Aktuelle Prognose Rapserdfloh, WR-Einsatz und Phoma (KW 40)

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster

In den vergangenen Tagen fiel der dringend benötigte Regen: In großen Teilen Deutschlands mehrere Tage am Stück flächendeckend und teils auch ergiebig. Auch der dürregeplagte Osten bekam reichlich ab. Im sonst nassen Norden fielen dagegen teilweise keine 10 mm.

In Rapsbeständen, die weit und gleichmäßig entwickelt sind, kann die geschobene Wachstumsregler-Maßnahme in dieser Woche durchgeführt werden, sofern nicht bereits geschehen. Restmengen von Matador aufbrauchen. Die Aufwandmenge sollte in weniger weit oder ungleichmäßig entwickelten Beständen (viele kleine Pflanzen) heruntergenommen oder noch gewartet werden. Wenn erst 4 oder weniger Blätter ausgebildet wurden, neigt der Raps nicht mehr zum Überwachsen. Bei feucht-milder Witterung können Sie auch im Spätherbst mit Schwerpunkt Phoma reagieren.

Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen
 Rapserdfloh-Neuzuflugbedingungen

Weil es vielerorts der erste nennenswerte Niederschlag dieses Monats war, spielt Phoma in den meisten Regionen weiterhin keine Rolle. Erste, vereinzelte Phoma-Blattflecken zeigen sich in früh gesäten Beständen im Norden. Kontrollieren Sie dort Ihre Bestände. Auch im Süden Bayerns ist das Risiko für Phoma-Befall in Frühsaaten bereits leicht erhöht (Niederschläge Ende August/Anfang September).

Die warme Witterung in der vergangenen Woche hat wie vorhergesagt weiteren Zuflug des Rapserdflohs ausgelöst. In einigen Gelbschalen sind die Fänge nochmals deutlich angestiegen, teilweise auf inzwischen mehrere hundert Käfer (z.B. Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Franken). Der Massenzuflug resultiert aus günstigen Bedingungen für den Populationsaufbau: Zwei milde Winter in Folge, dazu hohe Oktobertemperaturen, die den Käfern gute Eiablagebedingungen bescherten. Warnsignale für die teils enormen Käfermengen waren Rapsbestände mit hohem Erdflohlarven-Befall im Frühjahr und sehr viele Käfer zur Ernte im Drescher und auf den Erntewagen… Es gibt aber auch viele Regionen, in denen insgesamt „weniger los ist“ (z.B. Rheinland-Pfalz). Auch in direkter Nachbarschaft zu stark besiedelten Flächen gibt es Schläge mit weiterhin geringen Käferfängen. Behandlungsentscheidungen dürfen sich also nur auf eigenen Pflanzenkontrollen und Gelbschalenfängen stützen.

Was ist zu tun?

Bei ansteigenden Temperaturen ist ab Mittwoch/Donnerstag wieder Neuzflug möglich. Gelbschalen weiter regelmäßig kontrollieren.

Sofort behandeln, wenn der Käfer in schwachen, verzettelt aufgelaufenen oder später gesäten, noch kleinen Beständen jetzt noch richtig „zuschlägt“ (mehr als 10% Blattfraß), falls nicht bereits erfolgt.

Zum Glück haben sich in diesem Herbst viele Rapsbestände schnell und gut entwickelt, so dass der Reifungsfraß auch bei vielen Käfern wenig Schaden angerichtet hat. Wenn Sie daher bis jetzt noch nicht behandelt haben:

Abwarten! Sie erzielen wegen fortgeschrittener Eiablage nur noch eine Teilwirkung, wenn Sie jetzt behandeln. Außerdem ist die Zuflugperiode in den meisten Regionen noch nicht zu Ende. Warten Sie mit der Behandlungsentscheidung bis zum Larvenschlupf. Sie kontrollieren dann den Befall anhand der Larven-Symptome an den Blattstielen. Es sind die Oktobertemperaturen, die über die Intensität der Eiablage und die Geschwindigkeit der Larvenentwicklung bestimmen. So kann ein sehr kühler Oktober den Erdfloh auch noch bremsen. Kommt in der Region der Schwarze Kohltriebrüssler vor: Achten Sie jetzt in Ihren Gelbschalen auch auf diesen Käfer. Er fliegt meistens später zu als der Rapserdfloh. Nach dem Zuflug bleiben Ihnen nur wenige Tage für die Behandlung. Denn anders als beim Erdfloh muss beim Schwarzen Kohltriebrüssler die Eiablage verhindert werden. Fliegt der Schwarze Kohltriebrüssler ab Mitte Oktober zu, können Sie mit der Behandlung auch die ersten Erdflohlarven mitbehandeln.

Wer im hohen Norden (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern) mit Starkzuflug des Rapserdflohs erst nach Mitte September zu tun hat: Sie könnten mit einer Behandlung jetzt die meisten dieser Käfer noch an der Eiablage hindern. Es bleibt aber ein Restrisiko: Sie sollten im Spätherbst auf Larvenbefall kontrollieren. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass schon ein Teil der Eier gelegt wurde, und es muss auch noch mit Neuzuflug gerechnet werden.

 



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Teilnahmeschluss: 31. Dezember 2020

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