Rapsaussaat 2019 – verbreitet trocken. Wie im Vorjahr, aber anders!

In weiten Teilen Deutschlands ist es bereits seit dem Vorjahr durchgehend zu trocken und zu heiß. 

Ausgerechnet Anfang Mai während der Rapsblüte war es allerdings kalt und frostig, der Schotenansatz hat gelitten. Hinzu kam die Hitzewelle Ende Juni, mitten in die Abreife. Die Erträge lagen dann oft zwischen 35 und 40 dt/ha. Deutlich besser als im Vorjahr und im Bereich des langjährigen Durchschnittsertrags, aber nicht der erhoffte Befreiungsschlag. Gefühlt wäre mehr drin gewesen. Die Preise konnten sich in den vergangenen Monaten leicht festigen, liegen aber immer noch unter der psychologisch wichtigen Marke von 40,- €/dt. Dies erklärt, warum die Stimmungslage momentan noch eher nüchtern ist.

Dabei gibt es durchaus positive Perspektiven für die kommende Rapsaussaat:

Rapsaussaat 2019
 Rapsaussaat 2019

  • Raps ist als wichtigste Blattfrucht in vielen Fruchtfolgen nicht zu ersetzen
  • Raps ist Gesundungskultur für Getreide-Fruchtfolgen
  • Raps kann bereits im Herbst hohe Nährstoffmengen aufnehmen und konservieren
  • Raps liefert wertvolle Ernterückstände für Humusaufbau und Bodenfruchtbarkeit
  • Raps stabilisiert damit die Erträge aller Fruchtfolgeglieder
  • Raps mit positiven Preisaussichten für 2020

Die aktuelle Situation

Waldbrandgefahrenindex (WBI)
 Waldbrandgefahrenindex (WBI)

Obwohl die Trockenheit aktuell in vielen Regionen noch andauert, ist auf den Äckern eine andere Bodenfeuchte zu finden als im Vorjahr. Im Unterboden fehlt überall Wasser. Aber zumindest im Krumenbereich sind der Norden und der Süden und teilweise der Westen je nach Gewitterniederschlägen teils knapp, teils gut versorgt. Es ist mäßig warm, aber ohne Hitzewelle. Dafür mit höheren Luftfeuchten und auch Tau. Anders als im Vorjahr laufen Unkräuter, Ausfallgetreide und Ausfallraps nach der Stoppelbearbeitung auf.

Ein Blick auf die Waldbrand–Gefahrenkarte verdeutlicht, dass die Trockenheit im Oberboden in Sachsen-Anhalt und Brandenburg am stärksten ausgeprägt ist. Bleibt es weiter trocken, liegen hier auch die Problemzonen für die kommende Aussaat.

Bodenstruktur und Bearbeitungstiefe

Die bisherigen Praxismeldungen sind unterschiedlich und schwanken von Böden, die beim Bearbeiten gut fallen, bis hin zu Böden, die hart und grobklutig sind. Die Entscheidung zu Bearbeitungszeitpunkt, -Tiefe und -Technik muss damit individuell getroffen werden. Ist Feuchte vorhanden, dann in der Regel oberflächlich.

Die Wintergerste hat früh geräumt, trotz hoher Strohmengen sollten diese schon gut eingearbeitet und vorgerottet sein. Ansonsten besteht bei der Bearbeitung ein Zielkonflikt zwischen der Einarbeitung hoher Strohmengen und der Gefahr, mit der tiefen Bearbeitung trockenen Boden nach oben zu holen. Bei heißer Witterung hilft es die Bodenbearbeitung und Aussaat in die Nacht- und frühen Morgenstunden zu verlegen, um unproduktive Verdunstung zu minimieren.

Hinweise zur Rapsaussaat: Wann flach, wann tief?

Der größte Wasserbedarf besteht zur Keimung, danach ist der Raps sehr genügsam. Anders als im Vorjahr ist aktuell selbst ohne Niederschlag mehr Feuchtigkeit in der Luft, die den Saathorizont positiv beeinflusst. Denn zwischen Luftfeuchte und Bodenfeuchte besteht ein Gleichgewicht. Gibt es nachts Tau, zieht immer etwas Feuchte in den Boden, dies reicht zum Überleben der Rapssaat aus, wenn die Wurzeln nach unten genügend rückverfestigte Feinerde vorfinden. Die Voraussetzungen zur Saat sind daher trotz tief ausgetrockneter Böden oft sogar besser als im Vorjahr.

Bleiben Niederschläge allerdings auch bis Anfang/Mitte September aus, wird ein Teil der geplanten Rapsfläche wie im Vorjahr gar nicht erst gesät werden. Wurde vor 2 Jahren noch über zu viel Raps in der Fruchtfolge diskutiert, werden einzelne Regionen in den Trockengebieten Brandenburgs und Sachsen-Anhalts bereits im zweiten Jahr keinen Raps mehr anbauen – das spüren dann auch die Imker.

Bei begrenzt vorhandener Bodenfeuchte gilt es, diese maximal zu nutzen. Keine mischende Bodenbearbeitung, die dann noch trockene Erde in den Saathorizont befördert! Insbesondere bei Pflugsaaten kann das Hochpflügen trockenen Bodens ein Problem darstellen, wenn es danach entweder gar nicht mehr regnet – oder es zu viel Niederschlag gibt. Wichtig ist eine gute Rückverfestigung und genügend Feinerde, damit das Saatkorn Anschluss an das Kapillarwasser bekommt. Die Saat sollte 1 – 2 cm tiefer auf 3 – 4 cm abgelegt werden. Die Qualität der Ablagetiefe und Rückverfestigung muss stimmen!

Bei guter Bodenstruktur kann die Aussaat sogar als Direktsaat in die Stoppel laufen, falls das Stroh nicht stört und die Sämaschine über genügend Schardruck verfügt. Wichtig ist die Platzierung der Saatkörner auf dem festeren Untergrund sowie genügend Feinerde.
 Bei guter Bodenstruktur kann die Aussaat sogar als Direktsaat in die Stoppel laufen, falls das Stroh nicht stört und die Sämaschine über genügend Schardruck verfügt. Wichtig ist die Platzierung der Saatkörner auf dem festeren Untergrund sowie genügend Feinerde.

Ist im gesamten Saathorizont keinerlei Feuchte vorhanden, war im Herbst 2018 die sehr flache Saatgutablage in den Staub erfolgreicher. Statt der vom Wetterbericht angekündigten verbreiteten Niederschläge fielen dann lokal keine oder nur wenige Liter/m². Die besten Feldaufgänge erreichten Sandböden sowie die flache Ablage. Auf Sandböden dringen selbst geringe Niederschläge tiefer ein, da der Boden selbst das Wasser kaum festhält.

Vertrocknende Pflanzen sind dort zu finden, wo nach dem Feldaufgang die weitere Feuchtigkeit fehlt. Die Gefahr ist am größten, wenn Feinerde und Rückverfestigung fehlen, das Saatbett also bei trockener Bestellung zu klutig war. Brocken bei der Bearbeitung müssen daher vermieden oder sofort zerkleinert werden, so lange der Boden noch bearbeitungsfrisch ist. Ausgetrocknete Ton- und Lehmbrocken sind kaum noch klein zu bekommen. Bei geringen Niederschlägen bleibt das Wasser in den oberen cm hängen und erreicht die Samen nicht. Ausgetrocknete Tonböden binden das Wasser zudem so fest, dass es nicht pflanzenverfügbar ist.

Bei nassen Böden begrenzen häufig der mangelnde Sauerstoffgehalt und die langsamere Erwärmung des Bodens die schnelle Keimung. Eine flache Aussaat (1 – 2 cm) bietet hier Vorteile. Dies gilt auch für Spätsaaten.

Stickstoffdüngung erforderlich?

Im Rahmen der Düngeverordnung bestehen für Raps nach Vorfrucht Getreide nach wie vor Möglichkeiten zur Herbst N-Düngung. Zuerst muss allerdings der Bedarf geprüft werden. 

Insbesondere in den (potenziell) roten Gebieten ist eine sorgfältige Planung plus Dokumentation erforderlich:

  • Tendenziell wurde im Frühjahr 2019 deutlich weniger N ausgebracht. Sei es wegen Trockenheit, der Düngeverordnung, aus Kostengründen oder auf Grund einer guten Herbst–Biomasse (Raps).
  • Bei guten Erträgen der Getreide - Vorfrucht wurden auch hohe Entzüge realisiert. Zugleich bindet die Strohrotte vorübergehend einiges an N. Daher evtl. eine kleine mineralische N-Gabe von 30 kg einplanen, falls bis Mitte September nur mäßige Wachstumsbedingungen vorherrschen. Nachdüngen bis 30.09. zulässig.
  • Anders auf Trockenstandorten, wo noch ausreichend N vorhanden sein müsste, wegen Trockenheit aber zunächst nicht verfügbar ist. Bei Durchfeuchtung kein Mangel zu erwarten. Bei eventuellem N-Bedarf ist ein Nachdüngen noch bis zum 30.09. machbar.
  • Bei eigenem Wirtschaftsdünger werden die max. 30/60 kg N/ha nach Vorgabe der DüV wahrscheinlich voll ausgenutzt. Ein gut entwickelter Raps ist in der Lage, diese N-Mengen vollständig zu erschließen und wie im Herbst 2018 über 100 kg N/ha aufzunehmen. Entsprechend wurde 2019 dann die Frühjahrsdüngung oft auf 140 kg N/ha gekürzt.

Fazit: Die Erträge waren auf manchen Betrieben vielleicht nicht so gut wie erwartet, aber für die Herausforderungen im Vegetationsverlauf immerhin anständig. Probleme liegen eher im Bereich der Produktionskosten, wenn mehrfach behandelt werden musste. Aber auch hier gab es Regionen mit deutlich geringerem Schädlingsdruck. Auch im fungiziden Bereich und bei der N-Düngung konnte gespart werden. Raps bietet hier ein einzigartiges/enormes Potenzial, neben dem Kornertrag ist das zusätzlich abgerechnete Öl der entscheidende Joker!

Die Rapsernten in ganz Europa sind kleiner ausgefallen als von den Analysten erwartet, Bedarf bei den Verarbeitern ist aber vorhanden und Palmöl wird knapper. Dies ist in der Preisentwicklung bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt.

Die Aussaatbedingungen sind besser als im Vorjahr. Nicht überall, aber zumindest überall dort, wo nach der Stoppelbearbeitung auch Ausfallgetreide und Ausfallraps auflaufen. Nach einem Höchststand von über 1,5 Millionen ha ist der Rapsanbau über die Jahre zurückgegangen und zur Aussaat 2018 erstmals wieder unter 1 Mio. ha gefallen. Damit liegt der Anbauumfang auf den meisten Betrieben in einem für die eigene Fruchtfolge unkritischen Bereich.

Zusammenfassende Bewertung: Das Glas ist (mindestens) halb voll.

 

15.08.2019 Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH