Aktuelle Prognose zum Rapserdfloh (KW 35)

Einige Rapsbestände sind schon aufgelaufen. Auf vielen Flächen haben die Niederschläge die Aussaat aber verzögert, und der Raps ist noch nicht einmal in der Erde.

Weil der Zuflug des Rapserdflohs mit Gelbschalen überprüft werden muss, stellen Sie diese unbedingt rechtzeitig in Ihren Schlägen auf, d.h. spätestens in den auflaufenden Raps (Wasser mit etwas Spüli, Abdeckung mit Gitter, die Schalen etwas eingraben). Der Zuflug kann von Schlag zu Schlag sehr unterschiedlich sein. Gefährdet sind vor allem Schläge, die in der Nähe von Altrapsbeständen stehen.

Gelbschalen aufstellen
 Gelbschalen aufstellen

Das warme und sonnige Wetter ab Mitte dieser Woche ist förderlich für die Zuwanderung des Rapserdflohs in junge Rapsbestände, sofern es mit Temperaturen über 25 Grad dem Käfer nicht zu warm wird (im Westen und in der Südhälfte Deutschlands).

Ist der Raps aufgelaufen oder läuft jetzt auf, kontrollieren Sie die Gelbschalen nach mehrtägigem Spätsommerwetter, spätestens zum Wochenende. Kontrollieren Sie auch die Pflanzen auf Lochfraß des Erdflohs: Erste Lochfraßsymptome sind in frühem Raps bereits beobachtet worden, so in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Meistens (bei wüchsigen Rapsen) sieht dieser Fraßschaden aber viel schlimmer aus als er ist! Anfällig für Fraß sind v.a. Bestände, die ungleichmäßig auflaufen und bei denen das weitere Wachstum zögerlich ist. Bei der Beurteilung, ob die Schwelle von 10% zerstörter Blattfläche erreicht ist, hilft das Bewertungsschema der Pflanzenschutzdienste. Wer voreilig handelt, trägt bei zur Verschärfung der Resistenzsituation gegen die Pyrethroide, der einzigen Wirkstoffgruppe, die gegen den Rapserdfloh zugelassen ist.

Bleibt der Blattfraß unter 10%, kann die Einwanderung der Rapserdflohs zunächst noch abgewartet werden: Denn es sind seine Larven, die den Hauptschaden verursachen!

  1. Bei hohen Käferzahlen in den Gelbschalen (50 oder mehr Käfer/Gelbschale), kann eine Behandlung der Käfer vor der Haupteiablage sinnvoll sein. Mit einem hohen Anteil eiablagereifer Käfer ist häufig erst im Oktober zu rechnen (ist der September warm, kann dies auch schon früher der Fall sein).
  2. Möglich ist auch die Bekämpfung der Larven. Dazu warten Sie die Bedingungen für die Eiablage und die Larvenentwicklung den Oktober über weiter ab. Im Spätherbst kontrollieren Sie dann die Pflanzen auf Larven-Befallssymptome und entscheiden über die Behandlung. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass Sie nur behandeln, wenn sich ein kritischer Larvenbefall entwickelt hat. Dieser hängt nicht allein von der Anzahl der Käfer in den Gelbschalen ab: Die Temperaturen im Oktober entscheiden über Dauer und Intensität der Eiablage und wie viele Larven im Herbst schlüpfen.

 

Text: Julia-Sophie von Richthofen & Thomas Volk, proPlant GmbH, Münster