Problembestände - eine Herausforderung für den Mähdrusch

Bis zur Ernte 2020 musste der Raps einiges aushalten. Trockenheit, schlechter Feldaufgang, verspätete Düngetermine wegen Nässe im Februar. Ein ausgefallener Winter, dafür dann aber regional Frost beim Schossen und in der Blüte. Ungewöhnlich auch ein regional starker Frühjahrsbefall mit Rapserdfloh-Larven. Dafür spielten andere Schädlinge nur eine untergeordnete Rolle.

Abb. 1 Gleichmäßge Abreife von oben nach unten und Stängelfeuchten unter 50% sorgen für eine gute Druschfähigkeit
 Abb. 1 Gleichmäßge Abreife von oben nach unten und Stängelfeuchten unter 50% sorgen für eine gute Druschfähigkeit
Neben schwachen Beständen mit Ertragserwartungen um 20 dt/ha sind deshalb in diesem Jahr auch richtig gute Rapsbestände mit einem Potenzial von über 50 dt/ha zu finden. Natürlich abhängig von der Region, vom Boden, vom Niederschlag usw., aber manchmal stehen gute und schlechte Rapse fast nebeneinander.

Unterschiede im Abreifeverhalten

So unterschiedlich wie die Ertragserwartung sind auch die Herausforderungen beim Mähdrusch. Meist sind gute Bestände noch am leichtesten einzustufen, denn sie folgen altbekannten Abreifemustern mit einem klaren Haupttrieb, mehreren Seitentrieben und einer halbwegs gleichmäßigen Schotenabreife. Auch wenn die Rapsbestände in diesem Jahr meist kurz geblieben sind und die Stängel oft deutlich dünner sind, müssen immer noch mehr als 10-12 Tonnen Material/ha mit durchschnittlich 30-40% Feuchte

Abb. 2 Druschfraktionen und Ihre Feuchte
 Abb. 2 Druschfraktionen und Ihre Feuchte
den Drescher passieren. Je nach Stängelgesundheit oder Unkrautbesatz kann die Feuchte aber auch deutlich höher liegen. Erst bei Strohfeuchten unter ca. 50% sinkt der Druschkraftbedarf. Ein paar Tage Geduld können bei stabiler Witterung den Drusch spürbar erleichtern und Druschverluste verringern. Die Schnitthöhe sollte daher so hoch möglich und so tief wie nötig angesetzt werden. Die Feuchtigkeit im Stängel nimmt nach unten hin zu. So kann man nicht nur Feuchtigkeit aus dem Druschprozess fernhalten, sondern es gelangt auch weniger Material durch den Drescher, was die Reinigungsleistung (z.B. auf den Sieben) deutlich verbessert, einen verlustärmeren Drusch ermöglicht oder die Flächenleistung steigern kann.

Abb. 3 Pflanzen mit befallsbedingt starken Seitentrieben birgen Herausforderungen beim Mähdrusch
 Abb. 3 Pflanzen mit befallsbedingt starken Seitentrieben birgen Herausforderungen beim Mähdrusch
Problembestände schwer zu beurteilen

Kranke oder gestresste Bestände reifen oft sehr heterogen ab. Beispielsweise kam es durch Frosteinwirkung lokal zu Stängelschäden und abgeknickten Trieben. Oder zu einem schlechtem Schotenansatz an Haupt- und frühen Seitentrieben. Abbildung 3 zeigt 3 mehr oder minder stark vom Erdfloh befallene Pflanzen. Der Haupttrieb ist verkümmert, Ertrag muss über die Seitentriebe kommen. Erstaunlich ist die relative hohe Anzahl von Schoten, welche von diesen schwer befallenen Pflanzen noch ausgebildet wurden – Indiz für die hohe Kompensationsfähigkeit, falls die Witterung es zulässt.

Solche Bestände zeichnen sich für den bevorstehenden Mähdrusch durch mehrere Herausforderungen aus:

  • Verzettelter Schotenansatz / lange Blüte sorgt für ein breites Spektrum unterschiedlich alter Schoten. Diese werden nicht zum gleichen Zeitpunkt reif sein.
  • Schwache, beschädigte oder kranke Stängel bedeuten verminderte Standfestigkeit, die Bestände sind kurz und drohen durchzusacken.
  • Häufig drohen die Schoten wegen zusätzlichem Krankheits- oder Schädlingsbefall vorzeitig aufzuplatzen oder auszufallen.
  • Dünne Bestände trocknen zwar sehr schnell und gleichmäßig ab, sind dann aber extrem windgefährdet.
  • In vielen kurzen, dünnen Beständen konnten sich zudem auch Unkräuter wie Kamille oder Klette „hocharbeiten“ und drohen den Mähdrusch zu behindern. Auch wenn der Einsatz von Glyphosat-haltigen PSM auf stark verunkrauteten Teilflächen zulässig ist, sollte der Einsatz gut bedacht werden. Blühende Unkräuter werden von zahlreichen Insekten beflogen. Unbedingt vorab den/die ansässigen Imker kontaktieren und gesetzliche Wartezeiten einhalten.

Abb. 4 Mähdruscheigenschaften der RAPOOL-Sorten
 Abb. 4 Mähdruscheigenschaften der RAPOOL-Sorten
Insgesamt gilt für Problembestände, die Gesamtverluste (Vorernte-/Ausfall-, Druschverluste) zu minimieren. Verläuft die Abreife halbwegs geordnet und das Erntewetter bleibt stabil, Geduld bewahren. Es wird aber wahrscheinlich keinen wirklich optimalen und einfach zu bestimmenden Erntetermin geben.

Bei drohendem Wetterumschwung mit Regen und Sturm aber abwägen, wo höhere Schäden zu erwarten sind:

  • In reifem Weizen wegen drohendem Qualitätsverlust?
  • In Rapsbeständen mit höherem Ertragspotenzial, um in knapper Zeit mehr Erntemenge zu sichern?

Falls beides nicht zutrifft, dann lieber nicht zu lange warten und Problemschläge räumen.

Die sortentypischen Reifetermine (Siehe Abb.) können sich in Abhängigkeit von Standort, Saattermin und Düngung, aber auch krankheitsbedingt (Phoma, Verticillium, Sclerotinia) noch leicht verschieben. Ein Rapsbestand mit gesunden, grünen Stängeln ist zwar später zu dreschen, wird aber hoffentlich als Ausgleich auch einen höheren Ertrag liefern.

08.07.2020  Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH



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