Aufgeplatzte Stängel – mögliche Ursachen

Die Schossphase fällt in diesem Frühjahr kurz und heftig aus. Nachdem die Vegetation bis Ende März auf der Bremse stand, verläuft die Entwicklung nun umso schneller. Schaut man sich die Stängel an, so sind neben intakten Pflanzen häufig auch „Schadstellen“ zu finden. Hierfür kann es mehrere Ursachen geben.

  1. Wachstumsrisse
  2. Frostschäden
  3. Schäden durch den Großen Rapsstängelrüssler

Bild 1: Schadbild Wachstumsrisse
 Bild 1: Schadbild Wachstumsrisse
1. Wachstumsrisse

Besonders bei sehr schnellem Wachstum, wie derzeit, sind Wachstumsrisse häufig an Rapsstängeln zu finden. Die Risse ziehen sich unten, wo der Stängel sehr schnell dicker wird, senkrecht durch. Sie verkorken bei trockenem Wetter in der Regel recht schnell. An den Rändern kann es zu Pilzinfektionen kommen, so dass im späteren Verlauf z.B. Phoma-Infektionen sichtbar werden. Wachstumsrisse sind unvermeidlich, daher besteht außer der „normalen“ Wachstumsregulierung keine weitere Behandlungsnotwendigkeit bzw. Möglichkeit.

2. Frostrisse

Bild 2: Schadbild Frostrisse
 Bild 2: Schadbild Frostrisse
Frost in der Schossphase kommt sehr häufig vor. Oft stehen dann morgens die Haupttriebe nahezu waagerecht, richten sich aber im Tagesverlauf wieder auf. Das ist bis auf ein paar temporär nicht befruchtete Blüten harmlos und wird von den Pflanzen schnell ausgeglichen. Leichte Minustemperaturen können dem Stängel noch nichts anhaben, bei zweistelligen Frostgraden kann es aber auch zum Aufplatzen des Stängels kommen. Eine genaue Grenze ab welcher Minustemperatur dies erfolgt kann aber nicht angegeben werden und hängt auch sehr stark vom Rapsbestand ab. Damit Frostrisse auftauchen, muss es also schon richtig Frost geben. Frostrisse sind optisch ähnlich zu Wachstumsrissen, gehen aber tiefer und gefährden die Stabilität der Pflanzen. Bei Aufplatzen des Haupttriebs kann dieser auch regelrecht umkippen, dann entwickeln sich stattdessen die unteren Seitentriebe. Nach einem heftigen Frostschaden empfiehlt sich eine Fungizidmaßnahme, um die sich auf dem abgefrorenen Gewebe ausbreitenden Pilze (Botrytis) bereits im Ansatz zu behandeln.

3. Schäden durch den Großen Rapsstängelrüssler

Bild 3: Schadbild Großer Rapsstängelrüssler
 Bild 3: Schadbild Großer Rapsstängelrüssler
Der Große Rapsstängelrüssler ist der erste Frühjahrsschädling und fliegt von vorjährigen Rapsschlägen aus zu. Auch 2018 fand ein teilweise sehr früher Zuflug (je nach Region ab Anfang März) statt, teilweise bevor die Gelbschalen aufgestellt wurden. Zudem war es aufgrund abwechselnder Wärme- und Kältephasen nicht einfach, den Befall im Auge zu behalten und bei Bedarf einen optimalen Behandlungstermin für Stängelrüssler, Kohltriebrüssler und auch erste Rapsglanzkäfer zu finden. Dem entsprechend sind auch 2018 wieder Schäden zu finden. Sind die Symptome erst einmal sichtbar, ist keine Behandlung mehr möglich. Sind nur einige Pflanzen befallen, bleibt der Schaden trotz heftiger Optik gering. Larven werden sich auf diesem Feld verpuppen und im kommenden Jahr die Nachbarschläge besiedeln. Daher auf diesem Schlag im kommenden Jahr sehr früh eine Gelbschale platzieren (und kontrollieren!).

Fazit: Wachstumsrisse sind häufig, normal und in jedem guten Rapsbestand zu finden. Sie bilden sich bei starkem Wachstum in der Schossphase. Frostrisse können den Stängel aufplatzen lassen, treten aber nur nach starken Frostphasen auf.

Aufgeplatzte Stängel sind meist das Werk des Großen Rapsstängelrüsslers, der früher auftritt als erwartet und dann bei einer Behandlung oft durchrutscht. Dies bestätigt sich leider auch in diesem Frühjahr wieder. Allerdings bringt das Wetter auch optimale Wachstumsbedingungen, um die Schäden so gut es geht auszuwachsen.

17.04.2018 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH