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Raps: Empfehlungen zur Vollblütenbehandlung 2021

Wie ist die Ausgangslage?

Die Rapsbestände präsentieren sich deutschlandweit in allen Regionen unterschiedlich, aber meistens gut bis sehr gut. 

Die Wurzelentwicklung überzeugt positiv und der kühlere Frühjahrsverlauf ließ die Rapsbestände langsam wachsen. Sorgen bereiten Bestände mit stärkeren Erdfloh-Larvenschäden, welche auf eine lange Eiablageperiode während des meist warmen Winters (lediglich im Februar für 3 Wochen kalt) zurückzuführen sind. 

Mit Ausklang des Aprils ist immer noch keine neue Wärmewelle in Sicht. Die Nachtfröste sind stressig, aber nicht wirklich ertragsgefährdend. Die Temperaturen werden zum Mai zumindest leicht steigen, die Nächte werden frostfrei, und es wird unbeständigeres Wetter mit Schauern angekündigt. Also wird auch die Rapsblüte in moderatem Tempo beginnen, zumal die Böden noch relativ kühl sind. So werden wir das erste Mal seit gefühlten 10 Jahren wieder einen „normalen“ Rapsblütetermin Anfang Mai haben. Bisher durchaus positiv für die Rapsentwicklung.

Rapspflanze zu Blühbeginn (Ab.. 1/5)
 Rapspflanze zu Blühbeginn (Ab.. 1/5)

Die Einzelpflanzen sind zu Blühbeginn stämmig. Die Nährstoffversorgung funktioniert bis auf sehr trockene Standorte gut, da auch das etwas langsamere Pflanzenwachstum dem Wurzelsystem ausreichend Zeit zur Nährstoffaufnahme lässt. Die Speicherorgane der Pflanzen sind aktuell gut gefüllt, kleinere Engpässe können durch Umverlagerung in der Pflanze gut gepuffert und überbrückt werden. Wünschenswert ist für die kommenden Wochen eine ausreichende Wasserversorgung während der Blüte und Schotenbildung, und dann eine lange, eher kühle Reifephase.

Unterschiedliche Ziele der Blütenbehandlung

Häufig wird die Blütenbehandlung mit einer Sclerotinia Fungizidbehandlung gleichgesetzt. Dies ist zwar meist der Hauptgrund, es gibt aber auch noch weitere Aspekte zu berücksichtigen:

•          Ergänzung der Nährstoffversorgung

•          Insektizidmaßnahme gegen Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke

•          Reduzierung weiterer pilzlicher Erreger, z.B. Cylindrosporium, Alternaria oder Botrytis

•          Greeningeffekt für etwas spätere Abreife und verlustärmeren Drusch

Insbesondere die beiden letzten Punkte sorgen häufig dafür, dass mit Blütenspritzungen auch in Jahren mit nur geringem Sclerotinia-Druck sehr häufig leichte Mehrerträge (ca. 0,5 – 2 dt/ha) erzielt werden können.

Sclerotinia spielte zwar in den vergangenen Jahren nicht mehr die ganz große Rolle, darf aber bei passender Witterung im Schadpotenzial nicht unterschätzt werden. Kühle Bodentemperaturen und vor allem Trockenheit verzögern die Apothezienbildung von Sclerotinia. In der Regel ist aber mit dem Abfallen der ersten Blütenblätter ein guter Termin zur Vollblütenbehandlung erreicht. Das heißt, eine frühe Behandlung wegen besserer Durchfahrbarkeit ist nicht sinnvoll. Beim Einsatz beachten:

•          Hohe Wasseraufwandmengen (mind. 300 l/ha)

•          Niedrige Durchfahrtsgeschwindigkeiten (4 - 5 km/h)

•          Bienengefährlichkeit bei Tankmischungen beachten

•          Applikation bevorzugt in den Abendstunden vornehmen

Beschädigungen, z.B. durch die Larven der Kohlschotenmücke, können den Befall mit Botrytis ermöglichen.(Abb. 2/5)
 Beschädigungen, z.B. durch die Larven der Kohlschotenmücke, können den Befall mit Botrytis ermöglichen.(Abb. 2/5)

Verticillium wird zwar auch erst zur Abreife sichtbar, die Infektionen sind aber schon viel früher, im Herbst des Vorjahres, erfolgt.

Blütenfungizide können hier nur indirekt über ein längeres Greening helfen (was allerdings die Ernte erschweren kann).

Eine fungizide Blütenbehandlung senkt das allgemeine Krankheitspotenzial im Bestand deutlich, das Schotenpaket bleibt in der Regel länger gesund und grün.

Daher ist die fungizide Blütenbehandlung häufig wirtschaftlich, insbesondere natürlich bei hohen Rapspreisen.

Schneckenförmige Schote, vermutlich durch sehr späte Cylindrosporium-Infektion (Abb. 3/5)
 Schneckenförmige Schote, vermutlich durch sehr späte Cylindrosporium-Infektion (Abb. 3/5)

In langjährigen Bayerischen Fungizidversuchen wurden z.B. durchschnittlich 1,8 dt/ha Mehrertrag erreicht. Auch wenn die Maßnahme nicht immer wirtschaftlich ist, verbessert jeder Mehrertrag die N-Effizienz und verringert den N-Saldo.

Im Bereich der Blütenfungizide gibt es dieses Jahr neben z.B. CANTUS GOLD, PROPULSE oder EFILOR eine Reihe neuer Produkte. Und mit Fludioxonil und Isofetamid auch zwei neue, potente Wirkstoffe.

Empfehlung Blütenschädlinge: Keine prophylaktische Behandlung!

Das Schadpotenzial des Rapsglanzkäfers nimmt ab Blühbeginn schnell ab, da die Käfer nun direkt an ihre Nahrungsquelle, den Rapspollen, gelangen können. Von Vollblüte bis Blühende können aber oft die Larven der Rapsglanzkäfer gefunden werden, aus denen sich eine neue Schädlingspopulation für das kommende Jahr aufbauen kann.

Im Wesentlichen geht es in der Blüte um Kohlschotenrüssler und Kohlschotenmücke. Zunehmende Pyrethroidresistenz sorgt dafür, dass Schotenrüssler noch unzureichend bekämpft werden können.  Und nach dem Wegfall von BISCAYA sind zur Bekämpfung von Schotenschädlingen im Raps leider nur noch Pyrethroide zugelassen. Das Schadpotenzial der Kohlschotenrüssler ist aber begrenzt.

Bei der Kohlschotenmücke verhindert ihre Biologie eine gezielte Behandlung. 1. sind sie sehr schwer zu kontrollieren und 2. fliegen sie nur bei passenden Umweltbedingungen. Warm + windstill muss es sein. Häufig gibt es mehrere Zuflugtermine (siehe Grafik), die zudem oft erst nach dem Blütenfungizid-Termin liegen. Die Mücke ist also sehr schwer zu treffen. Zudem ist sie sehr flugfaul. Gab es keinen oder kaum Vorjahresbefall in der näheren Umgebung, verringert sich das Risiko. Und auf größeren Schlägen reicht in der Regel eine Randbehandlung bereits aus.

Kohlschotenmücke – Auftreten KSM 2017-2020 im Versuch (s. Abbildung)

Kohlschotenmücke – Auftreten KSM 2017-2020 im Versuch (Abb. 4/5) / Quelle: Manja Landschreiber, LWK Schleswig-Holstein
 Kohlschotenmücke – Auftreten KSM 2017-2020 im Versuch (Abb. 4/5) / Quelle: Manja Landschreiber, LWK Schleswig-Holstein

Auch B4-Produkte wie z.B. KARATE ZEON oder MAVRIK Vita sollten zum Schutz von Bestäuberinsekten nur abends nach dem Ende des Bienenflug ausgebracht werden. Das würde auf großen Betrieben zeitlich gerade einmal für eine Randbehandlung reichen.

Rapsglanzkäfer - Reduktion durch natürliche Gegenspieler (s. Abbildung)

Rapsglanzkäfer - Reduktion durch natürliche Gegenspieler (Abb. 5/5) / Quelle: JKI (M. Brandes & J. Hausmann)
 Rapsglanzkäfer - Reduktion durch natürliche Gegenspieler (Abb. 5/5) / Quelle: JKI (M. Brandes & J. Hausmann)

Ein Verzicht auf das Blüteninsektizid ist aufgrund der unsicheren Wirkung sowie zum Schutz der Nützlinge überall dort zu empfehlen, wo der Druck der Blütenschädlinge bereits in den Vorjahren gering war. Denn zur Blüte sind zahlreiche harmlose Blütenbesucher wie die Mistbiene (gehört zu den Schwebfliegen), die Märzfliege (gehört eigentlich zu den Mücken) im Raps anzutreffen. Ebenso auch viele Nützlinge. Neben den bekannten Bienen, Hummeln oder Marienkäfern zählen hierzu insbesondere zahlreiche Spinnenarten, Schwebfliegen und Schlupfwespen. Einige Schlupfwespenarten suchen z.B. gezielt nach RGK Larven, um sie zu parasitieren. Werden die Nützlinge bestmöglich geschont, leisten sie ihren Beitrag, den Schädlingsdruck für das kommende Jahr zu regulieren.

Kräftige Bestände und gute Wachstumsbedingungen versetzen den Raps in die Lage, mit möglichem abiotischem und biotischem Stress sehr viel besser klarzukommen als im Vorjahr. Stimmt die Wasserversorgung, bleiben die Erwartungen für viele Bestände vorsichtig optimistisch – auch wenn natürlich erst zum Schluss abgerechnet wird.

 

28.04.2021     Dipl.-Ing. agr. Rainer Kahl, RAPOOL-RING GmbH

 

Weitere Infos gibt es auch im Video Blütenschädlinge bei uns auf Facebook und Instagram.