Raps nicht vorschnell abschreiben und umbrechen

Knospen- und Blütenverluste – was können gute Bestände noch kompensieren?

Immer wieder gibt es Situationen, in denen Rapsbestände bereits vor oder in der Blüte Schäden erleiden. Sei es durch konkrete Ereignisse wie z.B. massiver Schädlingsbefall, Spritzschäden, Frost oder Hagel.

Bild 1: Aktueller Rapsbestand in Niedersachsen
 Bild 1: Aktueller Rapsbestand in Niedersachsen
Oder durch eine Verkettung unglücklicher Witterungskonstellationen, die im Frühjahr 2018 verbreitet für mehr oder minder starke Knospenreduktionen (physiologische Knospenwelke) gesorgt hat.

So wie in Bild 1 aus Niedersachsen präsentieren sich aktuell viele Rapsbestände. Durchaus kräftig, mit guter Bestandesdichte, aber bisher ohne Blüten.

Das Einschätzen solcher Schäden ist und bleibt schwierig. Jeder weiß, dass Raps viel kompensieren kann. Aber leider nicht alles. Und die Möglichkeit der Kompensation hängt von zwei Faktoren ab.

  • Wie kräftig sind die verbleibenden Einzelpflanzen bzw. der Rapsbestand?
  • Erlaubt der weitere Wachstumsverlauf eine gute Regeneration oder kommen noch weitere Witterungsturbulenzen wie z.B. Hitzewellen oder Trockenstress hinzu. Das kann leider nicht vorhergesagt werden.

Bild 2: Versuch der Landwirtschaftskammer Hannover 2017
 Bild 2: Versuch der Landwirtschaftskammer Hannover 2017
Um den eigenen Rapsbestand besser einzuschätzen, sollte der Blick nicht auf die fehlenden Blüten, sondern auf die jungen Seitentriebe und ihre Knospenanlagen gerichtet werden. Schon bei genauerer Betrachtung des Bestandes in Bild 1 werden auf den zweiten Blick viele kleine Knospenanlagen sichtbar. Vergleicht man das Bild jetzt und in nur 2-3 Tagen, sollte sich schon eine zügige Weiterentwicklung zeigen. Denn die kühlere, unbeständige Witterung gibt diesen Beständen eine nötige Erholungsphase. Solche Bestände sind kräftig genug, um noch eine gute, verspätete Blüte aus den Seitentrieben zu starten. Sie sollten keinesfalls zu früh abgeschrieben werden, sondern ihre Chance bekommen.

Wie hoch die Regenerationsfähigkeit ist, zeigen auch Versuche der Landwirtschaftskammer Hannover, siehe Bild 2. 2017 wurden auf einem Standort mit schwachem Rapsbestand und hohem Rapsglanzkäfer-Druck in einer Variante als zusätzlicher Stress die oberen Triebe per Hand abgeschnitten. Bei der Ernte erreichte die Variante D „geköpft“ den gleichen Ertrag wie die Kontrolle. In die gleiche Richtung gehen auch ältere Erfahrungen.

Beispiel Regeneration nach massivem Rapsglanzkäfer-Schaden

Bild 3: Rapsglanzkäfer-Befall
 Bild 3: Rapsglanzkäfer-Befall
Im Jahr 2006 trat die zunehmende Pyrethroid-Resistenz der Rapsglanzkäfer erstmals großflächig in Schleswig-Holstein auf. Ganze Landstriche kamen nicht zur Blüte. Bild 3 zeigt einen stark betroffenen Rapsschlag, der bis zum 25. Mai sowohl am Haupttrieb als auch an den Seitentrieben erster Ordnung noch keine Blüte öffnen konnte. Erst der Einsatz des damals neuen, sehr begrenzt verfügbaren Biscaya unterbrach den Glanzkäfer-Fraß. Innerhalb von nur 14 Tagen konnte der Raps aus neuen Knospenanlagen zweiter und dritter Ordnung komplett aufblühen. Wiederum 3 Wochen später präsentierte sich das Feld mit einem nicht für möglich gehaltenen Schotenansatz. Der Erntetermin war entsprechend deutlich später, der Ertrag war aber für sandige 25 Bodenpunkte mit ca. 32 dt/ha auf fast normalem Niveau. Voraussetzung für diese Regenerationsleistung waren Rapspflanzen, die wachsen wollten und konnten, kombiniert mit einem passenden Witterungsverlauf.

Grenzen der Regeneration

Bild 4: Bestandesdichte und Zusatand der Einzelpflanzen
 Bild 4: Bestandesdichte und Zusatand der Einzelpflanzen
Regenerationsfähigkeit setzt eine ausreichende Bestandesdichte mit ausreichend kräftigen Einzelpflanzen voraus. In Bild 4 lassen sowohl die Bestandesdichte als auch der Zustand der Einzelpflanzen wenig Hoffnung auf ausreichende Erträge. Falls es noch Anbaualternativen gibt, ist hier auch jetzt noch ein Umbruch zu überlegen.

 

27.04.2018 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH