Rapsaussaat 2018 – wie geht es mit der Trockenheit weiter?

Hinweise zur Bodenbearbeitung und Saatbettbereitung.

Die Ausgangslage:

  • Trockenheit seit April/Mai hat sich zur Dürre ausgeweitet
  • Extrem frühe Ernte
  • Erträge der Druschkulturen meist 20 bis 50% unter dem Durchschnitt
  • Geringe Strohmengen, die zudem oft abgefahren wurden
  • Niederschläge nur punktuell und zu gering für nachhaltige Entspannung
  • Teils extreme Futterknappheit, Noternte von Mais
  • Dürre erschwert und verhindert die Aussaat von Zwischenfrüchten und Ackergräsern
  • Ausfallgetreide und Ausfallraps laufen schlecht bis gar nicht auf

Leichte Entspannung angekündigt – dennoch sind alle Niederschläge kostbar

Vertraut man den Wetterprognosen, soll die extreme Hitze Anfang August von einem Tiefdruckgebiet zunächst vertrieben werden. Inklusive Niederschlägen in ganz Deutschland und ein paar wechselhaften Tagen. Ob und wieviel Regen fallen wird, ist jedoch fraglich. Das vorhandene Niederschlagsdefizit (siehe Abb. 1) wird jedenfalls nicht aufgefüllt.

 

So langsam geht es an die Vorbereitung der Rapsaussaat

Die Ernte erfolgte extrem früh. Dennoch ist auf vielen Schlägen aufgrund der Trockenheit noch nicht viel passiert. Vielfach wurden Fahrspuren aufgezogen. Teils erfolgte eine erste Bearbeitung mit Mulcher, Strohstriegel oder sehr flacher Scheibenegge. Oft wurden die Stoppeln bisher überhaupt nicht bearbeitet, da die Restfeuchte nicht einmal zum Auflaufen des Ausfallgetreides gereicht hat. In Teilen von Bayern und Baden-Württemberg sieht es etwas besser aus, ebenso dort wo es bisher doch Regen gegeben hat. Falls es bis zum 15. August etwas regnet (mindestens 10-15 mm), wird die Feuchte hoffentlich zumindest für eine Auflaufwelle von Ausfallgetreide und Unkräutern ausreichen. Dazu eine (weitere) sehr flache Bodenbearbeitung mit Strohstriegel oder sehr flacher Scheibenegge durchführen (max. 3-4 cm).

Wie ist die Bodenstruktur?

 
In diesem Jahr ist vieles möglich. Bessere Böden mit höherem Tonanteil haben aktuell eine sehr schöne Trockengare erreicht und erfordern keine tiefere Bearbeitung. Trockene Jahre bieten andererseits die Chance, Bodenverdichtungen mechanisch wieder aufzubrechen. Auf leichteren Standorten und bei bekannten Störschichten sollte daher vor der Saat / zur Saat ein tiefer Arbeitsgang erfolgen, ohne allerdings zu viele grobe Kluten an die Oberfläche zu holen. Die bisherigen Praxismeldungen sind unterschiedlich und schwanken von Böden, die beim Pflügen super fallen, bis hin zu steinhart und grobklutig. Die Entscheidung zu Bearbeitungszeitpunkt, Tiefe und Technik muss damit individuell getroffen werden. Weitere Hinweise zur Bodenbearbeitung.

Der letzte trockene Herbst im Jahr 2016 war im Gegensatz zum aktuellen Jahr bis Anfang August sehr nass, danach schlagartig heiß und trocken. Oft wurden bei der Grundbodenbearbeitung nasse Kluten erzeugt, die sehr schnell austrockneten und danach nicht mehr klein zu bekommen waren. Ergebnis war ein zu grobes Saatbett ohne Wasseranschluss von unten. Folge war ein später, verzettelter, lückiger Feldaufgang. Größtes Ertragshandicap waren jedoch Frühjahrstrockenheit und Frost in der Blüte.

Das Foto mit dem heterogenen Feldaufgang erlaubt 2 interessante Beobachtungen:

  1. Heterogener Feldaufgang. Zweite Welle erst nach Niederschlägen aufgelaufen.
     Heterogener Feldaufgang. Zweite Welle erst nach Niederschlägen aufgelaufen.
    Warum ist der Raps trotz relativ homogen scheinendem Saatbett nicht gleichmäßig aufgelaufen? (Nicht genügend Feinerde? Ungleichmäßige oder zu flache Ablage? Nicht ausreichende Rückverfestigung) => Was kann verbessert werden?
  2. Die Pflanzen der ersten Welle haben sich trotz Trockenheit sehr gut entwickelt. Der größte Wasserbedarf besteht also zur Keimung, danach ist der Raps sehr genügsam. Das richtige Saatverfahren hängt in erster Linie von der verfügbaren Technik sowie von der Bodenfeuchte ab. Bei nur wenig Niederschlag bis zur Saat ist voraussichtlich nur der obere Bodenbereich durchfeuchtet. Diese feuchte Zone gilt es dann bei der Saat maximal zu nutzen. Keine mischende Bodenbearbeitung, die dann noch trockene Erde in den Saathorizont befördert! Je trockener, desto wichtiger sind schlagkräftige Bestellung und unmittelbar folgende bestmögliche Rückverfestigung. Bei guter Bodenstruktur kann die Aussaat sogar als Direktsaat in die Stoppel laufen, falls das Stroh entsprechend abgefahren wurde und die Sämaschine über genügend Schardruck verfügt. Wichtig ist die Platzierung der Saatkörner auf dem festeren Untergrund sowie genügend Feinerde für einen guten Wasseranschluss.

Tipp: Einfacher Kressetest gibt Sicherheit vor eventuellen Nachbauproblemen.

 
Wann ist der optimale Saattermin?

Auch in diesem Jahr gilt die alte Grundregel: Saatbett geht vor Saatzeit. Doch auch wenn Niederschläge bis zum 15. August zur Rapsaussaat verlocken sollten, ist Vorsicht geboten. Denn die Böden sind sehr warm, und die Prognosen gehen eher warm und trocken weiter. Aussaaten vor dem 20.08. stellen extreme Frühsaaten dar und drohen bei fehlender Anschlusswasserversorgung zu vertrocknen, bei guter Wasserversorgung neben erhöhtem Krankheitsrisiko (Kohlhernie, Verticillium) stark zu überwachsen. Aufgrund der hohen Bodentemperaturen (siehe Karte)  liegen optimale Saattermine (je nach Region, Boden und Höhenlage) in diesem Jahr sicherlich eine Woche bis 10 Tage später als im langjährigen Schnitt, für viele Standorte zwischen 25.08. und 05.09. Die empfohlene Saatstärke beträgt ca. 40 keimfähige Körner/m². Spätsaaten sind je nach Region auch vom 10. bis 15. September möglich. Eine Aussaat in trockene Böden vor den zu erwartenden Niederschlägen ist immer mit Unsicherheit verbunden, bietet aber neben guter Befahrbarkeit auch arbeitswirtschaftliche Vorteile.

Tipp: Nicht in heiße, trockene Böden säen, da dort das Saatgut bei über 20°C eine Keimruhe ausbilden kann. Besser Regen abwarten und später säen.

Bei ausreichender Bodenfeuchte und nach Niederschlägen kann die Aussaat besser an die tatsächlichen Verhältnisse (Saatbettqualität, Saatstärke, Ablagetiefe, Rückverfestigung) angepasst werden. Dies ist klar zu bevorzugen, auch wenn es dann vielleicht später wird. Die Saatstärke stellt immer einen Kompromiss aus kräftiger Einzelpflanze und Bestandsbildung dar.

 
Kritisch sind vor allem schlechte Feldaufgänge bei Trockenheit und / oder schlechter Saatbettstruktur. Hier darf die Saatstärke gern >50 Körner/m² betragen. Spätsaaten in ein feuchtes, gut strukturiertes Saatbett erfordern keinen oder nur einen geringen (+ 5 Kö/m²) Saatgutzuschlag, sofern wüchsige Hybriden inklusive DMM verwendet werden.

Tipp: Aufgrund der hohen Bodentemperaturen werden selbst Spätsaaten bei ausreichender Bodenfeuchte nach Niederschlägen sehr schnell auflaufen. Die vielfach vorhandene Trockengare und Nährstoffverfügbarkeit erlaubt anders als im Vorjahr eine zügige Durchwurzelung.

Stickstoffdüngung zur Saat erforderlich?

  • Je geringer der diesjährige Ertrag, desto geringer die N-Entzüge => es befindet sich noch viel Düngungs-N im Boden, insbesondere wenn Stroh abgefahren wurde. Dieser Stickstoff wird beim Durchfeuchten der Ackerkrume sehr schnell wieder verfügbar. Bei eventuellem N-Bedarf ist ein Nachdüngen immer noch bis zum 30.09. machbar.
  • Bei eigenem Wirtschaftsdünger werden die max. 30/60 kg N/ha nach Vorgabe der DüV wahrscheinlich zur Ausbringung voll ausgenutzt. Ein gut entwickelter Raps ist in der Lage, diese N-Mengen vollständig zu erschließen. Oft können wüchsige Bestände so bereits im Herbst über 100 kg N/ha aufnehmen und verwerten, bei der Frühjahrsdüngung kann dann deutlich gekürzt werden.

Weitere Infos zur Nährstoffkonservierung und zum Nährstoffsaldo finden Sie in den jeweiligen Links. Besteht die Möglichkeit zur Unterfußdüngung, so sind bei zu hohen N-Salden eventuell N-freie PK-Dünger die bessere Wahl. Tendenziell haben dieses Jahr Bestände mit besserer Grundnährstoffversorgung die stabileren Erträge gezeigt.

Tipp: Zur Schädlingskontrolle stellen Sie am besten gleich nach der Saat eine Gelbschale auf und legen Sie dort auch ein Sclerotiendepots an (aber dafür fehlen in diesem Jahr mangels Infektion wahrscheinlich die Sclerotien).

Fazit: Nach langer Dürre bestimmt das Warten auf ausreichende Niederschläge die Planungen für die kommende Rapsaussaat. Ganz ohne Wasser wird es nicht gehen, aber der Raps ist erstaunlich genügsam, sobald Saat und Feldaufgang geklappt haben. Und eines ist klar: Raps ist eine super Vorfrucht. Nicht umsonst ist der Qualitätsweizen nach Vorfrucht Raps ertragliches und ökonomisches „Zugpferd“ vieler Fruchtfolgen.

 

08.08.2018 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, Rapool-Ring GmbH