat.
  • Mit möglichst wenig Bodendruck arbeiten (Zwillingsbereifung, wenn vorhanden). Wartezeit zwischen Aufziehen und Saat abhängig von der Austrocknungsgeschwindigkeit. Nicht reinschmieren. Saattermin z.B. 5.9. in ein schönes abgesetztes Saatbett wächst besser als am 2.9. ´reingeschmiert (ich kann schon fahren…). Die 3 Tage warten hat man schon im Herbst wieder aufgeholt.
  • Saatstärke moderat erhöhen, aber abhängig vom Saatbett. Top Saatbett mit 45-50 Körnern/m² Anfang September ist immer noch ausreichend. Ist das Saatbett klutiger/gröber oder mit größerer Strohauflage, Saatstärke erhöhen auf max. 55-60 kf. Körner/m², nur schwere Tonkuppen max. 65 kf. Körner/m².
  • Ablagetiefe bei guter Feuchte flach, 1 bis 1,5 cm. Je tiefer die Ablage, desto später der Feldaufgang.
  • Bei flacher Ablage vorsichtiger mit dem Herbizid. Z.B. Metazachlor wird bei höheren Niederschlägen leicht in die ersten 1-2 cm eingewaschen. Ist Regen kurz nach der Saat angesagt, evtl. Herbizidstrategie anpassen und nach dem Feldaufgang behandeln.
  • Erhöhte Wachsamkeit bezüglich Schnecken und Rapserdflöhen.

Fazit: Spätsaaten werden nicht geplant, sondern sind in der Regel dem Wetter (oder der Arbeitswirtschaft) geschuldet. Die Ertragssicherheit ist gegenüber optimalem Saattermin und Saatbett leicht vermindert, das Risiko steigt mit jedem Tag Verspätung. Dennoch konnten gerade in den letzten Jahren mit mildem Herbst und Winter mit Spätsaaten – teilweise bis Mitte September – noch gute Erträge erzielt werden. Aber günstige Aussaatbedingungen kann man nicht erzwingen. Manchmal lässt die Witterung einfach keine Aussaat mehr zu. Dann soll es so sein.

Ansonsten gilt die alte Grundregel: Saatbett geht vor Saatzeit. Und Geduld ist eine Tugend.

 

27.08.2021         Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL RING GmbH