Rapsernte: Sortenindividuelle Reifeprüfung an den Seitentrieben vornehmen

Gerade für die Winterrapsernte gilt es Vorernteverluste nicht zu überschätzen und späte  Ertragszuwächse nicht zu unterschätzen.

 

Wie unterschiedlich die Erntejahre sind und wie prekär die Mähdruschentscheidung sein kann, zeigten auch die RAPOOL-Ernteversuche von 2014 bis 2016. In zwei von drei Versuchsjahren konnte immer ein Mehrertrag zum zweiten, deutlich überständigen Erntetermin ermittelt werden. Im dritten Jahr allerdings, war der optimale Erntetermin schon zum ersten, ortsüblichen Erntezeitpunkt erreicht und der verzögerte Drusch zeigte durch starke Wind- und Regenereignisse erhöhte Vorernteverluste (siehe Abb.).

Im Schnitt der Jahre blieben aber die Ausfallverluste auf einem niedrigen Niveau. So stieg z.B. der Vorernteverlust im Erntejahr 2015 von 6 kg/ha zum ersten, ortsüblichen Erntetermin um nochmals 16 kg/ha bis zum zweiten, verzögerten Erntetermin (11 Tage später). Die Vorernteverluste betrugen somit im Schnitt ca. 0,22 dt/ha, der Ertragszuwachs durch die verzögerte Ernte ca. 1,3 dt/ha.

Mit einem verzögerten Erntetermin konnte zudem in allen drei Prüfjahren die bessere Strohabreife für eine leichtere Ernte ausgenutzt werden. Innerhalb des Ernteversuchs 2017 z.B. ergab die Auswertung der Rapsstängel einen durchschnittlichen 

Jahresabhängige Vorernteverluste und Ertragszuwächse bei verzögerten ErnteterminQuelle: Rapool (D. Bornhöft) nach W. Dähn, Ernteversuche 2014-2016, Standort Hohenlieth (NPZ), 1. Erntetermin ortsüblich, 2. Erntetermin verzögert, Sortenauszug der Jahre, -15% Parzellenertrag.en
 Jahresabhängige Vorernteverluste und Ertragszuwächse bei verzögerten ErnteterminQuelle: Rapool (D. Bornhöft) nach W. Dähn, Ernteversuche 2014-2016, Standort Hohenlieth (NPZ), 1. Erntetermin ortsüblich, 2. Erntetermin verzögert, Sortenauszug der Jahre, -15% Parzellenertrag.en

Feuchtegehalt von 50,9 % zum ersten Druschzeitpunkt und einen Feuchtegehalt von 38,4 % zum verzögerten Erntetermin. Besonders die früheren Hybriden im Sortiment (z.B. AVATAR, HATTRICK) verloren schneller und stärker an Feuchtigkeit als andere. Sorten mit verzögerter Stängelabreife nutzten die Zeit für weitere Umlagerungen von Stängel ins Korn und zeigten in den Versuchen deutliche Ertragszuwächse (z.B. BENDER, PENN, MENTOR).  

Dania Bornhöft & Wolfgang Dähn, RAPOOL-RING GmbH/ Norddeutsche Pflanzenzucht Hans-Georg Lembke KG